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Vor 75 Jahren im Kreishaus: Christian Ulrich ist der fast vergessene Landrat von Ahrweiler

Vor 75 Jahren im Kreishaus : Christian Ulrich ist der fast vergessene Landrat von Ahrweiler

Von Amerikanern eingesetzt, von Franzosen verhaftet: Vor 75 Jahren war Christian Ulrich für viereinhalb Monate Chef im Ahrweiler Kreishaus. Am 26. Juni 1945 verhaftete ihn die französische Militärregierung und inhaftierte den Landrat eine Woche lang.

Drei Landräte in einem Jahr? Das hat es seit der Gründung der Kreise Ahrweiler und Adenau am 14. Mai 1816 bis heute nur einmal gegeben.

Es war 1945, im Jahr des Umbruchs und der politischen Neuorientierung nach dem Zweiten Weltkrieg, als sich drei Amtsinhaber an der Spitze des Kreises Ahrweiler, der große Teile des 1932 aufgelösten Kreises Mayen aufnahm, ablösten. In den ersten Märztagen 1945 eroberten amerikanische Truppen das Gebiet des Kreises Ahrweiler. „Deutschland wird nicht besetzt zum Zwecke der Befreiung, sondern als besiegter Feindstaat.“ So lautete die Weisung der Vereinigten Stabschefs an den Oberbefehlshaber der Besatzungstruppen im April des Jahres. Damals bestimmten im Kreis Ahrweiler Captain Edmund H. Emry und seine US-Soldaten das Leben der Einwohner.

Landrat Peter Simmer, seit 1934 dem Landkreis vorstehend, zugleich Kreisleiter der NSDAP, wurde abgesetzt. Ab dem 20. August 1945 bis 1951 regierte Hermann Schüling. Ihn hatten die Nationalsozialisten nach der Machtergreifung im September 1933 als Landrat des Oberwesterwaldkreises ohne Pension entlassen, was nun für ihn sprach. Als Schüling 1954 zum Regierungspräsidenten des Regierungsbezirks Montabaur (1968 dem Regierungsbezirk Koblenz eingegliedert) ernannt wurde, erreichte er damit den Gipfel seiner beruflichen Karriere.

Zwischen ihm und NS-Landrat Simmer gab der 1894 in Ahrweiler geborene und aufgewachsene Christian Ulrich vom 15. März bis 31. Juli 1945 sein Intermezzo. Nur viereinhalb Monate bekleidete er sein Amt und leistete mit einem kleinen Team dennoch Grundlegendes zur Zeit der sogenannten Stunde null.

Mit Fleiß und Ausdauer stellte er sich den akuten Herausforderungen: der Wiederherstellung der Lebensmittelversorgung, der Warenbeschaffung, der Beseitigung von Kriegsschäden, Instandsetzung von Straßen zur Verkehrssicherheit, Beschaffung von Wohnraum. „Es war Ulrich, der das Kreishaus wieder zu einer arbeitsfähigen Verwaltung machte, Kurierdienste zu den Bürgermeistern einführte und wöchentlich mit ihnen tagte“, ist im Heimatjahrbuch des Kreises Ahrweiler 2003 ausgeführt. Und auch, dass Christian Ulrich in der Bildergalerie der Landräte seit 1816 in der ersten Etage der Kreisverwaltung bis dahin fehlte. Ein Versäumnis, das von Landrat Jürgen Pföhler korrigiert wurde.

Nachdem die Franzosen die Amerikaner als Besatzungsmacht abgelöst hatten, waren Ulrichs Landratstage gezählt. Am 26. Juni verhaftete ihn die französische Militärregierung und inhaftierte ihn eine Woche lang. Die vorgeschobenen Gründe: Nichtbeachtung von Befehlen und das Dulden von Wahlen in Amtsausschüssen. Anfang August setzten die französischen Behörden ihn ab.

Doch konnten die Alliierten den Verwaltungsprofi ab November als geschäftsleitenden Beamten im Landratsamt von Zell brauchen. Ulrich aber klagte gegen den Kreis und das Land Rheinland-Pfalz auf Wiedereinsetzung als Ahrweiler Landrat. Vergebens. Allerdings sollten seine Fähigkeiten erneut innerhalb des Kreises Früchte tragen: Am 17. Februar 1949 wählte der Stadtrat von Ahrweiler, dem er von 1928 bis 1933 angehört hatte, Christian Ulrich zum hauptamtlichen Bürgermeister.

Entscheidend trug er zum Wiederaufbau und zur Gestaltung der Stadt bei. 1957 wurde er wiedergewählt. Als Ulrich 1959 in Pension ging, brachte er, der 1950, auch zur Wiedererrichtung des Ahrtores den Heimatverein Alt-Ahrweiler ins Leben gerufen hatte, sich noch in vielfacher Hinsicht für die Stadt und ihre Bürger ein.

So auch im Kreistag von Ahrweiler, dem Christian Ulrich von 1956 bis 1960 für die Christdemokraten angehörte.