Umweltministerin Eder übergibt Förderbescheide „Wiederaufbau im Ahrtal kommt einen großen Schritt voran“

Kreis Ahrweiler · Für eine Kläranlage, Wasserleitungen und Arbeiten am Flussufer: Umweltministerin Katrin Eder hat im Ahrtal Förderbescheide für den Wiederaufbau nach der Flut übergeben – allein ein Projekt bekommt 20 Millionen Euro. Und das ist erst der Anfang.

 Auf dieser Wiese in Remagen soll eine neue Kläranlage entstehen. Enthüllen gemeinsam das Hinweisschild (v.l.): Sinzigs Bürgermeister Andreas Geron, Bad Neuenahr-Ahrweilers Erster Beigeordneter Peter Diewald, Umweltministerin Katrin Eder, Remagens Bürgermeister Björn Ingendahl sowie Bernd Lischwé und Martin Hoffmann vom Abwasserzweckverband.

Auf dieser Wiese in Remagen soll eine neue Kläranlage entstehen. Enthüllen gemeinsam das Hinweisschild (v.l.): Sinzigs Bürgermeister Andreas Geron, Bad Neuenahr-Ahrweilers Erster Beigeordneter Peter Diewald, Umweltministerin Katrin Eder, Remagens Bürgermeister Björn Ingendahl sowie Bernd Lischwé und Martin Hoffmann vom Abwasserzweckverband.

Foto: ahr-foto

Es dürfte eines der größten und teuersten Projekte beim Wiederaufbau des Ahrtals nach der Flutkatastrophe im Juli 2021 werden: der Bau einer neuen Kläranlage, die notwendig geworden ist, nachdem das Abwasserwerk nahe der Ahrmündung in Sinzig in der Flutnacht zerstört wurde und nur noch einen provisorischen Betrieb aufnehmen konnte. Gemeinsam mit der Nachbarstadt Remagen wird nun eine neue Anlage – diesmal auf Remagener Gebiet – gebaut. Mehr als 131 Millionen Euro wird das neue Klärwerk kosten, das vom Abwasserzweckverband Untere Ahr betrieben wird. Umweltministerin Katrin Eder (Grüne) übergab am Dienstagnachmittag einen ersten Förderbewilligungsbescheid über 20 Millionen Euro. „Der Wiederaufbau im Ahrtal kommt wieder einen großen Schritt voran“, sagte die Ministerin.

Der Abwasserzweckverband Untere Ahr betreibt für sechs Kommunen eine Sammelkläranlage und ein rund 95 Kilometer umfassendes Leitungsnetz in Bad Breisig, Sinzig, Remagen, Bad Neuenahr-Ahrweiler, Grafschaft und der Verbandsgemeinde Altenahr. Neben dem Neubau der überfluteten und zum Großteil zerstörten Kläranlage (derzeit geschätzter Schaden: 131,4 Millionen Euro) sind auch etliche Leitungen im Flutgebiet zu erneuern. Insgesamt wird der Schaden auf 194 Millionen Euro taxiert. „Die Arbeiten zum Wiederaufbau sind im Gange“, berichtete der kaufmännische Leiter des Betriebes, Bernd Lischwé, der den Neubau der Kläranlage an der B9 am südlichen Remagener Ortsausgang wie die Ministerin als „Leuchtturmprojekt im gesamten Wiederaufbau“ bezeichnete. Insgesamt ist eine Bauzeit vorgesehen, die 2026 beginnen und – so der Plan – 2030 beendet sein soll. Seit der Flutkatastrophe werden dann neun Jahre vergangen sein.

Lischwé: „Diese lange Planungs- und Bauzeit ist ein Marathon. Diesen langen Weg haben wir mit allen sechs Mitgliedskommunen gemeinsam begonnen, und wir sind guter Dinge, dass wir ihn auch gemeinsam und erfolgreich abschließen.“ Nächster Verfahrensschritt werde die Vergabe der Ingenieurleistungen im aktuell laufenden europaweiten Ausschreibungswettbewerb sein. Der Auftrag soll Ende Juni 2024 erteilt werden. „Unmittelbar danach werden die eigentlichen Planungsarbeiten aufgenommen“, berichtete Lischwé. Mit neuen Standards soll an einem neuen hochwassersicheren Standort gearbeitet werden, sagte die Ministerin. Es sei also kein Eins-zu-Eins-Wiederaufbau, sondern die Neuschaffung einer hochmodernen Kläranlage mit einer zusätzlichen vierten Reinigungsstufe als vorbildlichem künftigen Standard. Die neue Kläranlage soll möglichst energieneutral arbeiten, also möglichst den eigenen Energiebedarf aus Faulgas und Solarenergie decken.

■ Bereits gegen Mittag hatte sich die Ministerin mit Vertretern der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler getroffen, um auch dort einen Förderbescheid zu überbringen. 900.000 Euro fließen in die Neumodellierung der Engstelle am Unterlauf der Ahr bei Heppingen / Heimersheim. Dieses Nadelöhr hatte 2021 für einen erheblichen Rückstau des Hochwassers gesorgt. „Mit dem vorgesehenen Bau einer Stützwand im Bereich des bisherigen Haltepunktes der Ahrtalbahn in Heimersheim wird dem Fluss als hochwasserangepasster Wiederaufbau mehr Raum gegeben“, erläuterte Eder bei der Übergabe des Förderbescheides an den Ersten Beigeordneten Peter Diewald (CDU) und Landrätin Cornelia Weigand (parteilos), deren Kreisverwaltung mit der Umsetzung des Gewässerwiederherstellungskonzeptes betraut ist. Mit der vorgezogenen Errichtung der Stützwand werde auch die Elektrifizierung der Bahnstrecke bis Ende 2025 unterstützt, da ein späterer Neubau zu erheblichen Verzögerungen geführt hätte. Mit der gesamten Baumaßnahme werde für die Ahr auf deren südlicher Uferseite mehr Raum geschaffen.

■ In Mayschoß hatte Eder zuvor einen Förderbescheid über 4,2 Millionen Euro für den Wiederaufbau der Trinkwasserinfrastruktur übergeben. Als Verbandsvorsteherin des Zweckverbandes Wasserversorgung Eifel-Ahr nahm Landrätin Weigand den Bescheid entgegen. Die Flutkatastrophe hatte im Sommer 2021 die Transportleitung des Zweckverbandes Eifel-Ahr weitgehend zerstört beziehungsweise durch eingedrungendes Öl und Abwasser unbrauchbar gemacht. Die Orte an der Ahr waren auf Notwasserversorgung angewiesen, bis der Bonner Wasserversorger SWB von Kalenborn aus neue Leitungen nach Dernau, Rech und Mayschoß verlegte. Mit der neuen Transportleitung entlang der Ahr wird jetzt der Kreis geschlossen. Das heißt, dass Wasser je nach Bedarf über die drei neuen Leitungen an die Mittelahr geleitet werden kann, aber auch von dort Ahr aufwärts etwa nach Altenahr.

Das Trinkwasser, mit dem die Mittelahr derzeit versorgt wird, kommt vom Wahnbachtalsperrenverband über Bonn nach Kalenborn. Und das soll zunächst so bleiben. Wenn die neue Transportleitung allerdings vollendet ist, kann dem Kreislauf je nach Bedarf Wasser vom Zweckverband Eifel, folglich aus Nohn, zugefügt werden, sagte Michael Schmidt von SWB regional am Dienstag.

Insgesamt musste die Transportleitung entlang der Ahr auf 27 Kilometern erneuert werden. Die aktuelle Förderzusage aus Mainz bezieht sich auf das letzte Teilstück. „Bis Ende 2025 soll die gesamte Trinkwasserversorgung in den Verbandsgemeinden Adenau und Altenahr hochwasserresilient wiederhergestellt sein“, sagte Ministerin Eder. Am Haus der Winzergenossenschaft in Mayschoß konnten die Besucher einen Blick in den tiefen Graben werfen, in dem die Leitung schon liegt.

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