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Ahrtal: Malu Dreyer besucht das Projekt AHRche

Ministerpräsidentin im Ahrtal : Malu Dreyer besucht das Projekt AHRche

Ministerpräsidentin Malu Dreyer hat erneut das Ahrtal besucht und sich über die Arbeit des Versorgungsstützpunktes AHRche informiert. Dort ist mittlerweile ein kleines Dorf entstanden.

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin war sichtlich beeindruckt: Zum wiederholten Male war Malu Dreyer nach der Flutwelle ins Ahrtal gekommen. Nun besuchte sie in Ahrweiler das im August aus dem Boden gestampfte Helfer-Camp „AHRche“, das längst zu einem wichtigen Versorgungs- und Kommunikationspunkt geworden ist. „Toll, was hier geschaffen worden ist“, so die Chefin der Landesregierung, die dann auch gleich eine kleine provisorische Sporthalle auf dem Camp einweihte.

Verein AHRche hat ein kleines Dorf mit Waschsalon, Ergotheraput und einem Kino geschaffen

Lukas Bornschlegl ist der Initiator und Koordinator des Versorgungsstützpunktes. Nach und nach baute der 29-jährige Karweiler gemeinsam mit Helfern und Anwohnern auf dem ehemaligen Campingplatz an der Ahr quasi ein kleines Dorf auf. Die „AHRche“ ist inzwischen ein eingetragener gemeinnütziger Verein, der in den vergangenen Wochen nahezu eintausend Wärmepumpen als Ersatz für die vielfach defekten oder komplett zerstörten Heizungen beschafft und verteilt hat.

1.200 kostenlose Mahlzeiten wurden anfangs täglich in den aufgebauten großen Versorgungszelten ausgegeben, inzwischen sind es noch etwa 400. Neben einem Waschsalon gibt es einen Friseur, daneben befindet sich die „SchraubbAHR“, ein Containerbau, in dem man sich Werkzeug leihen und Kleinmaterial von der Schraube bis zur Mehrfachsteckdose besorgen kann. Zudem bietet wenige Meter weiter eine Ergotherapeutin ihre Dienste an, wie es auch eine Podologische Praxis gibt, in der strapazierte Füße behandelt und bei Bedarf gar von Hühneraugen befreit werden können. Selbst ein kleines Kino wurde geschaffen: freitags laufen dort Filme für Kinder. Zum immer wichtigen gewordenen Angebot gehören inzwischen auch psychologische Beratungen, die hinter den Türen eines gespendeten Stadtbusses stattfinden.

Zu den Höhepunkten des Dreyer-Rundganges gehörte die Einweihung einer kleinen Sporthalle. Assistiert von zwei Vertreterinnen des Turn- und Sportvereins Ahrweiler durchschnitt die Landesmutter ein grünes Band, womit nun einer Nutzung der 180 Quadratmeter großen Sportstätte nichts mehr im Wege steht. „Wupps“, sagte Malu Dreyer, als sie die Schere zum Schnitt ansetzte. Gymnastik und andere Turnübungen werden in dem beheizten und mit einem Spezialboden ausgestattetem Zelt ohne weiteres möglich sein. „So können wir auch Kindern wieder ein kleines Sportangebot unterbreiten“, meinte ein Vereinsvertreter. Bis die regulären Sportstätten in Ahrweiler wieder nutzbar sind, soll die Halle in Betrieb bleiben.

Braten mit Rotkohl und Kartoffeln für die Landesmutter im Versorgungszelt

Bornschlegl selbst wird den Winter in einem Wohnwagen auf dem Dorfplatz verbringen: "Unsere Aufgabe ist erst erfüllt, wenn dieses Camp nicht mehr benötigt wird." Bevor die Ministerpräsidentin weitere Stationen im Ahrtal ansteuerte, wurde sie zum Mittagessen ins Versorgungszelt geladen. Es gab Braten mit Rotkohl und Kartoffeln. Zubereitet von Stützpunktkoch Sascha Wienert. Ängstlichkeit wegen des prominenten Gastes ließ er sich nicht anmerken: „Ich habe schon für Michael Gorbatschow gekocht. Da schaff ich auch die Ministerpräsidentin“, so der Küchenchef des Versorgungsstützpunktes.

Malu Dreyer besuchte im Anschluss das Schulzentrum in Sinzig mit seiner völlig zerstörten Schulmensa, später reiste sie nach Heimersheim, wo sie der „Soforthilfe Psyche“ die Projektbewilligung überreichte. Die Landespsychotherapeutenkammer bietet in Zusammenarbeit mit dem Netzwerk "Soforthilfe Psyche“ Informationsgruppen zum Thema Stress- und Traumabewältigung an, die von Psychotherapeuten geleitet werden. Mit dem überreichten Bewilligungsbescheid ist das „Angebot von Psychoedukationsgruppen und Fortbildungsgruppen im Ahrtal“ finanziell gesichert.