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Bad Neuenahr-Ahrweiler: Anwohner hoffen auf provisorische Brücke des THW

Ein Anwohner berichtet : Bad Neuenahrer hoffen auf provisorische Landgrafenbrücke des THW

Das Technische Hilfswerk errichtet derzeit eine provisorische Brücke an der Stelle der Landgrafenbrücke. Mit Kopfschütteln wird derweil der Service der Post zur Kenntnis genommen.

„Verliert nicht den Mut!“ steht auf einem handgemalten Plakat, das vor einem zerstörten Einzelhandelsgeschäft in der Bad Neuenahrer Innenstadt hängt. Ein Appell, der vielfach Früchte zu tragen scheint. Der anfängliche Schock ist trotz der zertrümmerten Landschaft und der zerstörten Häuser vielfach einem rheinischen Humor gewichen, der manchmal so schwarz ist wie der vom DRK an den Versorgungspunkten ausgeschenkte Kaffee.

An der Mittelstraße sitzen auf einer Mauer zwei Musikanten-Puppen, die mit Saxofon und Gesangbuch das Treiben der Aufräumtruppen zu verfolgen und zu begleiten scheinen. In den Gesprächen untereinander ist man bemüht, lockere Töne anzuschlagen, um die sich bei einem Blick über das eigene Umfeld auftuenden Türen der Düsternis zuzuschlagen.

Eine 86-jährige Dame aus Ahrweiler macht es vor. Sie wurde nur bekleidet mit ihrem Schlafanzug von Helfern aus ihrer Wohnung nahe dem Ahrtor in letzter Minute gerettet. Mitnehmen konnte sie nichts mehr, erzählt sie am Versorgungspunkt an der Kurgartenstraße. Nur das, was sie am Leibe trug. Caritas-Mitarbeiter brachten sie in der Nähe der Bad Neuenahrer Stadtbücherei in einem noch funktionierenden kleinen Hotel unter. Dort wurde sie auch neu eingekleidet. „Meine Zähne sind weg, meine Brille ist weg, meine Hörgeräte sind weg. Dafür sehe ich jetzt aber prima aus“, sagt die betagte Dame im rheinischen Dialekt und zeigt auf ihre rosafarbene, gutsitzende neue Hose, auf ihr dazu passendes Oberteil und auf ihre wattierte weiße Jacke. Es gehe ihr gut, sie komme zurecht, fügt sie trotz Verlust von Hab und Gut an.

In Bad Neuenahr-Ahrweiler ist es ruhiger geworden

Es ist ruhiger geworden in der Stadt. Erst ab 8 Uhr morgens hört man die ersten Stromaggregate und die ersten durch die Straßen rollenden Bau- und Räumfahrzeuge, die seit heute (Dienstag) an den stark beschädigten Ahr-Thermen zugange sind. Abends legt sich ab 19 Uhr eine bislang nicht gekannte Stille über die Stadt. Die Helfer sind dann abgerückt, die Menschen sind wieder in ihren Häusern. Kaum ein Auto fährt durch die weitgehend geräumten Straßen, an deren Rändern jedoch immer wieder neue, allerdings deutlich kleinere Berge an Sperrmüll angehäuft werden. Noch lange scheint nicht alles aus den Kellern und Wohnungen ausgeräumt zu sein.

Lichtblicke ergeben sich an der ehemaligen Landgrafenbrücke. Dort arbeitet das THW fieberhaft am Bau einer provisorischen Brücke, die auch bereits erste Konturen annimmt. Das neue Bauwerk, das etwa zehn Meter westlich neben der eingebrochenen Brücke in der Entstehung ist, wird zweispurig ausgelegt. Es soll sogar für den Schwerlastverkehr nutzbar und nach derzeitigem Stand Anfang der kommenden Woche befahrbar sein. „Dann können wir endlich wieder einkaufen gehen“, so die Bewohner des von jeder Einzelhandelsversorgung abgeschnittenen Kurbereichs.

Kopfschütteln über Vorgaben der Post

Mit Kopfschütteln wird derweil der Service der Post zur Kenntnis genommen: Briefe oder Päckchen könne man sich nach Vorlage des Personalausweises am Poststützpunkt Heerstraße/Weinbergstraße (Nordseite der Stadt) abholen. Mit dem Auto würde dies für die Bad Neuenahrer „Südbewohner“ eine nette Hin- und Rückfahrt (44 Kilometer) über Königsfeld, Waldorf, Niederzissen bedeuten, die dann über die A61 in Richtung zurück nach Bad Neuenahr auf die nördliche Ahrseite führt. Wer prima zu Fuß ist, kann sich über die Piusbrücke in Richtung Schützenstraße, Sebastianstraße und Weinbergstraße „durchschlagen“. Entfernung hin und zurück: rund acht Kilometer. Wer die THW-Fähre an der Landgrafenstraße nutzt, um seine Post zu holen, ist entfernungsmäßig nicht besser dran.

Dann doch lieber die Post bei der Post lassen. Einen Brief von der Lotto-Gesellschaft werden schließlich die wenigsten erwarten.