Infrastruktur im Ahrtal Schulterschluss entspannt den Facharbeitermangel

Ahrtal · Beim Wiederaufbau der kommunalen Infrastrukturen nach der Flut ist ein neuer Gemeinschaftsgeist gefragt. Experte Markus Becker plädierte vor Kommunalpolitikern für einen „Infrastrukturverband Ahrtal“.

 Experte Markus Becker berichtet über Erkenntnisse aus der Flutkatastrophe für Bürgermeister und andere Entscheidungsträger.

Experte Markus Becker berichtet über Erkenntnisse aus der Flutkatastrophe für Bürgermeister und andere Entscheidungsträger.

Foto: AHR-FOTO

Bauwerke, die unter der Erdoberfläche liegen, gelten in der Regel als unspektakulär – anders als es Sichtbare und oftmals architektonisch interessante Bauten sind. Seit der Flutkatastrophe im Ahrtal ist das zumindest hier etwas anders geworden. Mit dem Zusammenbruch der kommunalen Infrastruktur wuchs das Interesse an einem schnellen Wiederaufbau, erkannte man die Wichtigkeit der bis dahin eher hingenommenen und als selbstverständlich wahrgenommene Versorgung. Tiefbau-Ingenieure genießen seither mit ihrem Wissen gesteigerte Wertschätzung.

Markus Becker ist so ein Infrastruktur-Fachmann und hat die Hochwasserkatastrohe im Ahrtal als selbst betroffener Einwohner und Mitglied des Krisenstabes der Kreisstadt hautnah erlebt. Beim Wiederaufbau war er mit seiner beruflichen Expertise und seinem Ingenieurbüro von Anfang an Ratgeber und aktiv eingebunden in Planungen und Aufbaumaßnahmen. In Dümpelfeld referierte er jetzt vor regionalen Kommunalpolitikern darüber, was Bürgermeister, Landräte und Führungskräfte in der Kommunalverwaltung, aber auch private Infrastrukturunternehmen unternehmen können, um eine widerstandsfähige Infrastruktur zu fördern und aufzubauen. Die aus der Katastrophe gewonnenen Erkenntnisse gelte es umzusetzen. Durchaus wünschenswert sei ein „Infrastrukturverband Ahrtal“, in dem die Belange der einzelnen Kommunen klug vernetzt gebündelt werden könnten.

Kommunen und Verwaltungen überfordert

Nach der Blaulichtphase habe die gesamte Schadenslage mit ihren fatalen Auswirkungen zunächst für eine Überforderung der Kommunen und ihren Verwaltungen gesorgt. Tiefbau- und Hochbau waren gleichermaßen gefordert, Wasser- und Klärwerke ebenso wie kommunale Strom-, Energieversorger und Netzbetreiber. Nicht zu vergessen, die Müllabfuhr, die in wenigen Wochen mehr Sperrmüll abtransportieren musste, als sonst in fünfzig Jahren anfällt.

„Wir haben eine größtenteils funktionierende Infrastruktur. Sie ist aber nicht robust genug“, so Becker. Er forderte mehr strategisches Denken bei den Planungen und Investitionen. Es gelte, weitaus langfristiger zu planen. Auch finanziell: „Infrastruktur hält nicht ewig“, meinte der Tiefbauexperte. Aber nicht nur Material und fehlende langfristige Planungen bereiten Kopfzerbrechen. Auch die personelle Situation in den technischen Abteilungen der Verwaltungen. Becker sprach von „besorgniserregenden“ Zuständen. Es gebe zu große Fluktuation in den Amtsstuben. Ständig wechselnde Ansprechpartner, die nicht über den Kenntnisstand ihrer Amtsvorgänger verfügten, stellten die externen Fachkräfte vor Herausforderungen. Becker: „Es fehlen technische Führungskräfte. Der Arbeitsmarkt leistet das nicht.“

Interkommunale Zusammenarbeit als Lösung

Allzu viele Hoffnungen auf Besserung konnte Becker den Kommunalpolitikern in Dümpelfeld angesichts des Fachkräftemangels nicht machen. Er rief zum engen Schulterschluss auf, zu mehr Verzahnung und interkommunalen Zusammenarbeit. Becker: „Wir müssen schauen: Was kriegen wir als Gemeinschaft hin?“ Er habe großen Respekt vor den Kommunalpolitikern und den Verwaltungen. Sie standen und stehen vor großen Herausforderungen“, sagte Becker. Noch zehn bis 15 Jahre lang werde das Ahrtal eine große Baustelle bleiben, ehe eine zukunftsfähige neue Infrastruktur aufgebaut sei.

Die in Dümpelfeld versammelten Kommunalpolitiker bestätigten die Erfahrungen des Bauexperten. Auch Beckers Aufruf zu verstärkter interkommunaler Zusammenarbeit fand viel Gehör. CDU-Kreistagsfraktionschef Michael Korden: „Das ist seit langem unser Credo. Wir müssen weg vom Kirchturmdenken. In gemeinsamen Zweckverbänden entspannt sich dann auch die Facharbeiterproblematik.“

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