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Ahrtal: Ehepaar aus dem Schwarzwald hilft bei Weinlese

Unterstützung in den Weinbergen : Ehepaar aus dem Schwarzwald hilft bei Weinlese im Ahrtal

Wie Tausende andere sind auch Inge und Eberhard Mutscher ins Ahrtal gekommen, um bei den Aufräumarbeiten nach der Flut zu helfen. Besonders in den Weinbergen wird derzeit viel Unterstützung benötigt.

Eigentlich ist ein Paar, das vor einem Blumenbeet entspannt auf einer Bank sitzt, kein besonderer Anblick. Zumal diese beiden zu Gast sind in der malerischen Ahrweiler Altstadt. Doch hier ist nichts mehr, wie es mal war, und kaum jemand lässt sich noch in Ruhe nieder, um die historische Umgebung auf sich wirken zu lassen.

Inge und Eberhard Mutscher haben heute einen freien Tag. Sie kannten Bad Neuenahr-Ahrweiler aus einem Urlaub, vor zwei Jahren waren sie in der Gegend mit dem Fahrrad unterwegs. Die Verbundenheit, die die beiden mit der Region spüren, ließ sie auch gegen Ende der groben Aufräumarbeiten noch aus dem Schwarzwald anreisen, um zu helfen.

Schlafen in Wohnmobilen, Zelten und Autos

Jeden Tag wird das Paar für Hilfsaktionen mit dem Helfer-Shuttle eingeteilt. Von der Organisation im Helfercamp sind die Mutschers begeistert. Auch der Besuch des Bundespräsidenten hat bei vielen vor Ort einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

„Wir haben unsere eigene Behausung in Form unseres Wohnmobils dabei“, erzählt Eberhard Mutscher auf dem Ahrweiler Marktplatz. Andere schliefen in Zelten oder in ihren Autos – „Alle dachten sich, Hauptsache, wir helfen.“ Es sei eine besondere Sorte Mensch, die sich so einsetzten wie die Helfer, die seit Wochen dabei seien.

Renovierung der Weinberge

„Die haben eine ganz andere Einstellung zum Leben und zu ihren Mitmenschen“, so Mutscher. Die Betroffenen aus der Region können beim Helfer-Shuttle anrufen und sich Unterstützung bestellen. Dort werden dann jeden Morgen Helfer eingeteilt und mit Autos zu den Aufräumarbeiten geschickt.

In den vergangenen Tagen fuhren die Mutschers zur Renovierung der teilweise kontaminierten Weinberge, die über der Ahrweiler Innenstadt aufragen. Bewegt von den Eindrücken berichtet Inge Mutscher von einem großen weißen Engel aus Stein, den die Helfer aus dem Schlamm und Schutt geborgen hätten.

Jeden Tag neue Aufgaben

„Der war wie ein Schutzengel“, erinnert sie sich, „überall konnte er ja leider nicht sein. Aber wir haben ihn wieder aufgestellt, als Zeichen.“ In Kehl bei Straßburg leben die Mutschers auch am Rhein, ein ganzes Stück flussaufwärts. Dort verursachte der Regen des 14. Juli ebenfalls Hochwasser, Teile des Rheinvorlands waren überschwemmt.

Was die nächsten Tage bringen, weiß das Helferpaar noch nicht – jeder Morgen kommt mit einem neuen Plan. Doch heute unternehmen sie noch einen Freizeit-Versuch: „Vielleicht kann man irgendwo ein Viertel guten Ahr-Rotwein bekommen“, überlegt Eberhard Mutscher, während er den Blick nachdenklich über die verbarrikadierten unteren Etagen der Geschäfte schweifen lässt.

Weinflaschen als Erinnerungskultur

Online und auf den Märkten der Region wird derzeit „Flutwein“ angeboten: Ganze Bestände wurden aus dem Schlamm geborgen. Die verschmutzten Flaschen haben bereits einen nahezu ikonischen Wert für die Erinnerungskultur und werden als stumme Zeugen der Katastrophe gesammelt.

Die Lese des Jahrgang 2021 hingegen ist noch in vollem Gange, verhältnismäßig spät in diesem Jahr; im Flutgebiet ebenfalls mit der Hilfe etlicher Freiwilliger und Weinlese-Laien. So wird man in Ahrweiler hoffentlich bald wieder einen guten Tropfen verkosten können.