Land unterstützt Schützen Seelenbücher werden nach der Flut aufwendig restauriert

Ahrweiler · Infolge der Flut sind auch die historischen Mitgliederlisten der Ahrweiler Bürgerschützen stark beschädigt worden. Aktuell werden die wertvollen Werke restauriert. Kommenden Mai wollen die Schützen ihre Seelenbücher wieder in den Händen halten.

 Kämpfen für den Erhalt des Kulturguts: Werner Kathe zeigt ein Seelenbuch von 2003 und bedankt sich mit Schützenwein bei Annette Gerlach vom Landesbibliothekszentrum in Koblenz.

Kämpfen für den Erhalt des Kulturguts: Werner Kathe zeigt ein Seelenbuch von 2003 und bedankt sich mit Schützenwein bei Annette Gerlach vom Landesbibliothekszentrum in Koblenz.

Foto: Thomas Weber

Seelenbücher heißen die Mitgliederlisten der Ahrweiler Bürgerschützen, die bei der Flutkatastrophe vom vergangenen Juli schwer in Mitleidenschaft gezogen wurden und seitdem restauriert werden. „Alles, was vor 1850 gedruckt, mit der Hand geschrieben, erschienen oder verlegt wurde, ist unikales Kulturgut.“ Damit ordnet Annette Gerlach, Leiterin des Landesbibliothekszentrums (LBZ) in Koblenz, die Seelenbücher der Ahrweiler Bürgerschützen ganz klar ein. Denn sie stammen aus den Jahren 1655 und 1803. Die Mitgliederlisten wurde zur 600-Jahr-Feier 2003 in ein neues Seelenbuch transkribiert, werden seitdem jährlich aktualisiert.

Originale sollen erhalten bleiben

In der Flut blieb das Seelenbuch von 1803 im Stadtarchiv heil. Jedoch erst Tage nach der verheerenden Naturkatastrophe konnte Museumsleiter Werner Kathe die alten Dokumente von 1655, die teils auf Papier, teils auf Pergament geschrieben worden waren, im Haus der Schützen bergen. Rettung tat Not. Da kam Hilfe aus Koblenz, denn den Erhalt von Originalen hat sich das LBZ auf die Fahne geschrieben. „Erst Tage vor der Flut haben wir festgehalten, dass Notfallplanung bei uns ein neues Schwerpunktthema in unserer Landesstelle Bestandserhaltung in Rheinland-Pfalz ist“, sagte Gerlach bei einem Besuch von Kathe in Koblenz. Das 2004 gegründete LBZ sei für schriftliches Kulturgut zuständig, betreue und berate Bibliotheken, Museen und Archive. Das sei Kernerarbeit, so Gerlach, die die Bestandserhaltung als „komplexes Metier“ sieht.

Die Flut im Ahrtal hat laut Gerlach gezeigt, dass in Sachen Notfallplanung vonseiten des Landes noch viel zu tun sei. So gelte es dringend, ein sogenanntes Kulturgutkataster zu erstellen. Dies auch für eine bessere Kooperation im Notfall mit Feuerwehren und Technischem Hilfswerk. Denn die Hilfsorganisationen müssten im Ernstfall wissen, wo Kulturgut gelagert wird. Fehle diese Information, so Kathe, passiere das, was der Ahrweiler Aloisius-Jugend nach der Flut widerfahren sei. Historisch wertvolle Utensilien seien aus dem Vereinsraum in der Ahrweiler Grundschule „in gut gemeinter Hilfe“ im Container gelandet und so unwiederbringlich vernichtet worden.

Restaurierung nimmt viel Zeit in Anspruch

Das wird mit den Seelenbüchern nicht geschehen. Diese wurden vom LBZ einer Spezialfirma übergeben, die die aufwendige Restaurierung durchführt. „Das ist Arbeit, die viel Fachwissen erfordert“, sagt Gerlach. „Denn Papier und Wasser ist bereits schlimm, Pergament mit Wasser und Schlamm ist eine Katastrophe.“

So nimmt die Restaurierung etliches an Zeit in Anspruch, Spuren werden dennoch bleiben. Auch an den von der Flut beschädigten Schützenfahnen, um die sich Spezialisten im Auftrag des Museumsverbandes kümmern. „Wir arbeiten spartenübergreifend Hand in Hand“, sagt Gerlach und sieht den Fall des Schützenmuseums als Grundstein zur Schaffung eines Netzwerkes zur Rettung von Kulturgut.

Erhaltung von Kulturgut soll höherer Stellenwert zukommen

„Wir haben in Notfällen keine Zeit für Diskussionen“, sagt Gerlach und fordert klare Leitungsstrukturen: „Jede Einrichtung muss wissen, was zu tun ist. Da müssen auch sonst übliche Hierarchien aufgehoben werden. Gibt es einen Fachmann im Haus, müssen alle auf ihn hören.“ Im Notfall gelte es, nach der Rettung von Menschen und Infrastruktur das Kulturgut zu retten. Die Frage der Finanzierung sei zweitrangig. „Wir haben durch die Flut unendlich viel gelernt, sind wach geworden“, bilanziert Gerlach für das LBZ sowie die Archive und Museen im Land.

Sie hatte eine gute Botschaft für die Ahrweiler Schützen: „Die Kosten für die Restaurierung der Seelenbücher der Ahrweiler Schützen werden komplett vom Land Rheinland-Pfalz übernommen.“ Vor April seien die Restaurierungsarbeiten jedoch nicht abgeschlossen, sagte Gerlach in Richtung Museumsleiter Kathe, dem spontan der passende Rahmen für eine Übergabe einfiel. Denn im Mai wollen die Bürgerschützen, die durch die Pandemie auf viele Veranstaltungen bereits verzichten mussten, eine Kombination aus Jahreshauptversammlung und Patronatsfest durchführen. Dazu hat Kathe Gerlach und ihre an der Rettung der Seelenbücher beteiligten Mitarbeiter eingeladen.