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Boeing lässt tonnenweise Kerosin über Rheinland-Pfalz ab

Bundesland besonders häufig betroffen : Abgelassenes Kerosin über Rheinland-Pfalz ist kein Einzelfall

Ein Frachtflugzeug einer britischen Gesellschaft hat am Freitagabend 89 Tonnen Kerosin über dem südlichen Rheinland-Pfalz und dem Saarland abgelassen. Laut Umweltamt ist das kein Einzelfall.

Ein Frachtflugzeug der britischen Gesellschaft Magma Aviation hat über Rheinland-Pfalz und dem Saarland insgesamt 89 Tonnen Kerosin abgelassen. Das teilte die Deutsche Flugsicherung in Langen am Montag auf Anfrage mit. Die Boeing 747 sei am Freitagabend vom Flughafen Hahn mit Zielort Indien abgehoben, der Pilot habe aber kurz nach dem Start Triebwerksprobleme gemeldet.

Daraufhin sei die Maschine über das Saarland sowie über das südliche Rheinland-Pfalz sowie im Norden bis Bad Neuenahr-Ahrweiler geflogen und habe Kerosin abgelassen, um für eine Landung in Lüttich leichter zu werden, hieß es. Die Flughöhe betrug im Schnitt 14.000 Fuß oder rund 4700 Meter.

Zahlreiche Flugzeuge lassen Treibstoff ab

Flugzeuge lassen in Notlagen Kerosin ab, um mit weniger Gewicht landen zu können. Das sogenannte Fuel Dumping ist vor allem in Rheinland-Pfalz ein Thema. Das Umweltamt Rheinland-Pfalz nennt beispielsweise für das Jahr 2018 (letzter angegebener Zeitrahmen) 21 Ablässe mit 600 Tonnen Kerosin bundesweit, davon allein sieben Ablässe mit 156 Tonnen über Rheinland-Pfalz.

Auf Nachfrage gibt der Pressesprecher des Amts aber Entwarnung gegenüber möglichen Bedenken von Bürgern: Schon beim Ablassen werde der Treibstoff mit Pumpen so aus den Rohren gepumpt, dass er in feinste Tröpfchen zerstäubt und durch die Turbulenzen hinter dem Luftfahrzeug als Nebel verteilt wird.

Durch die extreme Flughöhe, Geschwindigkeit der Flugzeuge und die Verwirbelung durch die Luft werde das Kerosin in kleine Aerosole aufgelöst, die am Boden nicht sichtbar sind. Das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität schreibt in einem FAQ auf seiner Homepage zudem: „Bislang konnte in Rheinland-Pfalz keine Belastung durch Kerosin festgestellt werden.“

Auf die Frage, ob das Messnetz ausgebaut werden könnte, antwortet das Ministerium, dass zusätzliche mobile Messungen vor dem Hintergrund der Größenordnung des Überflug- und Ablassgebietes (mehrere hundert- und tausend Quadratkilometer) und der zunehmenden Verdünnung des Aerosols im Luftraum nicht zielführend seien.

Das Thema führt dennoch immer wieder zu politischen Debatten. Doch hier verweist das Landesamt auf die Verantwortlichkeiten auf Bundesebene und auf Seiten der Verursacher der Treibstoffablässe – also den Fluggesellschaften.

(mit Material von dpa)