Minusgrade in den Aprilnächten Frost setzt Pflanzen und Bäumen in der Region zu

Service | Bonn · In Bonn und der Region gab es zum Wochenbeginn Bodenfrost – und den könnte es auch in den kommenden Tagen geben. Was bedeutet das für Obstbauern in der Region? Und wie lassen sich Pflanzen auf dem Balkon oder im Garten am besten schützen?

Mit Frost überzogen sind diese Pflanzen nach einer kalten Nacht.

Mit Frost überzogen sind diese Pflanzen nach einer kalten Nacht.

Foto: picture alliance/dpa/Stephan Jansen

Das warme Frühlingswetter hat sich bereits seit einigen Tagen aus Bonn und der Region verabschiedet. In der Nacht zu Montag gab es Temperaturen im Minusbereich. Zwar ist die Regenwahrscheinlichkeit deutlich geringer als am Wochenende und die Sonne zeigt sich immer wieder. Doch die Temperaturen bleiben am Montag und Dienstag tagsüber niedrig mit Höchstwerten von neun bis elf Grad Celsius. Nachts kann es weiterhin Frost geben. Was bedeutet das für die Landwirtschaft in der Region? Und wie lassen sich Pflanzen und Obstbäume grundsätzlich vor Kälte schützen?

Bonn: Hat der Frost bereits Schäden angerichtet?

Am frühen Montagmorgen, 22. April, lagen die Temperaturen unter null Grad Celsius, weiß der Bonner Meteorologe Karsten Brandt. Die Tiefstwerte in der Region habe er in Windeck mit minus zwei Grad und in Troisdorf mit minus 1,8 Grad gemessen. „Der Frost hat auch schon erste Schäden verursacht“, berichtet Brandt. In Bonn-Bechlinghoven habe er braune Ränder an den Blüten seines Quittenbaumes entdeckt, die ein Zeichen für Frostschäden seien. „Ich kann nicht genau sagen, ob der Stempel der Blüten auch beschädigt ist. Aber sollte dies der Fall sein, kann aus diesen Blüten keine Frucht mehr wachsen“, so der Meteorologe.

Peter Muß vom Provinzialverband Rheinischer Obst- und Gemüsebauer in Bonn berichtet auf Nachfrage, dass er am Morgen bereits bei Obstbaubetrieben in Wachtberg war. „Die Erdbeeren waren alle abgedeckt, ist mir gesagt worden. Von daher ist da nichts passiert“, sagt Muß. Beim Baumobst sei es noch zu früh, um Bilanz zu ziehen. Man müsse noch einige Tage abwarten, ob sich die jungen Früchte weiterentwickeln oder nicht.

Rhein-Sieg-Kreis und Bonn: Wie ist die Wettervorhersage für die kommenden Tage?

Die Perspektive für die Obstbauern ist aber nicht gerade gut. „Ich fürchte, die kommende Nacht wird noch schlimmer“, kündigt Brandt an. In der Bonner Innenstadt und vielleicht auch noch in den Innenstädten von Siegburg und Troisdorf könne es Temperaturen zwischen null und zwei Grad geben. „Aber alle anderen Orte im Rhein-Sieg-Kreis bekommen Frost“, sagt der Experte voraus. Bis zu minus drei Grad könne es in der Region geben.

„Das wird eine bittere Nacht, denn es wird mit Sicherheit größere Schäden in der Landwirtschaft geben“, sagt Brandt. Er vermute aus der Erfahrung der vergangenen Jahre, dass bei minus drei Grad die Hälfte der Obstbaumblüten kaputtgehen könnte. „Das ist wirklich schlimm für die Obstbauern, eine Katastrophe“, so Brandt. Er geht davon aus, dass die kommende Nacht die kälteste sein wird. „Aber auch Mittwoch- und Donnerstagmorgen müssen wir noch einmal zittern. Denn auch dann könnte es erneut Frost geben.“

Wie sieht es mit der Ernte von Obst- und Gemüsebauern in der Region aus?

Die Obstbauern ergreifen teilweise Schutzmaßnahmen gegen den Frost: Sie decken ihre Felder bei drohenden Minusgraden mit Vlies ab. Das wirke wie eine „wärmende Decke“, so Muß, und verhindere das Erfrieren der Pflanzen, beispielsweise von Erdbeeren. Muß zufolge sind zudem etwa Apfelanlagen in vielen Betrieben mit einer sogenannten Frostschutzberegnung ausgestattet. Andere Betriebe setzen auf „Windmaschinen, die wärmere Luft aus höheren Luftschichten in Bodennähe wirbeln und damit die Temperatur oberhalb des Bodens erhöhen.“ Ohne diese Schutzmaßnahmen bestehe die Gefahr, dass die Ernte durch Frost vernichtet werde.

„Die Betriebe, die solche Anlagen nicht haben, machen sich definitiv Sorgen. Die werden die Nacht sehr unruhig verbringen. Aber viel tun können sie im Prinzip nicht“, sagt Muß. In Meckenheim gebe es derzeit noch einige Unternehmen ohne Frostschutzmaßnahmen. „Einige bauen diese Anlagen derzeit noch. Im nächsten Jahr sind sie damit wohl fertig, aber für dieses Jahr hat es nicht gereicht“, erklärt Muß. Betriebe mit Frostschutzberegnung oder Windmaschinen seien hingegen für die kommenden Nächte gut gewappnet. Erst bei um die minus sieben Grad werde es selbst mit diesen Anlagen kritisch für die Obstbäume.

Aprilwetter in Bonn: Was schützt Pflanzen auf dem Balkon oder im Garten?

Auch Hobbygärtner machen sich Sorgen um ihre Pflanzen. Wie lassen sich diese auf dem Balkon oder im Garten am besten schützen? Felix Dominik, Revierleiter des Nutzpflanzengartens der Universität Bonn, hat Tipps parat: Je nachdem, wie lange die Pflanzen bereits auf dem Balkon oder der Terrasse stehen, können sie einfach nach drinnen geräumt werden. Für Dominik gilt: „Je weniger Abstand zwischen dem Raus- und Reinräumen liegt, umso unproblematischer ist das.“ Konkret also: „Wenn man in den vergangenen zwei Wochen Pflanzen ausgeräumt hat, dann vertragen sie es recht problemlos, wenn man sie wieder nach drinnen stellt.“

Sollten die Pflanzen bereits länger auf dem Balkon stehen, haben sie sich bereits an die kühleren Nachttemperaturen gewöhnt und sollten draußen bleiben. Dann können sie mit Vlies, Folie oder einer leichten Decke vor Bodenfrost geschützt werden. Das gilt auch für Blumenkübel, die zu schwer sind, um häufig bewegt zu werden. Dominik rät allerdings dazu, nicht voreilig zu handeln, sondern erst dann, wenn tatsächlich Temperaturen unter dem Gefrierpunkt angekündigt sind. „Wenn man die Pflanzen schon bei Wärme einpackt, wird es leicht zu stickig und kann sogar eher schaden.“

Bodenfrost: Welche Blumen und Pflanzen sind besonders robust?

Wer sich ein wenig Arbeit oder Sorgen um die Blütenpracht ersparen möchte, kann für das kommende Jahr auf robustere Pflanzen setzen. Diese können häufig auch bei Bodenfrost draußen bleiben. Dominik empfiehlt etwa Stiefmütterchen, „die halten schon was aus“, Primeln, Tulpen oder Narzissen. „Es gibt ja auch immer mehr Leute, die auch Nutzpflanzen auf dem Balkon haben, um ein wenig zu naschen“, sagt der Gärtnermeister. Hier empfiehlt er Mangold, Wintersalate oder Spinat. „Null oder minus ein Grad halten die gut aus.“

Aprilwetter in Bonn: Wie ungewöhnlich sind die aktuellen Temperaturen?

Bleibt noch die Frage nach dem Wetter. Ist dieser April ungewöhnlich warm, kalt, nass – oder eben genau so launisch, wie es sich für den Monat gehört? Meteorologe Karsten Brandt hat eine eindeutige Antwort: „Es war deutlich zu nass.“ Seit dem 1. April 2024 sind demnach circa 70 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen. Zwischen 2007 und 2020 waren es knapp unter 40 Liter pro Quadratmeter. „Da sind wir jetzt also schon fast bei der doppelten Regenmenge“, sagt Brandt. Und der Monat sei noch nicht vorbei.

Ähnlich verhält es sich bei den Temperaturen. Im Vergleich zu den Zehnerjahren ist der April zum jetzigen Stand mehr als 1,5 Grad zu warm. „Da darf man sich natürlich nicht von den letzten paar Tagen täuschen lassen, die eher kalt waren“, sagt Brandt. So gab es am 6. April in Bonn etwa Höchstwerte von 27,0 Grad und am 13. April von 27,1 Grad. Insgesamt zeigt der April sich bis heute also auch zu warm in der Region.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort