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Bad Neuenahr-Ahrweiler: Schädlingsbekämpfung im Weinberg mit Duftglocke

Gegen den Traubenwickler : Weinbaugebiete an der Ahr mit Duftglocken schützen

Der Flug der Motten startet, die Partnersuche des Traubenwicklers beginnt. Für die Winzer an der Ahr ist dies der Zeitpunkt, ihre bewährte Pheromon-Aktion zu starten. Wegen Corona in gebührendem Abstand voneinander, bringen die Weinbauer und ihre Helfer in den Weinbergen die Ampullen mit den nachgebauten Lockstoffen aus.

Milde Morgensonne wärmt am Samstagmorgen die Weinberge rund um Mayschoß. Oben in den Steillagen sieht man vereinzelt weiße Flecken, die sich gemächlich bewegen, Winzer bei der diesjährigen Pheromon-Aktion. In weißen Stoffbeuteln tragen sie kleine, braune Plastikampullen mit synthetisch nachgebauten Lockstoffen der Traubenwickler-Weibchen. Die kleinen, unscheinbaren Motten können im Weinbau große Schäden verursachen. Die Helfer hängen die Ampullen in vorgegebenem Abstand an die Drähte in den Wingerten. Bis zum Herbst verströmen sie ihren Duft, und in dieser Duftglocke können sich männliche und weibliche Falter nicht finden, es kommt nicht zur Paarung, der Nachwuchs bleibt aus.

„Der Traubenwickler macht vor dem Coronavirus keinen Halt“, begründet Ingo Josten von der Raiffeisen Rhein-Ahr-Eifel Handelsgesellschaft den Einsatz so zahlreicher Helfer trotz Versammlungsverbots. Er betreut die Aktion seit Jahren und ist mit seinem Pkw ein Stück den Mayschosser Mönchberg hoch gefahren, wo gerade eine Gruppe bei der Arbeit ist. „Die Maßnahme ist jetzt unumgänglich“, sagt Josten. Denn nun startet der Flug der Motten, die Partnersuche beginnt.

Für umweltfreundliche Methode entschieden

Die Ahr hat sich schon vor Jahren als erstes Weinanbaugebiet in Deutschland für die umweltfreundliche Methode zur Verhinderung einer großen Population von Traubenwicklern entschieden. Die Pheromon-Methode macht den Einsatz von Insektiziden entbehrlich. In 13 Gruppen zu jeweils etwa 15 Mitgliedern arbeiten Winzer und Angehörige ihrer Familien zusammen an der Aktion zum Schutz aller Weinberge von Mayschoß bis Altenahr. Am kommenden Samstag ist das Gebiet von Rech bis Ehlingen an der Reihe. „Wir haben die Gruppen noch einmal in kleinere Einheiten geteilt, damit ausreichend Abstand gehalten werden kann“, sagt Josten. Er lobt, dass sich trotz Corona ausreichend Freiwillige zur Verfügung gestellt haben.

 Am Morgen haben sich die Helfer mit den Ampullen ausgestattet, im Kofferraum hat Josten weiteres Material, falls mehr gebraucht wird. „Bei der Pheromon-Aktion in diesem Jahr werden alle Regeln in Zusammenhang mit der Vorbeugung einer Ansteckung mit dem Coronavirus eingehalten“, erklärt Matthias Baltes, der Vorsitzende der Winzergenossenschaft Mayschoß Altenahr, der den Einsatz im oberen Teil des Weinanbaugebiets abgestimmt hat. Bereits am Freitag hatte die Genossenschaft das Material zu den Obmännern gebracht. Die genauen Regeln für das Anbringen der Ampullen ist den Beteiligten dank jahrelanger Praxis bekannt: In jeder dritten Rebzeile werden Ampullen aufgehängt, an den Rändern dichter, damit nicht Motten aus dem umliegenden Gebüsch eindringen und ihre Eier ablegen können.

Keine Geselligkeiten in Corona-Zeiten

Eigentlich ist die Aktion auch mit Geselligkeit verbunden, man könnte bei der Arbeit miteinander plaudern und nach getaner Arbeit noch bei einem Glas Wein und einem herzhaften Braten zusammenbleiben. Das ist in Corona-Zeiten gestrichen. So machten sich die Beteiligten mit Abstand zueinander an die Arbeit, die Genossenschaft bot weder Essen noch Getränke an, und das fröhliche Beisammensein zum Abschluss musste ausfallen, berichtet Baltes.

Zur Pheromon-Ausbringung sagten Weinbaupräsident Hubert Pauly und der Bauern- und Winzerverband: „Der Erfolg der vergangenen Jahre gibt dieser Maßnahme absolut Recht.“ Jedoch fordere die Corona-Krise eine strenge Organisation und gesundheitliche Prävention bei der Durchführung. Das haben die Winzer akzeptiert.

Wenn auch die Traubenwickler kleine, unscheinbare Motten sind, können ihre Raupen in den Weinbergen doch große Schäden anrichten. Im zeitigen Frühjahr legen sie Gespinste in die Knospen und die „Heuwurm“ genannten Raupen, die sich daraus entwickeln, schädigen die Knospen. Eine Generation weiter knabbern die Raupen als „Sauerwurm“ an den jungen Beeren, oder später im Jahr können sie als „Süßwurm“ die reifenden Früchte schädigen. In allen Fällen breiten sich Fäulnisbakterien an den betroffenen Stellen aus, Teile der Ernte werden unbrauchbar. Da Traubenwickler pro Saison drei neue Generationen hervorbringen können, vervielfacht sich die Population und damit steigt der Schaden im Laufe eines Sommers.