Verkehrsplanung in Bad Neuenahr-Ahrweiler Bürgerinitiative befürchtet mehr Verkehr und Lärm auf dem Calvarienberg

Bad Neuenahr-Ahrweiler · Bürger kritisieren das Vorgehen der Stadtverwaltung. Initiative fordert den Bau einer neuen Brücke. Im Januar soll es eine Informationsveranstaltung geben.

Das Verkehrskonzept für den Calvarienberg steht in der Diskussion.

Das Verkehrskonzept für den Calvarienberg steht in der Diskussion.

Foto: ahr-foto

Ein „bürgerfreundliches Verkehrskonzept“ fordert eine Bürgerinitiative in Ahrweiler, die sich im Zusammenhang mit einer anstehenden Bebauung am Calvarienberg gegründet hat. Wie berichtet, soll das ehemalige Ursulinen-Kloster zu Wohnzwecken genutzt werden, zudem ist an ein kleines Hotel gedacht sowie an den Bau einiger Mehrfamilienhäuser in den ehemaligen Klostergärten.

„Wir wollen auch aus Klimaschutzgründen den künftigen Verkehr im Quartier reduzieren und gleichzeitig die Umgestaltung des Calvarienbergs ermöglichen. Wir sind nicht gegen die Entwicklung und Nachnutzung des Klosters, sondern dagegen, dass dies offenbar durch eine dauerhafte gesundheitsgefährdende und unfallträchtige Blechwelle erreicht werden soll“, so Barbara Josten, Vorsitzende der Initiative, in einem Schreiben. Sie wirft der Stadtspitze „Täuschung“ und „Ignoranz“ vor.

Durchgangsverkehr durch Wohngebiet?

Sie zeigt sich enttäuscht von der Stadtführung, die eine Prüfung der zu erwartenden verkehrlichen Belastungen zugesagt habe. Aber: „Geschehen ist bis heute nichts“, so Josten. Mit der geplanten Verkehrsführung für Durchgangs- und Bauverkehr durch ein reines Wohngebiet mit 30er Zonen, zu Schule und Kita, entstünde auf Dauer „eine enorme Belastung und Gesundheitsgefährdung durch Lärm und Emissionen in den unfallträchtigen engen Wohnstraßen“. Dies gelte insbesondere mit Blick auf den zu erwartenden jahrelangen Bau- und Schwerlastverkehr für den Ausbau des Calvarienbergs mit seinem späteren Hotel und den bis zu siebenstöckigen Wohnhäusern.

Josten: „Wir werden uns mit allen rechtsstaatlichen Mitteln gegen die Enteignung des gesamten Quartiers und ihrer mit so viel Mühen und Geld wieder aufgebauten Wohnhäuser zur Wehr setzen.“ Dem Bürgermeister wirft die Bürgerinitiative eine „ignorante Taktik“ vor, das Stadtoberhaupt sei nicht bereit zum konstruktiven Dialog, es „igele“ sich vielmehr im Rathaus ein.

Stadt will sich an ihr Versprechen halten

Die Stadtverwaltung zeigte sich auf Anfrage des GA verwundert: Man habe sehr wohl eine „vertiefte Verkehrsuntersuchung“ unter Berücksichtigung der Vorschläge aus dem Quartier vorgenommen und sehr wohl halte man sich im Rathaus an das Versprechen, das Verfahren erst dann weiter fortzusetzen, wenn alle verkehrsrechtlichen Fragen und Anregungen beleuchtet worden seien, sagte Erster Beigeordneter Peter Diewald dem GA. Dazu gehörten beispielsweise der Vorschlag zum Bau einer Brücke vom Kreisel Silberberg zum Calvarienberg oder auch weitere Vorschläge zur Verkehrsführung und Verkehrslenkung.

Diewald: „Die endgültigen Ergebnisse werden in Kürze erwartet.“ Was die Machbarkeit der im Raum stehenden Brücke anbetrifft, so sagte Diewald: „Hierzu wurde eine Planskizze erstellt, die Kosten wurden grob ermittelt und die Förderfähigkeit wurde abgeklärt. Die Prüfung einer grundsätzlichen Genehmigungsfähigkeit ist bei den zuständigen Stellen derzeit in Arbeit.“

Untersuchungsergebnisse werden diskutiert

Nach Vorliegen aller Informationen – spätestens im Januar – soll eine Informationsveranstaltung in Ahrweiler durchgeführt werden, „um allen Beteiligten die Ergebnisse der bis dahin vorliegenden Untersuchungen mitzuteilen und zu diskutieren“, versprach Diewald. Erst danach würden sich die städtischen Gremien mit dem Fortgang des Bebauungsplanverfahrens befassen. Die im Dezember 2022 vorgestellten Planungen waren im Stadtrat auf großes Wohlwollen gestoßen (der GA berichtete).

„Es wurde also im Vorgehen absolut Wort gehalten. Umso mehr befremdet die Schärfe des Schreibens der Initiative“, sagte Diewald. Und: „Hier wäre gerade in solch schwierigen Zeiten ein fairerer und besserer Umgang miteinander wünschenswert, denn wir alle sind durch die Herausforderungen der Flut grenzwertig und darüber belastet. Da sollte nicht noch dringend benötigte Energie in schiere Provokation und den Umgang damit gesteckt werden müssen.“

Frage nach Nachhaltigkeit

Inhaltlich vertrete ein solches Vorgehen sicher schon lange nicht mehr die Interessen aller in Ahrweiler lebenden Menschen. Denn neben denen, die daraus resultierend Sorge um den Fortbestand des Calvarienbergs haben, entwickelt sich zunehmend ein Gegenwind derer, die dem von der Bürgerinitiative als Lösungsansatz unterbreiteten neuen großen Brückenbauwerk eher skeptisch gegenüberstehen und es als wenig nachhaltig ansehen“, sagte Diewald dem GA.

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