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Auenlandschaft an der L80 für den Hochwasserschutz

Auenlandschaft entsteht in der Grafschaft : Hochwasserschutz auf mehr als 13 Hektar

Das Großprojekt „Nierendorfer Auenlandschaft“ startet im Herbst. Es soll verhindern, dass der Leimersdorfer Bach bei Starkregen zu einem reißenden Fluss wird und wie in der Vergangenheit große Schäden in Niedernierendorf anrichtet.

Bei den Starkregenereignissen der Jahre 2010, 2013 und 2016 kam es in Niedernierendorf stets zu heftigen Überflutungen mit teils großen Schäden. Jetzt geht die Gemeinde Grafschaft zusammen mit der Kreisstadt und dem Landesbetrieb Mobilität (LBM) mit einem Großprojekt die Sache an.

Das Bett des Leimersdorfer Bachs wird in den natürlichen Bereich der ehemaligen Bachaue zurückgeführt, die Landesstraße 80 wird zwischen Niedernierendorf und der Kreuzung Deutsches Eck ausgebaut und ein separater Radweg entsteht.

Die Vorarbeiten sollen im Herbst dieses Jahres unter anderem mit Baumfällarbeiten beginnen, die eigentliche Bauzeit wird rund 15 Monate dauern. Dabei wird es für den Autoverkehr Einschränkungen, aber wohl keine Vollsperrungen geben, der Schwerlastverkehr muss dagegen ausweichen. Im Grafschafter Gemeinderat wurden die Planungen bei einer Enthaltung einstimmig zustimmend zur Kenntnis genommen.

Bisher kein Hochwasserschutz in Niedernierendorf

In Niedernierendorf gab es noch keine Hochwasserschutzmaßnahmen. Dort ist ein schadloses Ableiten des Oberflächenwassers bei Starkregen nicht möglich. Unterhalb von Niedernierendorf vorhandene Flächen werden als Tierweiden genutzt. Historische Karten zeigen dort eine ursprüngliche Bachaue, die urbar gemacht wurde.

Seit Längerem wird zudem durch den LBM im betreffenden Bereich der Ausbau der L80 von der Ortslage Nierendorf bis zum Deutschen Eck geplant.

Die Planungen sind aufgrund der derzeitigen Lage des Bachlaufs nur unter erschwerten Voraussetzungen mit Stützwand- und Sicherungsbauwerken zum Bachlauf hin sowie erheblichen Einschnitten in den westlichen Hang umzusetzen.

Weiterhin wird seit längerer Zeit eine sinnvolle Radwegetrasse für die Herstellung des überörtlichen Radwegs von der Ahr ausgehend über Heppingen, Gimmigen, Nierendorf und Birresdorf bis zur Anbindung an das Radwegenetz NRW gesucht.

Durch den Ausbau ist Niedernierendorf weitgehend vor Hochwasser geschützt

Nach dem Hochwasser 2016 wurde die Idee entwickelt, die ursprünglich vorhandene Bachaue durch Rück­bau der derzeit landwirtschaftlich genutzten Flächen wiederherzustellen und zu renaturieren. Neben der naturschutzfachlich sinnvollen Maßnahme mit den dann möglichen Überflutungsflächen wird gleichzeitig ein Beitrag zum Hochwasserschutz erreicht.

Beim parallel auszuführenden Ausbau der L80 kann eine weitgehende Hochwasserfreiheit auch im Bereich der Ortslage Niedernierendorf erreicht werden. Außerdem ist durch die sich dann ergebende Möglichkeit zur parallelen Radwegeführung durch die Bündelung der Infrastruktur eine verträgliche Lösung möglich.

Planungen über eine Fläche von mehr als 13 Hektar

Die Brücke der L80 über den Leimersdorfer Bach oberhalb des Deutschen Ecks wird dabei erneuert und die Durchgängigkeit der Gewässersohle wiederhergestellt. Die vorhandene, nach dem Hochwasser von 2016 stark beschädigte Brücke zur Rischmühle soll abgebrochen und durch eine neue Überfahrt ersetzt werden.

Das Plangebiet umfasst eine Gesamtfläche von 13,23 Hektar. Die für den Straßen- und Radwegebau erforderliche Dammschüttung wird eine Fläche von gut 10.000 Quadratmetern aufweisen.

Die Gesamtlänge des neuen Bachlaufes beträgt 1939 Meter. Zur Herstellung der Bachaue sind Erdaushubmassen von rund 75 000 Kubikmetern notwendig, von denen rund 18 750 Kubikmeter wieder eingebaut werden. Der Rest soll entweder direkt bei laufenden Baumaßnahmen wiederverwertet werden oder er wird zwischengelagert.

„Das Bauprojekt Nierendorf dürfte mit dem Projekt Rückhaltebecken Birresdorf zu den größten und aufwendigsten aktuellen Baumaßnahmen der Grafschaft zählen“, so Udo Klein (SPD). Klein begrüßte es, dass durch die Zusammenlegung der Einzelprojekte zu einem Gesamtkonzept Synergien genutzt, Kosten und Zeit gespart wurden.

Matthias Heeb (Die Grünen) würde die Planung gerne noch einmal im Umweltausschuss beraten. Bauamtsleiter Friedhelm Moog wies in dem Zusammenhang auf bereits erfolgte Naturschutzfachliche Planungen hin. Klaus Huse (CDU) sprach derweil von einer hervorragend gelösten Aufgabe, die ein „Absaufen“ von Niedernierendorf künftig verhindere.