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Bad Neuenahr-Ahrweiler: Anwohner beobachten mit Sorge den Schichtwechsel der Hilfskräfte

Bad Neuenahr-Ahrweiler : Anwohner beobachten mit Sorge den Schichtwechsel der Hilfskräfte

Die Flutopfer im Stadtgebiet von Bad Neuenahr südlich der Ahr beobachten mit Sorge den Schichtwechsel bei den Rettungs- und Hilfskräften. Für den THW-Trupp ist bislang kein Ersatz nachgerückt.

Endlich: Es gibt wieder ein „Geschäft“ an der oberen Unterstraße im Herzen des Bad Neuenahrer Kurviertels: Quasi einen Non-Profit-Shop. In einer Doppelgarage hat ein älteres Ehepaar Kleidungsstücke, der Größe nach sortiert, sorgfältig auf Bügel gehängt, Eimer, Schaufeln, Besen, Schubkarren stehen nebeneinandergereiht im „Ladenlokal“, gefüllte Wasserflaschen sind aufeinandergestapelt. Alles ist abholbereit für diejenigen, die es benötigen. Und das sind viele.

Gleich daneben befindet sich der seit zwei Wochen tagtäglich anrollende Food-Truck aus Königswinter, der um 11 Uhr öffnet und um 18 Uhr schließt, nachdem er täglich mehr als 600 Essen verteilt hat. Kooperationspartner des Trucks ist übrigens „World Central Kitchen“ – eine gemeinnützige Nichtregierungsorganisation, die sich der Bereitstellung von Mahlzeiten nach Naturkatastrophen widmet. Die Organisation wurde 2010 von Starkoch José Andrés gegründet.

In unmittelbarer Nachbarschaft des Trucks befindet sich eine privat organisierte Versorgungsstation mit Kaffeemaschine, Wasser, Äpfeln, Bananen und Konserven. Eine „Einkaufsmeile“ auf einer Länge von 30 Metern ist entstanden. Dankbar nehmen die Menschen die Angebote an.

Mit Erleichterung wird auch registriert, dass am späten Abend Reinigungsfahrzeuge auf den Straßen unterwegs sind, die den Staub aufnehmen, der den Menschen tagsüber das ohnehin schwer gewordene Leben noch schwerer macht. Es ist kaum zu beschreiben, welche Staub- und Dreckentwicklung mit dem Einsatz der unzähligen Bagger, Raupen, Traktorgespanne und Lastwagen verbunden sind. Selbst Maskenträgern fällt das Atmen schwer, die Augen sind gereizt, Nasen und Ohren verstopft.

An diesem Donnerstag scheint es einen Schichtwechsel bei den Rettungs- und Hilfskräften zu geben. Am Versorgungspunkt „südliche Kurgartenstraße“ packt gerade das DRK Bad Segeberg Zelte und Tische ein. „Mein Arbeitgeber ist froh, wenn er mich nach 14 Tagen mal wieder sieht“, sagte eine ehrenamtlich tätige Rotkreuz-Helferin, die hauptberuflich in einer Bad Segeberger Arztpraxis arbeitet. Gestern rückte bereits ein THW-Trupp ab. Leider wurde er bislang nicht ersetzt. Einen Abzug ohne Ersatz befürchten nun auch die Menschen, die den Abbau der DRK-Infrastruktur verfolgen.

„Hoffentlich kommen hier wieder Helfer hin“

„Hoffentlich kommen hier wieder Helfer hin“, ist bei den Bürgern zu hören. Schließlich gab das Rote-Kreuz morgens Frühstück und abends eine warme Mahlzeit aus. Nun heißt es abwarten, was passiert.

Abgewartet, ohne dass etwas passiert, haben auch viele Bürger, die zum allmorgendlichen Handyladen an die Kurgartenstraße gekommen waren. Zwar lagen Kabeltrommeln offenbar an einem Stromaggregat angeschlossen am üblichen Treffpunkt-, Ideen- und Tauschbörsenplatz: Leider musste dann festgestellt werden, dass aus den Buchsen so viel Strom kam, wie aus der heimischen Steckdose: null Volt, null Ampere, null Ohm. Tja, umsonst in den Staubwolken gesessen.

Nun heißt es scharf nachdenken, wie man an Strom kommt oder hoffen, dass die vom abgerückten THW entstandene Versorgungslücke schnellstmöglich wieder geschlossen wird. Und natürlich taucht die Frage wieder auf: Was machen die 200 Leute des Landes in der Krisenbewältigungs-Lenkungsgruppe eigentlich? „Auch wenn die ortsfremd sind, müssten die doch inzwischen wissen, dass es hier so gut wie keine Versorgung, keinen Strom und kein Geschäft gibt“, sagt ein verärgerter Bürger, dessen Handy-Ladestatus bei zehn Prozent angekommen ist.

Der Aufbau der neuen Landgrafenbrücke schreitet voran

So mancher hatte sich auch (zu früh) gefreut, als die Stadt via Facebook mitteilte, dass am Mittwoch, um 17.30 Uhr, am städtischen „Info-Punkt“ an der Stadtbücherei eine warme Mahlzeit geliefert wird. Warum auch immer: Dort blieb die Küche kalt. Am Info-Punkt wusste das eingesetzte Personal zudem erst gar nichts von den avisierten kulinarischen Genüssen.

Der Trost: Das DRK hatte hundert Meter von der Bibliothek entfernt Reis mit Hackfleischsoße im Angebot. Und als dann sogar noch ein Dessert gereicht wurde, war das Leben an der Bad Neuenahrer Ahr schon wieder ein Stückchen erträglicher geworden.

Die Behelfsbrücke in Höhe der ehemaligen Landgrafenbrücke ist indes weitergewachsen. Die ersten Stahlelemente haben das Südufer erreicht. Noch wenige Tage, dann werden Nord- und Südstadt wieder per Brückenschlag vereint sein. Dann wird sich auch die Versorgungslage im Kurviertel merklich bessern.