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Bad Neuenahr-Ahrweiler: Bernd Stelter tritt nach der Flut auf

Bad Neuenahr-Ahrweiler : Happy End nach Stromausfall bei Auftritt von Bernd Stelter

Ein Stromausfall sorgte dafür, dass der Auftritt von Comedian Bernd Stelter in Bad Neuenahr beinahe erneut ausgefallen wäre. Doch als fast niemand mehr daran glaubte, gab es doch noch ein Happy End.

„Ich habe vor jedem Auftritt Respekt – aber heute Abend hatte ich echt Schiss!“ Einen solchen Abend hatte selbst Bernd Stelter mit seiner 30-jährigen Bühnenerfahrung noch nicht erlebt. Sein Auftritt im Festzelt im Kurpark Bad Neuenahr dürfte in die Annalen der Kurstadt eingehen. Ein anderthalbstündiger Stromausfall sorgte dafür, dass die Veranstaltung, die ursprünglich bereits wegen Corona und der Flutkatastrophe Mitte  Juli dreimal verschoben worden war, beinahe erneut ausgefallen wäre. Doch als fast niemand mehr daran glaubte, gab es doch noch ein Happy End. Denn mit einer guten Stunde Verspätung stand der Comedian schließlich auf der Bühne des Veranstaltungszeltes und wies augenzwinkernd darauf hin, dass sich „drei Tage nach ‚Wetten, dass..?‘ immer noch alle nachfolgenden Sendungen um eine Stunde verschieben.“

So kam es auch, dass er den eigentlich als Zugabe geplanten Hit „Ich hab‘ drei Haare auf der Brust, ich bin ein Bär“ schon als Vorprogramm zum besten gab, um das Publikum bei Laune zu halten, das im Halbdunkel mit Notbeleuchtung und ohne Heizung bei frostigen vier Grad Celsius mittlerweile mit den Zähnen klapperte. Er schickte alle 400 Besucher kurzentschlossen an die Theke des Gastrozeltes, um sich dort ein Freigetränk abzuholen in der Hoffnung, dass bis zu ihrer Rückkehr der Strom wieder stabil funktionieren würde. Und der Strom hielt dann tatsächlich bis zum Schluss.

Beschädigung von Mittelspannungsleitung

Ursache der Misere war die Beschädigung einer Mittelspannungsleitung am Vormittag, wodurch es zu einem größeren Stromausfall in der Kreisstadt kam. Eigentlich glaubte man, die Sache wieder im Griff zu haben. Doch eine halbe Stunde vor Veranstaltungsbeginn, als sich die Zuschauer noch im Gastronomiezelt bei Brezel, Käsespieß und Rotwein die Zeit vertrieben, fiel plötzlich erneut der Strom aus. Das nahmen die leidgeprüften Ahrtalbewohner noch ohne nennenswerte Regung hin, sorgten mit ihren Handy-Lichtern für Helligkeit und bestellent achselzuckend noch ein Glas Wein. Als eine Stunde später immer noch lediglich die Notbeleuchtung trübes Licht spendete, wurden sie so langsam unruhig. Kurz nach einigen aufmunternden Worten des Künstlers flackerten endlich die Lichter wieder auf und die Heizung verströmte warme Luft. Um 21:03 Uhr stand Stelter mit schwarzem „We Ahr One“-Hoodie im hellen Scheinwerferlicht der Bühne. Wobei er selbst zugeben musste: „Ein vollkommen normaler Abend hätte ohnehin nicht gepasst für diese ganz besondere Veranstaltung.“

Was er dann in seinem gut zweistündigen Programm vollbrachte, fasste er in seinem letzten Zugabelied angesichts der Gesamtsituation selbst zusammen: „Ich bin ein Clown und ich will gar nichts andres sein. Ich erzähl vom wahren Leben und auch vom schönen Schein. Ich bin der, der Faxen macht, ich will, dass ihr lacht. Erst wenn das Lachen stirbt – erst dann sind wir verloren.“

Trotz Stromausfall und provisorischem Veranstaltungsort im Zentrum eines Katastrophengebiete ist ihm damit etwas Wunderbares gelungen: Er hat Menschen, wenn auch nur für einen Abend, glücklich gemacht.