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Hausschuhe für den Winter: Designer entdecken neue Leidenschaft für Hausschuhe

Hausschuhe für den Winter : Designer entdecken neue Leidenschaft für Hausschuhe

Alles geht diesen Winter, und zwar vor allem zu Hause. Auf rutschfesten Sohlen, aus Plüsch und in fröhlichen Farben: Die Designer haben eine neue Leidenschaft für Hausschuhe entdeckt.

Im Corona-bedingten Homeoffice die guten, alten Pantoffeln zu neuen Ehren: als Trendschuh. „Spätestens seit die Hersteller nicht mehr vom Hausschuh, sondern von Home- und Loungewear sprechen, haben diese Schuhtypen ihr spießiges Image abgelegt“, sagt Claudia Schulz vom Deutschen Schuhinstitut (DSI).

Hausschuhe sind weit mehr als reine Fußbekleidung. „Sie sind kleine Zufluchtsorte“, so Floris van Bommel, Kreativdirektor der gleichnamigen niederländischen Schuhmanufaktur.

Puschen, Pantoffeln – abgeleitet vom französischen „pantoufle“ –, Schlappen, Latschen – es gibt zahlreiche Bezeichnungen für Hausschuhe. Viele Jahre wurden sie eher verschämt getragen. Dabei ist man immer mit einem wohligen Seufzer hineingeschlüpft.

Filzpantoffel von Thies. Foto: Hersteller

Mittels Klettbänder wird ein Hausschuh draus

Für die neuen Modelle von diesem Winter muss sich keiner mehr genieren. Gemein ist ihnen ein Gute-Laune-Moment. „Fröhlich warme Wohlfühlfarben wie Olivgrün, Rot, Anthrazit“, beschreibt Designerin Verena Fröhlich, die unter ihrer Marke designshot Unisex-Pantoffeln kreiert. Aus hundertprozentigem Wollfilz gemacht wärmen sie, auch auf Reisen, die sie werden mittels Klettbändern mit drei Handgriffen erst zum Schuh geformt werden.

Ansonsten zeichnet sich die Familie der Puschen durch die Einfachheit der Konstruktion an sich aus. Sohle, Vorderkappe, gegebenenfalls noch Fersenteil, fertig ist der bequeme Schluffen für Haus und Wohnung. Reißverschlüsse, Schnürsenkel und Spangen gibt es nicht, letztere nur aus dekorativen Zwecken.

Filzpantoffel von Thies. Foto: Hersteller

Von der Funktion her liegt das Augenmerk auf der Sohle. „Es gibt Hausschuhe mit fester Sohle, die sich auch zum Müllrausbringen eignen und zum anderen Modelle mit weichen Sohlen, die man auf der Terrasse tragen kann“, erklärt Johannes Giesswein von der österreichischen Traditionsmarke und dem Familienunternehmen Giesswein.

Hausschuhe werden immer facettenreicher

Der Bestand an Hausschuhen nimmt sich im Gegensatz zu jedem anderen Schuhtypen mit größter Wahrscheinlichkeit gering aus. Mit 170 Millionen Euro entfielen nur knapp zwei Prozent des gesamten Umsatzes, der, laut Bundesverband des Deutschen Schuheinzelhandels (BDSE), hierzulande mit Schuhen erzielt wird, auf Hausschuhe. Das könnte sich allmählich ändern, wird doch das Segment Hausschuhe immer facettenreicher und die Designs immer kreativer.

Hausschuhe zum Zusammenfalten von designshot. Foto: Hersteller

„Die gegenwärtige Entwicklung zeigt, wie viel Einfluss Brands und Designer nehmen können, wenn sie den Zeitgeist aufgreifen, den Schalter umlegen und Produkten wie dem Hausschuh ein neues cooles Update verleihen“, führt Floris van Bommel aus. „Wenn Hausschuhe eine ähnliche Evolution wie funktionelle Outdoor-Kleidung durchlaufen werden, werden wir vielleicht in ein paar Jahren alle mehrere Paare besitzen.“ Auch van Bommel hat seine Kollektion um ein Modell, das einem Hüttenschuh oder einer dicken Wollsocke mit Wildledersohle ähnelt, ergänzt.

Die Auswahl jedenfalls ist da. „Es gibt nichts, was es nicht gibt. Vom klassischen Pantoffel über Schaffellpuschen, Mokassins, Bio-Clogs, Ballerinas, Pantoffel-Sneaker bin hin zu Kissenstiefeln“, zählt Sebastian Thies auf. „Die Vor- und Nachteile muss jeder für sich ausmachen, ergänzt der Schuhdesigner und -produzent des Schuhherstellers Thies.

Schlappen zum Reinschlüpfen oder Modelle mit Gummizug

Filzpantoffel von Thies. Foto: Hersteller

Auch wenn das Thema Design in der eigenen wie auch anderen Unternehmensgeschichten nie ausgeklammert gewesen sei, bekäme es jedoch momentan viel mehr Aufmerksamkeit – nicht zuletzt den sozialen Medien geschuldet. Thies: „Wir haben bereits vor vielen Jahren coole Hausschuhe für Designerlabels wie MCM entwickelt.“

„Die Modelle zum Reinschlüpfen zieht man schneller an, rutscht aber auch leichter raus. Um Ballerinas mit Gummizug anzuziehen, muss man zwar kurz den Schuh mit der Hand zurecht ziehen, aber dann sitzt er perfekt“, so die Schuh-Designerin Julia Gensel. Sie hat das Label „Pampuschen“ gegründet, um selber endlich schöne Hausschuhe zu finden.

Aus grauem Filz von Giesswein. Foto: Hersteller

Groß ist inzwischen auch die Materialvielfalt. „Im Winter wärmen Strick, Filz und Plüsch. Sehr edel ist gewachsenes Lammfell. Ich würde, gerade in gut geheizten Räumen natürliche, atmungsaktive Materialen vorziehen. Leder ist gut, da es über eine natürliche Elastizität verfügt. Plastik ist so eine Sache. Modisch sicherlich angesagt, etwa bei Slides, den von Bademeistern abgeschauten, angesagten Badelatschen, aber nachhaltig?“, so Claudia Schulz vom DSI.

Modell von van Bommel im Hüttenschuh-Stil. Foto: Hersteller

Die Sohlen sollten rutschfest sein

Das Thema Sohlen ergänzt Schulz um rutschfeste Sohlen. „Schließlich will man auf nassen Böden nicht ins Rutschen kommen. Auch eine gewisse Flexibilität ist nicht zu verachten – für ein gutes Abrollvermögen. Und anatomisch geformte Sohlen, wie bei Tieffußbett-Pantoletten, sind für viele Menschen eine Wohltat nach einem langen Arbeitstag. Kork hat außerdem noch den Vorteil, dass er sich der Fußform anpasst“, führt sie aus.

„Im Kinderbereich gibt es Hausschuhmodelle mit einem elastischen Gummizug. Diese sind sehr praktisch, weil sie sich automatisch an die Anatomie des Kinderfußes anpassen“, sagt Johannes Gieswein. Erwachsene, fügt er hinzu, schätzten Slipper, da diese sehr einfach an- und auszuziehen seien. Die Hausschuhliebhaber schickt er aktuell ebenfalls in kräftigen, poppigen Farben wie Türkis, Grün, Rosa und Lime über die unterschiedlichen heimischen Bodenbeläge.