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Ahrweiler Schützenfest fällt aus: Paul Begel genehmigte 1949 das Ahrweiler Schützenfest

Schützenfest fällt 2020 aus : Paul Begel genehmigte 1949 das Ahrweiler Schützenfest

Zum ersten Mal seit der Wiederbelebung des Schützenbrauchtums nach dem Zweiten Weltkrieg fällt das Schützenfest in Ahrweiler 2020 aus. Zeit, an den französischen Kreiskommandanten Oberst Paul Begel zu erinnern, der das Schießen auf den Königsvogel 1949 wieder erlaubte.

Es ist eine Premiere, auf die die Ahrweiler Schützen gerne verzichtet hätten. Denn zum ersten Mal seit der Wiederbelebung des Schützenbrauchtums nach dem Zweiten Weltkrieg fällt das Schützenfest aus. Weder bei den Junggesellenschützen noch bei der Aloisiusjugend wird es ein Königsschießen geben.

Auch die traditionelle Begleitung der Fronleichnamsprozession, Festveranstaltungen und Bälle sowie die Paraden von Bürger- und Junggesellenschützen fallen Corona zum Opfer. Das für 2021 beim alle drei Jahre stattfindenden Großen Schützenfest geplante Königsschießen der Bürgerschützen, dem sich nach altem Brauch der Historische Trinkzug anschließt, wird auf 2022 verschoben.

Und dennoch soll zumindest ein Hauch von Schützenfest durch die Altstadt wehen. Deshalb appelliert Bürgerhauptmann Jürgen Knieps an die Bürger, die Stadt an den „ausgefallenen“ Schützenfesttagen mit den traditionellen Fahnen zu schmücken. „So soll in Zeichen der Krise ein Zeichen der Solidarität gesetzt werden“, sagt Knieps und ist überzeugt: „Ahrweiler hat schlimmere Zeiten überstanden.“

Eine Armbrust ersetzte nach dem Krieg die Vogelbüchse

Eine der schlimmsten Zeiten war die Zeit der NS-Diktatur, als christliches Brauchtum wie das Begleiten der Fronleichnamsprozession für die Schützen auf dem Index stand. Und nach dem Zweiten Weltkrieg dauerte es fünf Jahre, bis das Schützenfest wieder richtig in Gang kam. Zwar gab es bereits 1948 mit Rolf Letzel einen Aloisiuskönig, doch dieser wurde nicht im Wettbewerb mit der Armbrust ermittelt, sondern gekürt.

1949 waren es dann die Junggesellenschützen, die die entscheidenden Verhandlungen mit dem damaligen französischen Kreiskommandanten Oberst Paul Begel geführt hatten. Mit dessen Genehmigung durfte wieder auf den Königsvogel geschossen werden. Aber wie bei der jüngsten Ahrweiler Schützengesellschaft nur mit der Armbrust. König wurde damals Paul Winfried Pomp. Im selben Jahr genehmigten die französischen Behörden auch die Neugründung der Ahrweiler Bürgerschützen.

Und so kam es vor 70 Jahren dazu, dass erstmals nach dem Krieg wieder „richtig“ Schützenfest gefeiert werden durfte. Auch wenn zum Vogelschuss nur Jagdgewehre statt der bis heute üblichen 16-Millimeter-Büchsen zugelassen waren und die Junggesellen noch nicht im Stechschritt paradieren durften. König der Bürgerschützen wurde 1950 Weingutsbesitzer Josef Adeneuer. Ludwig Jakobs wurde Junggesellenschützenkönig und Willi Schragen Majestät der Aloisiusjugend.

Alten Glanz gewann das Schützenfest dann 1953 zurück. Denn in diesem Jahr feierten die Bürgerschützen, die heute mehr als 700 Mitglieder zählen, ihr 550-jähriges Bestehen mit einem historischen Festzug, wie es ihn schon 1903 zum 500. Jubiläum gegeben hatte. König war damals Karl von Groote.

Begel wird 1974 mit dem Wappenteller ausgezeichnet

Doch zurück zu dem Mann, der das alles möglich gemacht hatte. Paul Begel, der in der Nähe von Paris lebte, besuchte 1974 und 1989 „seine“ Schützen in Ahrweiler. Bei seinem Besuch 1974 wurde ihm eine besondere Ehre zuteil. Für seine Verdienste um die Völkerverständigung zwischen Frankreich und Deutschland wurde der einstige Kreiskommandant mit dem Wappenteller des Kreises Ahrweiler ausgezeichnet.

Landrat Christoph Stollenwerk erinnerte in seiner Laudatio an die schwierige Situation nach dem Krieg: „Die Bevölkerung hat Paul Begel als Freund und Helfer schätzen gelernt.“