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Ahrtal nach dem Hochwasser: 900 Heizungen für den Winter

Vorbereitungen für den Winter : Verein schafft 900 Heizungen für das Ahrtal an

Der Verein „AHRche“ kann dank Spenden rund 900 Einraumheizungen anschaffen und bei Flutbetroffenen installieren. Händler und Hersteller von Klimageräten arbeiten derzeit verstärkt für das Ahrtal.

Große Freude an der Verpflegungsstation AHRche auf dem ehemaligen Ahrweiler Campingplatz. Ein Projekt der Hilfsorganisation, hinter der mit dem Verein „AHRche e.V. für Katastrophenhilfe und Wiederaufbau“ seit geraumer Zeit eine gemeinnützige Organisation steht, wurde nun von Radio RPR und dessen Verein „RPR hilft“ mit einer halben Million Euro zweckgebunden für das Projekt "Einraumheizung" gefördert. Der Weg zu dieser großen Spende war mit einer ganzen Reihe von Zufällen gepflastert.

Die AHRche bietet von Duschmöglichkeiten bis Kinderkino alles

Los ging es schon am Tag nach der Flut, als der Grafschafter Feuerwehrmann Lucas Bornschlegl einem Freund an der Ramersbacher Straße zu Hilfe eilen wollte. Es war die Geburtsstunde eines Hilfsprojekts, über dessen Ausmaß sich Bornschlegl zu diesem Zeitpunkt noch keine Gedanken machen konnte. Man startete mit einem Lichtmast. Schnell folgten Stromquellen zum Laden von Smartphones, dann Dusch- und Waschmöglichkeiten und eine kleine Verpflegungsstation.

Die in den Trümmern errichtete Hilfsstation entwickelte sich fortgehend weiter und ist aktuell zentrale Anlaufstation für das gesamte Viertel, das mangels Ahrtorbrücke lange nur schwer erreichbar war. Man zog zwei Mal um, erst von der Straße in einen Vorgarten, dann auf das Campingplatzgelände. Heute hat die Arche sieben Tage in der Woche offen, bietet drei Mahlzeiten am Tag, Sachspenden, Werkzeugverleih, Seelsorge und medizinisch therapeutische Grundversorgung. Es gibt einen Friseursalon, eine podologische Fußpflege und ein Kinderkino.

Viel zum Aufbau dieser Struktur beigetragen hat auch das „Eventwerk Rodgau“, eigentlich ein Veranstalter für Hochzeiten. Das Team um Tobias Schott traf am fünften Tag nach der Katastrophe auf Lucas Bornschlegl und blieb. „Wir haben es uns zur Herzensaufgabe gemacht, bei der Hochwasserkatastrophe im Ahrtal zu helfen“, sagt Schott. Man kümmert sich um Sachspendenaktionen, genauso wie um Bagger und Waschmaschinen und letztendlich auch um Klimageräte, denn die kühlen nicht nur, sie heizen auch.

Durch Vernetzung ist die Organisation Anlaufstelle für Sach- und Dienstleistungsspenden rund um Klimatechnik geworden

Zu diesem Thema kam ebenso zufällig Marco Eckel ins Spiel. Der Geschäftsführer eines Rodgauer Klimatechnikunternehmens war auch als Helfer im Ahrtal und leierte in Anbetracht des nahenden Winters und fehlender Heizungen die Aktion „Wärme für das Ahrtal“ mit an. Eckel kümmerte sich um die ersten 100 Klimageräte, allesamt gesponsert. Es handelt sich um Luft-Luft-Wärmepumpen, bekannt als Split-Klimageräte, die in der Lage sind, einen Raum von bis zu 50 Quadratmetern zu beheizen und auch zu trocknen. Voraussetzung ist, dass es ein Raum mit außenliegender Wand ist. Der Abstand des Montageortes vom Innen- zum Außenteil darf maximal drei bis fünf Meter Rohrleitungsmenge betragen.

Doch es blieb nicht bei 100 Geräten, die Zahl der verbauten Einraumheizung geht aktuell Richtung 500. Das Beste: Lieferung und Montage sind kostenlos, es entstehen keine Folgekosten und die Beschenkten können die Geräte behalten. „Wenn man das kauft und montieren lässt, kommen da leicht 3000 Euro zusammen“, sagt der 49-jährige Ralph Preuß, einer der vielen Monteure. Dass die Menschen angesichts einer solchen Schenkung in Skepsis verfallen, kann er gut verstehen. „Aber da ist kein Haken dran“, so Preuß. Es gilt, lediglich eine Montagevereinbarung auszufüllen und dem Antrag beizulegen.

Aktuell sucht man noch nach Objekten für Einraumheizungen und geht dabei auch in Hochwassergebiete abseits der Ahr, nach Euskirchen oder Stollberg beispielsweise. Bei der Koordination unterstützt mit Ulf Berens aus Oberhausen ein weiterer Klimatechniker die Arbeit von Marco Eckel. Mittlerweile ist es für die Produzenten der Geräte fast schon ein Muss geworden, fürs Ahrtal zu produzieren und andere Aufträge hinten anzustellen. „In der Branche ist ein Gruppenzwang entstanden, wer was auf sich hält, arbeitet fürs Ahrtal“, sagt Ralph Preuß.

Durch die Spendenaktion des Radiosenders können nochmals 400 Geräte finanziert werden

Eigentlich sollte das Projekt allmählich beendet werden, doch nun meldete sich der Ludwigshafener Radiosender RPR bei Lucas Bornschlegl. Man war auf die Einraumheizung aufmerksam geworden. Man suchte ein konkretes Projekt zur Förderung durch den Verein „RPR hilft“. So konnte der Vereinsvorsitzende vergangene Woche eine Spende von 500 000 Euro entgegennehmen. Jetzt geht es weiter mit den Klimageräten. Bornschlegl kalkuliert mit einem Einkaufspreis von 1250 Euro, demnach können weitere 400 Geräte bestellt werden. „Am kommenden Wochenende werden wir 120 Klimatechniker an der Ahr begrüßen, die den Plan haben, unseren aktuellen kompletten Lagerbestand zu verbauen“, so Bornschlegls kurzfristige Planungen. „Unser ehrgeiziges Ziel: Keiner im Ahrtal sitzt im Winter im Kalten“, ergänzt Tobias Schott.

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