DNA-Test bestätigt Wolfsbiss in Altenahr nachgewiesen

Update | Altenahr · In der Verbandsgemeinde Altenahr ist ein Wolfsbiss nachgewiesen worden. Demnach fanden sich DNA-Spuren des Raubtiers an einem Pferde-Kadaver. Der Erste Kreisbeigeordnete zeigt sich besorgt.

Nahaufnahme eines Wolfs (Symbolbild).

Nahaufnahme eines Wolfs (Symbolbild).

Foto: dpa/Bernd Thissen

In der Verbandsgemeinde Altenahr ist ein Wolf nachgewiesen worden. An einem Pferd, das nach dem Ausbruch aus seiner Koppel mutmaßlich tödlich verunglückt war, wurden Bisse des Raubtiers per DNA-Abstrich festgestellt. Das teilt die Kreisverwaltung Ahrweiler nun unter Berufung auf das rheinland-pfälzische Koordinationszentrum Luchs und Wolf mit. Demnach ereignete sich der Vorfall bereits im April.

Die genauen Umstände des Unfalls seien nicht bekannt. Die verhältnismäßig geringfügigen, beziehungsweise oberflächlichen Bissverletzungen seien nicht ursächlich für den Tod des Pferdes, das aufgrund eines Sturzes verstorben sei, heißt es. Aber: Aufgrund des direkten Nachweises von Wolfs-DNA an dem verunglückten Tier sei „eine Beteiligung eines Wolfs an dem Koppelausbruch nicht sicher auszuschließen“.

Laut DNA gehöre der nachgewiesene Wolf zur sogenannten Mitteleuropäischen Flachlandpopulation, Haplotyp HW02. Da eine „Individualisierung der Proben“ nicht erfolgreich gewesen sei, lägen keine weiteren Informationen vor, beispielsweise zur Herkunft oder dem Geschlecht des Tieres. Ob es sich um das gleiche Tier handelt wie bei den kürzlich gemeldeten Wolfsnachweisen vom 15. April 2024 im Landkreis Trier-Saarburg und vom 3. April 2024 im Landkreis Birkenfeld könne weder bestätigt noch ausgeschlossen werden.

Horst Gies ist nicht nur Landtagsabgeordneter und Erster Kreisbeigeordneter, sondern auch stellvertretender Vorsitzender der Kreisjägerschaft Ahrweiler.

Horst Gies ist nicht nur Landtagsabgeordneter und Erster Kreisbeigeordneter, sondern auch stellvertretender Vorsitzender der Kreisjägerschaft Ahrweiler.

Foto: Martin Gausmann

Experten-Tipps für richtiges Verhalten

Der Biologe Peter Sound beschäftigt sich als Referent im rheinland-pfälzischen Umweltministerium mit dem Thema Wolf. Er glaubt nicht, dass der Wolf nun an der Ahr heimisch geworden ist. Vielmehr handele es sich um ein Tier auf der Durchreise. „Die Tatsache, dass wir dort keinen residenten Wolf haben, spricht dafür. Das ist ganz typisch für die Jahreszeit“, so Sound im Gespräch mit dem General-Anzeiger.

Insgesamt ist die Wolfspopulation in Deutschland ihm zufolge noch klein, obwohl sie laut jüngsten Zählungen ungefähr 1400 Tiere umfasst. „Das wirkt zwar viel, 1400 Tiere, aber das müssen Sie auf ganz Deutschland beziehen. Wenn Sie zum Beispiel das Hachenburger Rudel im Westerwald nehmen: Das ist ein Geschwisterpaar. Die Tatsache, dass sich ein Geschwisterpaar untereinander verpaart, zeigt schon, dass der genetische Austausch bei Weitem noch nicht weit fortgeschritten ist“, gibt er zu bedenken. In Rheinland-Pfalz gebe es gerade einmal fünf Wölfe, die dort heimisch seien. Laut Naturschutzbund Deutschland wurden im Monitorjahr 2022/2023 acht sesshafte Wölfe im Bundesland nachgewiesen. So oder so: Die Zahl ist in Rheinland-Pfalz verschwindend gering. Wie Sound berichtet, fühlen sich die Tiere in dünner besiedelten Teilen der Republik wohler, etwa in Mecklenburg-Vorpommern.

Wer einmal einem Wolf begegnet, soll dem Experten zufolge Ruhe bewahren, nicht weglaufen und sich groß machen: „Sie können schreien, in die Hände klatschen, dem Wolf ganz klar sagen: Hier bin ich.“

Politiker zeigt sich besorgt

Der CDU-Landtagsabgeordnete und Erste Kreisbeigeordnete Horst Gies, der auch stellvertretender Vorsitzender der Kreisjägerschaft ist, nimmt die Nachricht vom Wolfsnachweis mit Sorge auf. Er könne nur hoffen, „dass niemand von einem Wolf im Wald oder wo auch immer angegriffen wird“. Es gelte, die Situation genau zu beobachten. „Wir fordern seitens der CDU, dass der Wolf ins Jagdrecht kommt und der Schutzstatus abgesenkt wird“, äußerte sich Gies gegenüber dem General-Anzeiger. Wenn festgestellt werde, dass es „zu massiven Übergriffen kommt“, müssten Wölfe auch erlegt werden dürfen. Noch sei die Zahl der Wölfe in Deutschland zwar gering, doch könne sich die Population schnell entwickeln. „Ich mache mir wirklich Sorgen, nicht nur aus Jägersicht“, betonte Gies. Und er stellte klar: „Ein Jäger hat keinen Spaß daran, einen Wolf zu erschießen.“ Doch der Wolf sei für ihn und viele andere ein gefährliches Tier. Der Mensch habe weite Teile des Landes besiedelt – und in diese Besiedlung dringe der Wolf ein. Dabei hole er sich die Tiere, an die er am einfachsten herankomme: Kühe, Schafe, Lämmer. Oder ein Pferd?

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