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600 Jahre Schützen in Ahrweiler

600 Jahre Schützen in Ahrweiler

Bonn. Spricht man im AW-Land von Tradition, dann geht es um die Ahrweiler Schützen. Denn sie sind die Hüter des Brauchtums. Erstmals erwähnt wurde die Sankt Sebastianus- Bürger-Schützengesellschaft im Jahre 1403.

Grund genug für die rund 650 Mitglieder, das 600-jährige Bestehen an diesem Wochenende ganz groß zu feiern. Hinzu kommen noch zwei weitere Korporationen: die Sankt Laurentius-Junggesellen-Schützengesellschaft aus dem Jahr 1612 mit rund 250 Aktiven und die 1813 gegründete, fast 900 Mitglieder zählende Aloisius-Jugend.

Und das bei gerade einmal 8 000 Einwohnern des Stadtteils, der über Jahrhunderte hinweg kur-kölnische Mithauptstadt war. Vornehmste Aufgabe der Schützen war und ist die Begleitung der Fronleichnamsprozession mit klingendem Spiel und unter Waffen.

Dieses Schutzgeleit neben der Stadtverteidigung ist urkundlich bereits im Jahr 1492 verbrieft. "Civibus auxilium non aliunde patet ? Nirgendwo anders (als bei den Schützen) gibt es Schutz für die Bürger." Dieser Spruch steht auf der Schützenfahne von 1740, und er ist auch heute aktuell.

Denn getreu dem Bürgerlied mit seiner Kernaussage "Nichts gilt arm und reich, alle sind wir gleich, alle sind wir Kinder einer Stadt" stehen in den Corps, Gliedern und Zügen alle Mitglieder für eines ein: ihre Vaterstadt.

Und bei Schützenbrüdern gibt es keinen Unterschied zwischen Staatssekretär und Fliesenleger oder Regierungspräsident und Winzer. Darauf sind die Schützen stolz, ebenso darauf, dass sie von den Nazis verboten waren und es der französische Stadtkommandant Paul Begel war, der nach dem Zweiten Weltkrieg das Wiederaufleben des Schützenwesens förderte.

Und eine Tradition der Ahrweiler Schützen ist ohne Beispiel: der historische Trinkzug. Im Turnus von drei Jahren findet das große Schützenfest am Dreifaltigkeitssonntag statt, bei dem neben dem Königsschuss der Junggesellen auch die Kür des Bürgerschützenkönigs über die Bühne geht.

Ab dem Abend reichen dann Ahrweilers Bürger in der Altstadt vor ihren Häusern den Majestäten und Schützen den Ehrentrunk ? Rotwein. An gut und gerne 200 Stationen erheben die Schützen das Glas auf das Wohl der Bürger, immer in Reih'' und Glied versteht sich.

Dieses Prozedere zieht sich bis in den Montagmorgen hinein, und wer da Böses denkt, dem sei mit einem Zitat des legendären Bürgerhauptmannes Stefan Schöneberg geantwortet: "Wir Schützen trinken, aber wir übergeben uns nicht."

Den Ursprung hat der Trinkzug in den jährlichen Dankgelagen der zwölf Ahrweiler Adelshöfe für die Schützen für die Verteidigung der Stadt gegen Raubgesindel und andere Feinde. Und diese Gelage fanden ebenfalls am Sonntag nach Pfingsten statt.

Prominenteste Mitglieder der Ahrweiler Schützen waren übrigens König Friedrich-Wilhelm IV. von Preußen und Rudolphus Cyrillus Jarre, Märtyrer-Erzbischof von Tsinanfu, 1888 König der Aloisius-Jugend.

Programm

Freitag, 23. Mai

19 Uhr: Aufzug der Sankt Sebastianus-Bürger-Schützengesellschaft

23 Uhr: Großer Zapfenstreich auf dem Marktplatz

Samstag, 24. Mai

14 Uhr: Beginn des Mittelalter-Marktes in der Altstadt

16 Uhr: Abholen der neuen Glocken am Ardennenplatz

17 Uhr: Weihe der Glocken auf dem Marktplatz

20 Uhr: Großer Festball im Bürger-Centrum

Sonntag, 25. Mai

8 Uhr: Aufzug aller Schützengesellschaften

9 Uhr: Pontifikalamt auf dem Marktplatz

11 Uhr: Beginn des Mittelalter-Marktes in der Altstadt

15.30 Uhr: Festzug aller Schützen durch die historische Altstadt