1. Ratgeber

Jogginghose, Fensterplatz und Co.: So wird das Homeoffice zum angenehmen Arbeitsplatz

Jogginghose, Fensterplatz und Co. : So wird das Homeoffice zum angenehmen Arbeitsplatz

Für viele Arbeitnehmer gilt es aktuell, sich das Büro in den eigenen vier Wänden einzurichten. Doch was kann man tun, um das Homeoffice zu einem angenehmen Arbeitsplatz zu machen? Ein paar Tipps für den Joballtag im eigenen Heim.

Ein Tag in der Woche wäre ideal, meinte man noch vor kurzem, einmal im Monat besser als überhaupt nicht. Endlich kein Stau mehr auf dem Weg in die Arbeit, endlich ein Hauch von Freiraum in der Tages-(Arbeits-)Zeit-Gestaltung. Von manchem erhofft und herbeigesehnt – und jetzt ist es plötzlich da, ob man will oder nicht: das Homeoffice. Statt Wunschdenken wurde die Arbeit im heimischen Büro eine unverzügliche Notwendigkeit. Allerdings ließ die Entscheidung keine Zeit, das Vorhaben zu durchdenken und sich mit der Planung eines Arbeitsplatzes in den eigenen vier Wänden auseinanderzusetzen. Wie lässt sich quasi spontan ein Homeoffice eröffnen und wie wird der häusliche auch auf unbestimmte Zeit ein angenehmer Arbeitsplatz?

Schule, Ausbildung, Studium – früher gehörte ein Schreibtisch zur Basisausstattung im Kinderzimmer und später in der ersten eigenen Wohnung oder in der WG. Aber jetzt? Hat man sich tatsächlich einen Arbeitsplatz im Wohnzimmer, der Wohnküche oder im Schlafzimmer eingerichtet? Nicht unbedingt. Schließlich arbeitet die meisten – manche Freiberufler einmal ausgenommen – außerhalb. In der Firma existiert der Arbeitsplatz, sind Technik und mediale Voraussetzungen vorhanden.

Hat man in Ausnahmefällen den Laptop schon einmal mit nach Hause genommen, war jedes Möbelstück, egal, ob die Couch, der Küchentisch oder das Bett, eine ausreichende Grundlage. Man wusste ja: Es ist nicht für lange. Der große Publizist, Autor und Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki hat zu Lebzeiten gesagt, dass er für Rezensionen Bücher ausschließlich am Schreibtisch lese. Also in einem klar für die Arbeit bestimmten Refugium. Das ist wichtig, um effizient zu sein. Deshalb überträgt man die Strukturen aus dem Büro am besten ins häusliche Umfeld.
Weckerklingeln
Normaler Arbeitsbeginn acht Uhr, die fehlende Fahrzeit bringt eine Einsparung von einer halben Stunde. Nein, die soll nicht an die Schlafzeit angehängt werden. Aufstehen wie immer ist das Gebot der Stunde. Dafür darf man sich etwas mehr Zeit beim Frühstück nehmen und die Zeitung ausgiebiger lesen. Immer beachten: Je drastischer die Krise, desto mehr hilft Normalität. Also zur üblichen Zeit aufstehen.

Fensterplatz und ein aufgeräumtes Zimmer sorgen für eine gemütliche Arbeitsatmosphäre. (Symbolbild) Foto: Stock Adobe

Gelockertes Büro-Outfit

Im Homeoffice ist es erlaubt, sich ein bisschen bequemer anzuziehen. Die Straßenschuhe dürfen ruhig im Schuhschrank bleiben. Aber im Nachthemd oder Pyjama an den Schreibtisch? Das geht gar nicht, denn der Nacht-Look schafft keine Arbeitsatmosphäre. Auch die vielen Videokonferenzen über Skype oder Zoom schließen diese Option aus. Also duschen, anziehen, fertig machen, so wie immer oder halt in der Light-Version.

Der richtige Platz

Ein heller Arbeitsplatz kann für ein entspanntes Arbeiten im eigenen Heim sorgen. (Symbolbild) Foto: Stock Adobe

Das temporäre Homeoffice braucht eine räumliche und gedankliche Trennung. Im Normalfall gibt es aber kein leerstehendes Zimmer, vielleicht ist nicht einmal ein Schreibtisch vorhanden. Man kann sich einen kleinen Sekretär oder Schreibtisch auf eigene Kosten bestellen, die Lieferdienste funktionieren. Oder kreativ im Do-it-yourself-Verfahren einen Arbeitsplatz bauen. Eine Platte und zwei Holzböcke reichen dafür. Wichtig ist, dass, wenn man am Computer oder Laptop arbeitet, auf einem vernünftigen Stuhl an einem Tisch mit Schreibtischhöhe sitzt – Rückenschmerzen sind sonst vorprogrammiert.

Die Arbeitsfläche

Computer, ein paar Akten, Handy – mehr Fläche braucht man eigentlich nicht. Doch wohlfühlen sollte man sich schon an dem improvisierten Arbeitsplatz. Blumen helfen, eine Vase mit Tulpen beispielsweise. Die gibt es glücklicherweise noch im Supermarkt. Oder gibt es Grünpflanzen, die man nahe rücken könnte? Der temporäre Schreibtisch ist jedoch ansonsten keine Ablagefläche für Dinge, die nichts mit der Arbeit zu tun hat. Im Büro laden wir unseren Schreibtisch auch nicht mit privatem Krimskrams voll, für das Homeoffice gilt das gleiche.

Mit Aussicht

Um die Augen zu entspannen und um den Gedanken freien oder konzentrierten Lauf zu lassen, hilft Weitblick. Steht der Schreibtisch an der Wand, ist der Blick auf gerade mal einen Meter begrenzt. Wird der Arbeitsplatz in Richtung Fenster aufgebaut, kann man in die Weite schauen. So überwindet man die Grenzen, die eine kleiner gewordene Arbeitswelt mit sich bringt. Lassen sich derlei Fensterblicke partout nicht einrichten, könnte ein Platz mit Blick in den Raum ausgewählt werden.

Technische Accessoires

Mit einer Mehrfachsteckdose und einer Steckdose in der Nähe vermeidet man Chaos auf dem Boden. Es ist zwar schon Frühling und wir brauchen weniger künstliche Beleuchtung. Doch eine Lampe ist essentiell, um die Arbeitsfläche richtig auszuleuchten.

Verlockungen

Die Verlockung, öfter aufzustehen, sich Kaffee, Tee oder Wasser zu holen, ist groß. Zumal man ja für die Rückengesundheit sowieso nicht länger als 20 Minuten am Stück sitzen sollte. Doch unterbrechen diese kleinen Fluchten den Arbeitsprozess, wenn sie überhandnehmen. Als Vorlage gilt das eigene Verhalten im Büro.

Große Pause

Mittagspause am Schreibtisch? Wer es bis zur Krise nicht getan hat, sollte damit jetzt auch nicht anfangen. Abschalten, aufstehen und den Lunch anderswo in der Wohnung genießen, wenn es wärmer wird sogar schon auf dem Balkon, der Terrasse oder im Garten. Einen Vorteil bringt die häusliche Werktätigkeit mit sich: Man kann sich das Mittagessen selbst zubereiten. Es gibt genug einfache Gerichte, die sich schnell kochen lassen.

Häusliche Bewegung

Auch kleine Pausen gehören zum Büroalltag. Im Homeoffice sollte man sie bewusst nehmen und sie mit Sinn füllen. Man kann sie zu kleinen Fitness-Auszeiten nutzen. Fernsehen und soziale Medien fungieren derzeit wie private Trainer und ersetzen mit ihren Übungsangeboten das Fitnessstudio.

Feierabend

Es gibt keinen Grund, die übliche Zeit, Feierabend zu machen, zu ändern. Die Verführung ist groß, den Rechner anzulassen und immer wieder nachzuschauen, ob noch Mails gekommen sind. Doch so nimmt man die Arbeit mit in die Freizeit. So wie man im Büro die Tür hinter sich zu macht, funktioniert es im übertragenen Sinne auch im Homeoffice. Nur hier heißt es, den Arbeitsplatz einzupacken. Laptop und Unterlagen werden verstaut, nach Möglichkeit sollte auch der Stuhl verschwinden (nur der Tisch darf bleiben). Sonst gibt es ebenfalls kein Gefühl der Trennung von Arbeit und Freizeit. Das Ganze dauert nur wenige Minuten. Und genauso schnell lässt sich das provisorische Büro morgens auch wieder herrichten.