Bad Neuenahr-Ahrweiler nach der Flut Kanalsanierung dürfte 100 Millionen Euro kosten

Bad Neuenahr-Ahrweiler · Etwa die Hälfte des Abwassernetzes in Bad Neuenahr-Ahrweiler ist durch die Flutkatastrophe beschädigt worden. Die ersten Kostenschätzungen für die Instandsetzung sind laut Werksausschuss Abwasser immens. Vier Ingenieurbüros sind mit der Sanierung beschäftigt.

 Im Uferbereich der Ahr wurde das Kanalnetz komplett vernichtet, aber auch in überfluteten Bereichen weiter weg wurden schwere Schäden am Leitungsnetz festgestellt.

Im Uferbereich der Ahr wurde das Kanalnetz komplett vernichtet, aber auch in überfluteten Bereichen weiter weg wurden schwere Schäden am Leitungsnetz festgestellt.

Foto: Thomas Weber

Auf rund 1,8 Milliarden Euro war der Schaden an der kommunalen Infrastruktur der Kreisstadt Bad Neuenahr-Ahrweiler schon kurz nach der Flutkatastrophe vom Juli geschätzt worden. Derzeit werden allerorts die Schäden aufgenommen, der Wiederaufbau wird geplant. Besonders schwer gestaltet sich das im Tiefbaubereich. Das kreisstädtische Kanalnetz mit einer Gesamtlänge von 250 Kilometern ist auf mehr als der Hälfte, nämlich auf 132 Kilometern, betroffen. In der Nähe der Ahr wurde die Kanalisation mitsamt den Uferböschungen fortgespült. Aber auch hunderte Meter vom Flusslauf entfernt entstanden noch immense Schäden.

Instandsetzung wird eine Mehr-Belastung

Genaues lässt sich auch vier Monate nach der Katastrophe noch nicht sagen, der Werkausschuss Abwasser erhielt nun immerhin eine Prognose. Wenn das Kanalnetz einmal wieder in Ordnung ist, dürfte ein dreistelliger Millionenbetrag ausgegeben worden sein. Aber nicht nur das. „Die Baustellen für die Landesgartenschau dürften gegenüber dem, was noch kommt, als eine leichte Belastung empfunden werden, so viel werden wir noch bauen müssen“, macht der Erste Beigeordnete der Kreisstadt, Peter Diewald, deutlich, was auf die Bürger Bad Neuenahr-Ahrweilers in den kommenden Jahren zukommen wird.

Im Werkausschuss Abwasser gab es nun einen Sachstand. Vier Ingenieurbüros sind mit Schadensaufnahme, Sofortmaßnahmen und der endgültigen Sanierung beschäftigt. Diplom-Ingenieur Horst Huhmann vom Bad Breisiger Büro H2R erläuterte, wie man vorgeht. Aktuell befinde man sich noch in einem Pilotprojekt zur Planung der weiteren Schritte. Dazu werden derzeit rund zehn Kilometer des betroffenen Leitungsnetzes mit rund 1.000 Hausanschlüssen unter die Lupe genommen. Das Ergebnis ist erschreckend. Zunächst war das Kanalnetz an vielen Stellen randvoll mit Schlamm. Nicht nur das. „Wir haben hier Pflastersteine oder aber komplettes Inventar gefunden“, so Huhmann.

Viele Hausanschlüsse noch verstopft

Mit rund 50 Spülwagen aus der gesamten Republik war das Netz in den ersten Wochen nach der Flut mit Hochdruck gespült worden. „Das hat mancher Leitung den Rest gegeben“, so die heutige Erkenntnis. Nun wird in den Pilotprojektbereichen wieder gespült, damit der Kanal mit Videotechnik untersucht werden kann. Immer noch seien viele Hausanschlüsse von Gebäuden, die derzeit nicht bewohnt sind, verstopft, berichtete der Ingenieur. Festgestellt werden zudem sehr viele Brüche, dazu habe sich der Kanal mancherorts komplett verlagert. „Wir finden einen sehr schlechten Zustand vor“, so Huhmann, nachdem man gerade erst sechs Prozent des gesamten Systems untersucht habe. An einigen Stellen drohe die Kanalisation gänzlich zusammenzubrechen, was Verkehrsgefährdungen zur Folge habe.

Bis zum Januar wollen die Ingenieure das Pilotprojekt abgeschlossen haben. Mit der Untersuchung laufen schon jetzt parallel erste Sofortmaßnahmen an. Den kompletten Überflutungsbereich, unter dem 132 Kilometer Kanalnetz laufen, habe man in acht zu untersuchende Bereiche aufgeteilt, so Huhmann, der erste vage Kostenprognosen aufstellte. Demnach dürfte die Kanaluntersuchung mittels „Kanal TV“, für die mehrere Spül- und Videowagen zur Verfügung stehen, rund sechs Millionen Euro brutto kosten. Die dann einzuleitenden Sofortmaßnahmen zur Stabilisierung schätzte Huhmann auf rund 7,25 Millionen, die finale Sanierung und Wiederherstellung sieht er bei 85 Millionen Euro. Dabei machte der Ingenieur klar, dass es hier noch eine große Variabilität gebe. Für Peter Diewald ergibt sich unterm Strich eine Summe im dreistelligen Millionenbereich. Ein Zeitfenster bis zur finalen Widerherstellung der Infrastruktur wurde nicht genannt.

Zuständigkeiten werden geklärt

Geklärt werden müsse auch noch, wer dem Projekt vorstehe. „Kann das Abwasserwerk es stemmen, oder wird es eine Aufgabe der Aufbau GmbH?“ fragte Christoph Kniel (CDU). Hier erörterte Peter Diewald, dass man derzeit noch die Auflistung aller Maßnahmen in der Aufbau GmbH erarbeite. Der Beigeordnete verwies auf weitere notwendige Arbeiten in den Straßen und geht von einer Splittung der Aufgaben auf Aufbau GmbH und die Verwaltungsabteilungen aus.

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