Millionen-Beträge Bund fördert Forschungsprojekte zur Aufarbeitung der Flut

Aachen/Ahrtal · Zwei mit Millionen-Beträgen vom Bundesministerium für Forschung und Bildung geförderte Projekte sollen die Flutkatastrophe aufarbeiten. Dem GA liegt dazu das Schreiben eines Projektleiters vor. Ihm zufolge müssen die Warnsysteme angepasst werden.

 Die Flutkatastrophe Mitte Juli hat im Ahrtal extreme Schäden verursacht. Auch Monate später sind die Spuren der Flut noch deutlich zu erkennen, wie diese Brückenruine über dem Fluss in Altenahr zeigt. Die Aufnahme stammt von Mitte November.

Die Flutkatastrophe Mitte Juli hat im Ahrtal extreme Schäden verursacht. Auch Monate später sind die Spuren der Flut noch deutlich zu erkennen, wie diese Brückenruine über dem Fluss in Altenahr zeigt. Die Aufnahme stammt von Mitte November.

Foto: dpa/Boris Roessler

Deutliche Worte: Der Inhaber des Lehrstuhls für Wasserbau und Wasserwirtschaft an der RWTH Aachen, Holger Schüttrumpf, zählt die Flut Mitte Juli angesichts von mehr als 180 Toten und Schäden von über 30 Milliarden Euro zu den größten Naturkatastrophen, die Deutschland nach 1945 getroffen haben. Betroffen gewesen seien insbesondere Mittelgebirgsregionen sowie die Übergangsbereiche zum Flachland. Aufgrund der engen Täler sowie der steilen Berghänge sei es schnell zu einer teilweise mehrere Meter hohen Flutwelle gekommen, die sich mit hoher Geschwindigkeit stromab bewegt hat. Dies erkläre die schweren Schäden, die in einigen Bereichen der Ahr, der Erft oder der Vicht aufgetreten sind.

Das Aachener Institut für Wasserbau und Wasserwirtschaft habe frühzeitig mit einer umfassenden Hochwasserdokumentation begonnen. So seien vor, während und nach dem Hochwasserereignis Untersuchungen an Ahr, Erft, Inde, Vicht, Wupper und Wurm durchgeführt. Auch für Swisttal sollen Daten erhoben und ausgewertet werden, wie eine Ministeriumssprecherin auf GA-Nachfrage mitteilt.

Warnsysteme anpassen

Ziel der Dokumentation sei es gewesen, so Schüttrumpf, insbesondere solche Daten zu gewinnen, die nach kurzer Zeit unwiederbringlich verloren sind. „Flutmarken lassen sich, wenn die Wände getrocknet sind, nicht mehr erkennen, Sedimentproben werden gegebenenfalls umgelagert oder haben sich verändert“, gibt der Professor zu bedenken. Besonders deutlich geworden sei, dass die Warnsysteme für Extremereignisse angepasst werden müssen. Benötigt würden Systeme, die in der Lage sind, vor Ort die Menschen zu erreichen und zu warnen. Vor dem Hintergrund des Ausfalls des Mobilfunks in vielen vom Hochwasser betroffenen Gebieten sei das „bei Weitem keine einfache Aufgabe“. Neben dem Aufbau geeigneter ausfallsicherer technischer Systeme seien auch regelmäßige Übungen und Schulungen sowie ein Bewusstsein für mögliche Gefährdungen erforderlich. Dies zu erreichen, ist eine große Herausforderung.

Beim vom Schüttrumpf geleiteten Forschungsvorhaben „Governance und Kommunikation im Krisenfall des Hochwasserereignisses im Juli 2021“, das vom Bundesforschungsministerium mit 1,5 Millionen Euro gefördert wird, sollen Risiko- und Krisenkommunikation beim Hochwasser analysiert werden. Ziel sei es, nicht nur in den betroffenen Regionen, sondern auch in anderen Mittelgebirgsregionen eine bessere Vorbereitung auf zukünftige Hochwasserereignisse mit einer vergleichbaren Intensität zu erlauben.

Im Forschungsvorhaben „Wissenschaftliche Begleitung der Wiederaufbauprozesse nach der Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen: Impulse für Resilienz und Klimaanpassung“ – hier fördert das Ministerium 13 Partner mit insgesamt 5,2 Millionen Euro und Schüttrumpf ist Sprecher für NRW – würden Methoden, Verfahren und Instrumente für die Weiterentwicklung von Risikoanalysen und Managementansätzen in der Wasserwirtschaft und räumlichen Planung entwickelt und systematisch mit Strategien und Prozessen des Wiederaufbaus verknüpft. Beim Thema Wiederherstellung der zerstörten Infrastrukturen und Gebäude ließen sich unterschiedliche Geschwindigkeiten der Akteure feststellen. Privatleute kämen im Vergleich zu den öffentlichen Institutionen vergleichsweise schnell voran.

Hochwassersicherheit unverändert

Eine Verbesserung des Hochwasserschutzes durch entsprechende großmaßstäbliche Maßnahmen habe noch nicht hergestellt werden können, da dies viel Zeit benötige. Die Hochwassersicherheit in den betroffenen Regionen habe sich nicht verändert. „Das nächste Hochwasserereignis kommt aber auf jeden Fall. Dies bedeutet, dass durch den Wiederaufbau Fakten geschaffen werden, mit denen zukünftig in Hinblick auf eine Verbesserung des Hochwasserschutzes gelebt werden muss“, macht Schüttrumpf deutlich. Somit sei die Verbesserung des künftigen Hochwasserschutzes neben der Wiederherstellung der zerstörten Infrastrukturen und Gebäude eine „wichtige und zentrale Aufgabe der kommenden Jahre“.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort