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Ahrweiler: Kritik am Krisenstab - Warum die Hilfe in den ersten Tagen stockte

Reaktion auf Kritik am Krisenstab : Warum die Hilfe in Ahrweiler in den ersten Tagen stockte

Thomas Linnertz hat auf Kritik am Krisenstab reagiert. „Es ist nicht so einfach, immer adäquate Lagebilder zu bekommen“, sagte der Präsident der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) am Donnerstag in Ahrweiler.

In der täglichen Pressekonferenz zur Lage im Katastrophengebiet Ahrtal hat der Präsident der Aufsichts- und Dienstleistungsbehörde (ADD), Thomas Linnertz, auf massive Kritik am Auftreten und Handeln des Krisenstabs reagiert. In Medien wurde hinterfragt, ob der ADD-Krisenstab im Ahrtal versagt habe. Schwerwiegendste Vorwürfe dabei: Die Kompetenz der Katastrophenschützer der Bundesakademie für Bevölkerungsschutz und Zivile Verteidigung (BABZ) in Bad Neuenahr werde nicht genutzt. Private und öffentliche Helfer würden nicht koordiniert, und die Struktur des Krisenstabs bleibe ein Geheimnis.

Linnertz sagte, man habe immer noch rund 4000 professionelle Helfer am Tag zu koordinieren, seit Beginn des Einsatzes seien es rund 20 000 aus ganz Deutschland gewesen, dazu kam eine Menge logistisch geordnet einzusetzendes Material. Er habe durchaus Verständnis dafür, dass es manchmal aus den Blickwinkeln der Helfer vor Ort oder Betroffener Kritik an der Arbeit gebe, weil sie andere Bedürfnisse vor Ort sähen.

Diese Kritik nehme man auf und nehme sie ernst. „Aber diese Art der Stabsarbeit ist keine Erfindung der ADD, sie richtet sich nach der Feuerwehrdienstvorschrift 100, die im Prinzip bundesweite Geltung hat und nach deren Schema alle Organisationen, mit denen wir zusammenarbeiten, arbeiten. Das ist unabdingbare Voraussetzung dafür, dass wir Führungskräfte und Organisationen aus dem gesamten Bundesgebiet hierherbringen können und wir auch gemeinsam an der Sache arbeiten können. Jeder weiß, welche Aufgabe er im Stab zu erfüllen hat“, so der ADD-Präsident.

Dass man hoch über Ahrweiler in der BABZ im Sauberen sitze und die Helfer im Tal die Drecksarbeit machen lasse, wies der Leiter des Krisenstabs weit von sich: „Wir arbeiten gemeinsam daran, den Kräften die notwendige Unterstützung zu geben und ihnen das Material, dass sie zur Bewältigung der Krise brauchen, zu geben. Wir sind angewiesen auf die Informationen von der Basis, welche Prioritäten dort notwendig sind.“

Die Infrastruktur beeinflusste die Hilfeleistung

Alle 200 Personen des Stabs seien von der schlimmen Lage im Tal beeindruckt: „Das lässt keinen kalt“, so Linnertz. Alle arbeiteten gemeinsam daran, der Bevölkerung zu helfen. Dabei verschwieg der Leiter des Krisenstabs nicht, dass die völlig zerstörte Infrastruktur der Verkehrswege und der Kommunikation Einfluss auf die Hilfeleistungen in den ersten Tagen hatte. „Es war nicht so einfach, immer adäquate Lagebilder zu bekommen und es hat länger gedauert, die Einsatzschwerpunkte in den Einsatzorten festzulegen.“

Zur Kritik, dass vereinzelt Kräfte gar nicht zum Einsatz kamen, führte Linnertz aus, dass man zu Beginn geschaut habe, dass massiv Kräfte in die Bereitstellungsräume kommen, um Anfahrtswege zu sparen. Das könne dazu führen, dass Fachgruppen noch nicht in den Einsatz kommen, weil andere Schwerpunkte gesetzt seien. In den vier Einsatzabschnitten gebe es je eine Einsatzleitung, gleiches gelte für die Unterabschnitte, die im Wesentlichen den Ortslagen entsprechen würden. Diese würden täglich mit den Ortsbürgermeistern tagen und die Ergebnisse in täglichen Telefonschaltkonferenzen dem Lagezentrum melden. Allerdings habe es auch Einheiten gegeben, die auf eigene Faust ins Krisengebiet gereist seien, von denen man teilweise noch gar nichts wisse.

Schließlich klärte Linnertz noch über die Struktur des 200-köpfigen Krisenstabs auf. Dort gebe es verschiedene Bereiche, wie den „inneren Dienst“, der sich um genügend Personal kümmere. Im Bereich „Lage“ fließen alle Informationen direkt aus dem Krisengebiet zusammen. Der Bereich „Einsatz“ setzt Prioritäten bei den Einsätzen, der Bereich „Versorgung“ schafft Material für Hilfeleistungen und Versorgung der Helfer dabei. Zudem erwähnte Linnertz die Bereiche „Presse“, „Telekommunikationstechnik“ und den „Verwaltungsstab.“