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Bad Neuenahr-Ahrweiler: Tiny Houses für 4 Millionen Euro für Flutopfer

Hilfe für Flutopfer im Ahrtal : Stadtrat bestellt Tiny Houses für vier Millionen Euro

Bad Neuenahr-Ahrweiler und die Verbandsgemeinde Altenahr ordern je 64 Tiny Houses für Flutopfer. 32 Minihäuser sollen in Sinzig errichtet werden. Außerdem entsteht ein Wohncontainerdorf im Apollinarisstadion in Bad Neuenahr.

Im Stadtrat von Bad Neuenahr-Ahrweiler informierten Bürgermeister Guido Orthen (CDU) und der Erste Beigeordnete Peter Diewald über die aktuelle Lage nach der Flutkatastrophe vom Juli und blickten auf die Wohnsituation vor den anstehenden Wintermonaten.

So werde auf dem westlichen Sportplatz im Apollinarisstadion in Bad Neuenahr eine Containersiedlung entstehen. 50 Kombi-Container habe man zu diesem Zweck bestellt, so Diewald. Zielgruppe für Vermietungen seien Einzelpersonen bis zum Alter von 70 Jahren, die wegen der Heizungsproblematik nicht in ihren Häusern bleiben können.

Zusätzliche Winterquartiere für die Über-70-Jährigen

Für ähnlich betroffene Menschen über 70 Jahre halte man derzeit ein Klinikgebäude sowie ein Hotel außerhalb der Kreisstadt vor, auch könnten vorhandene Bettenkapazitäten in der Stadt angeboten werden. Das Problem, das sich für die Verwaltung stellt: Es gibt keine aktuellen Bedarfszahlen, wer denn nun tatsächlich ein Ausweichquartier für die Wintermonate benötigt. Gleiches gilt natürlich auch für die Dauer der Umquartierung.

Hier spielen viele Faktoren eine Rolle, darunter auch der Fortgang der Wiederinbetriebnahme des Gasnetzes. „Wir dürfen nicht in die Gefahr kommen, dass wir Menschen, die vor einer Obdachlosigkeit stehen, keine Lösung anbieten können“, so der Kreisstadt-Bürgermeister. Aktuell sei der Bedarf an benötigtem Ersatzwohnraum gedeckt, so Orthen, aber die Entwicklung sei nicht vorhersehbar. Zur Deckung trägt auch die Bestellung von 160 Mobilheimen, sogenannten Tiny Houses, bei, die im Ahrtal an verschiedenen Standorten zum Einsatz kommen sollen.

Aufbau der Tiny Houses startet im November

Geliefert und aufgebaut werden sollen die Häuschen im November und Dezember. Jeweils 64 dieser Tiny Houses sollen demnach im Bereich der Kreisstadt und in der Verbandsgemeinde Altenahr errichtet werden. 32 orderte die Stadt Sinzig. Jedes dieser Häuser kostet in der Anschaffung rund 60 000 Euro, ist im Schnitt 39 Quadratmeter groß, voll eingerichtet und bietet drei bis vier Personen Platz.

Für die 64 Häuser in Bad Neuenahr-Ahrweiler beschloss der Stadtrat am Donnerstag die Vergabe des Auftrags zu einem Kostenvolumen von rund vier Millionen Euro, hinzu kommen Erschließungskosten für die Grundstücke. Aufgestellt werden sollen die Mobilheime in Bad Neuenahr am Gartenschwimmbad Twin, auf einer städtischen Fläche „Im Bülland“ in Heimersheim sowie auf einer Privatfläche nahe des Bürgerhauses in Ramersbach. Um größtmögliche Flexibilität zu gewährleisten, erfolgt die Beheizung mit Flüssiggas. Die Finanzierung der Anschaffungs- und Erschließungskosten wird durch Spendengelder über die Aktion „Deutschland hilft“ gesichert, sodass der Stadt hier keine oder nur geringfügige Kosten entstehen. Mieter der Mobilheime müssen sich auf eine geringe Monatsmiete einstellen, die die drei beteiligten Kommunen noch vereinbaren. Peter Diewald schweben hier 200 Euro Kaltmiete zuzüglich Nebenkosten vor.

Die Erlöse sind gemeinnützig zu verwenden. Das gilt auch für Erlöse aus einem möglichen späteren Verkauf der Häuser oder einer Nachnutzung. Guido Orthen brachte dabei die Idee einer Folgenutzung in Form eines gemeinnützig geführten Feriendorfes vor. Schon deshalb habe man die Hälfte der Häuser in barrierefreiem Format geordert.