Der Bad Neuenahrer Mehmet Yilmaz tritt beim World-Cup der Floristen in Berlin an: Auf dem Weg zur Weltmeisterschaft

Der Bad Neuenahrer Mehmet Yilmaz tritt beim World-Cup der Floristen in Berlin an : Auf dem Weg zur Weltmeisterschaft

Zurück zu den Wurzeln - das ist gerade in mehrfacher Hinsicht ein Thema für Mehmet Yilmaz. Mit den besten Floristen aus insgesamt 26 Nationen misst er sich ab Donnerstag, 11. Juni, beim World-Cup für Floristen in Berlin.

"Ein Bad Neuenahrer Jung tritt bei der Weltmeisterschaft an", sagt er. Denn durch und durch als "Neuenahrer Jung" fühlt sich der 37-jährige gebürtige Türke, der als Elfjähriger an die Ahr kam: "Hier bin ich zur Schule gegangen und habe Fußball gespielt."

Dass er beim World-Cup nicht für Deutschland, sondern offiziell für sein Geburtsland antritt, liegt daran, dass er 2003 die Türkei auch schon bei Europameisterschaften vertrat, wo er Fünfter wurde und, dass er von türkischer Seite wegen der WM gefragt wurde.

"Die Linie wollte ich durchziehen und nicht ?Bäumchen wechsel dich' spielen", sagt Yilmaz. Außerdem wusste er, dass bereits ein anderer "Lerschling", wie sich die Schüler von Gregor Lersch nennen, in Berlin Deutschland vertritt. Egal, auf welchem Platz er landet: Der World-Cup soll für Yilmaz der letzte Wettbewerb sein.

Nicht, weil der zuletzt 2010 in Shanghai ausgerichtete World-Cup nach 33 Jahren mal wieder in Deutschland stattfindet, sondern vor allem weil für ihn eigentlich seine tägliche Arbeit im Ladengeschäft das Wichtigste ist, auch vor internationalen Auftritten oder Seminaren. Deshalb soll sein Auftritt bei der WM auch mit etwas Besonderem erfolgen.

"100 Prozent persönlich" hat eine der geforderten Arbeiten zu sein. Es ist das Werk, das ihm besonders am Herzen liegt und das, das ihn seit Wochen jeden Abend bis spät beschäftigt: Wurzelwerk imposanten Ausmaßes hat seine Werkhalle in der "Alten Gärtnerei" an den Bad Neuenahrer Bahngleisen "erobert". Aber es ist kein echtes Geflecht. Vielmehr ist es aus mittlerweile schon kilometerweise Draht gewickelt.

"Ich habe schon fast einen Drehwurm", sagt er lachend. Zu viel möchte der Florist aus Wettbewerbsgründen aber nicht verraten. Nur so viel: Flaggen, Spiegel und natürlich Blumen werden eine eminente Rolle spielen. Je zwei Meter breit und lang darf sein persönliches Kunstwerk werden und bis zu 2,50 Meter hoch.

Ähnliche Ausmaße hat seine Arbeit für die zweite Wettbewerbsaufgabe "100 Prozent recycelt", die zugleich das Wettbewerbsthema "Freiheit" zu verkörpern hat. Auch mit Hinblick auf den WM-Austragungsort Berlin hat er eine Mauer gestaltet, die im Kern aus Wellpappe besteht. Hände, die sich nach der Freiheit auf der anderen Seite strecken, sind zudem aus feinen Pflanzenwurzeln geformt und mit Naturharz geklebt. Schließlich sind für Floristen sonst ganz alltägliche Materialien wie Draht, Heißkleber und Glas für diesen Wettbewerbsbeitrag tabu.

Deshalb hat er auch Holznägel benutzt und dichtet eine Holzschale mit Wachs ab. Wasser soll das verbindende Element seiner drei Arbeiten werden, und es soll auch "ein bisschen von Bad Neuenahr" Eingang in seine Realisierungen finden.

Zu diesen gehört auch ein rund 1,80 Meter langer Handstrauß, der aber vorgabengetreu noch mit einer Hand zu halten ist. Auf all diese Aufgaben bereiten sich die Wettbewerber im Vorfeld vor und schaffen dafür auch lastwagenweise ihr Material nach Berlin. Eine weitere Aufgabe ist für alle eine Überraschung. "Dabei bekommt jeder einen Karton mit dem gleichen Inhalt und muss daraus in zwei Stunden etwas machen", sagt Yilmaz.

Aber eigentlich hat er gerade gar keine Zeit, sich darüber konkret Gedanken zu machen. Jede freie Minute nehmen seine anderen Arbeiten ihn in Beschlag, auch wenn er noch ganz ruhig ist, "aber so langsam komme ich doch in den Wettbewerbsmodus".

Er hofft, mit seiner Teilnahme auch positive Aufmerksamkeit auf Bad Neuenahr zu ziehen: "Wir müssen Neuenahr attraktiver machen, auch für junge Leute." Eines seiner weiteren Ziele ist, die "Silberne Rose" nach Bad Neuenahr zu holen: die Landesmeisterschaften, bei denen junge Floristen etwa im Kurpark antreten.