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Schon 1488 wütete die „wilde Ahr“ : Eine Chronik der Ahrtorbrücke in Ahrweiler

Schon 1488 wütete die „wilde Ahr“ : Eine Chronik der Ahrtorbrücke in Ahrweiler

Die 1893 errichtete Ahrtorbrücke ist vom Juli-Hochwasser zerstört worden. Jetzt schob das Technische Hilfswerk eine fast 52 Meter lange Behelfsbrücke für Kraftfahrzeuge und Fußgänger über den Fluss. Die Ahr hatte sich die wichtige Brücke im Jahr 1888 aber nicht zum ersten Mal genommen. Der älteste Hinweis darauf, dass die Brücke bei einem Hochwasser Schaden nahm, stammt von 1488.

Die Brücke von 1893 ist beim Juli-Hochwasser zerstört worden. Auch ihre Vorgängerin war seinerzeit einem Naturereignis zum Opfer gefallen. Ein Gewitterregen hatte die Ahr am 23./24. Juni 1888 über die Ufer treten lassen. Der Schaden war groß. Erst drei Jahre später, am 7. Februar 1891, beschloss der Stadtrat von Ahrweiler, eine neue Brücke zu bauen.

Auf zwei Land- und drei Strompfeilern sollte sie ruhen und ein Geländer aus Stein erhalten. Stefan Schöneberg, Inhaber einer der größten Baufirmen des Kreises Ahrweiler, führte das Vorhaben aus, sodass die neue Ahrtorbrücke im Januar 1893 eingeweiht werden konnte. Dem Ahr-Hochwasser vom 13. Juni 1910 hielt diese Brücke stand. 50 Jahre später, im Jahr 1960, war sie dann aber derart sanierungsbedürftig, dass sie bis auf ihre Pfeiler zurückgebaut wurde.

Beim Wiederaufbau wurde ihre Fahrbahn von 4,60 auf sechs Meter verbreitert. Und für die Fußgänger wurde auf beiden Seiten ein Bürgersteig von jeweils 1,50 Meter Breite gebaut, sodass das Bauwerk insgesamt neun Meter breit wurde. Die Peter Fix Söhne GmbH führte die Bauarbeiten aus. Statt des alten Steingeländers erhielt die Brücke ein stählernes Geländer von der Schlosserei Gebr. Winnen aus Ahrweiler.

 Dieses Foto wurde 1913 oder früher gemacht. Bis dahin führte die Ahrtalbahn noch südlich am Stadtkern von Ahrweiler vorbei. Und die Carl-von-Ehrenwall-Allee, die vom Juli-Hochwasser nahezu vollständig fortgespült wurde, gab es damals noch nicht.
Dieses Foto wurde 1913 oder früher gemacht. Bis dahin führte die Ahrtalbahn noch südlich am Stadtkern von Ahrweiler vorbei. Und die Carl-von-Ehrenwall-Allee, die vom Juli-Hochwasser nahezu vollständig fortgespült wurde, gab es damals noch nicht. Foto: Anton Simons

1,5 Millionen Euro teure Sanierung im Jahr 2012

Gut 50 Jahre später, vom 11. April bis 21. Dezember 2012, wurde die Ahrtorbrücke dann erneut saniert und dabei durch das Aufgießen einer neuen Stahlbetonplatte von neun auf elf Meter verbreitert. So wurde es im Rahmen der 1,5 Millionen Euro teuren Sanierung möglich, den motorisierten Verkehr von Fußgängern und Fahrrädern zu trennen.

 Einweihung 2013: Die Ahrtorbrücke nach ihrer damaligen Restaurierung.
Einweihung 2013: Die Ahrtorbrücke nach ihrer damaligen Restaurierung. Foto: Martin Gausmann

Gut fürs Stadtbild: Die Überstände wurden so schlank gehalten, dass die historisch wertvollen Ansichtsflächen der Brücke weitgehend erhalten blieben.

Die Ahr hatte sich die wichtigste Brücke im Jahr 1888 aber nicht zum ersten Mal genommen. Der älteste Hinweis darauf, dass die Brücke bei einem Hochwasser Schaden nahm, ist genau 400 Jahre älter: Im Protokoll einer Sitzung des Stadtrats von Ahrweiler von 1488 heißt es: „Die wilde Ahr hat die Brücke zerbrochen.“

Knapp 200 Jahre später wird erneut eine Brücke gebaut. Um sie zu finanzieren, genehmigte der Kölner Erzbischof Maximilian Heinrich der Stadt Ahrweiler am 17. Februar 1682, von fremden Fuhrleuten und fremdem Vieh, die mit Hilfe der Brücke die Ahr passieren, ein Brückengeld zu erheben: für jedes vor einen Wagen oder Karren gespannte Pferd einen Stüber und für jedes sonstige Pferd ein Fettmännchen. Der Name „Fettmännchen“ wurde damals verwendet, um diese Acht-Heller-Münze von den Vier-Heller-Münzen („Magermännchen“) zu unterscheiden. Für eine Kuh und für einen Krämer betrug das Brückengeld ebenfalls ein Fettmännchen, für jedes Schwein, Schaf oder Kalb und für jede Geiß oder dergleichen Kleinvieh ein halbes. Wegen der Schneeschmelze wurden im Februar 1687, also nur fünf Jahre später, erneut große Teile des Ahrtals überschwemmt. In Ahrweiler rissen die Fluten zwei Brücken weg. Eine davon: die Ahrtorbrücke. Im Mai 1711 wurde eine neue Brücke aus Stein über die Ahr gelegt, die aber ebenfalls keine 30 Jahre hielt.

Denn am 16. Januar 1739 gab es wieder eine Flut. Sie war von Eis verursacht worden, das sich in der Ahr aufgestaut hatte. In Ahrweiler führte das zu einer großen Überschwemmung, wie sie „selbst von den ältesten Bürgern der Stadt Ahrweiler, ja seit Menschengedenken noch niemals beobachtet worden ist“. Die Flut zerstörte die Ahrtorbrücke und drang durch das Ahrtor in den Stadtkern ein. Nun wollten die Stadtväter kein Risiko mehr eingehen und eine solide Brücke bauen lassen, der Hochwasser nichts anhaben können. Am 30. August 1740 wurde in Gegenwart des gesamten Stadtrats, des Pfarrers, von Baumeister Franz Feldmüller und vieler Zuschauer der erste Stein der neuen Brücke gelegt. Zuvor hatte Pastor Maurus Eigell Reliquien und einige weitere in einer Kapsel verstaute gesegnete Gegenstände in den ausgehöhlten Grundstein hineingelegt.

Feierliche Einweihung im September 1741

Zwei Statuen wurden auf der neuen Brücke aufgestellt: Eine stellte die Jungfrau Maria dar, die andere den Brückenheiligen St. Johannes von Nepomuk. Nach mehr als einjähriger Bauzeit war das Werk vollendet, sodass es im September 1741 feierlich eingeweiht werden konnte. In Gegenwart von Klerus und Volk, die in einer Prozession zur Ahr gekommen waren, wurden zunächst die Statuen aufgerichtet, bevor dreimal Salven aus Büchsen gegeben wurden. Nach dem Ende der Feier kehrte man unter dem Geläut der Glocken von Sankt Laurentius und dem Absingen des Ambrosianischen Lobgesanges zur Kirche zurück, wo die Feier mit einem feierlichen Hochamt beschlossen wurde.

 Baukosten hatten anscheinend schon damals die Eigenschaft, gelegentlich aus dem Ruder zu laufen: Während sich das Angebot auf 1250 Taler belaufen hatte, standen auf der Endabrechnung 2815 Taler. Die neue Brücke hielt bis Januar 1880. Die Ahr war damals zwischen Blankenheim und Neuenahr zugefroren.

Als das Eis brach, wurden sämtliche Brücken zwischen Insul und Ahrweiler sowie die unterhalb von Ahrweiler stehenden Brücken von Bachem, Heppingen, Green und Bodendorf fortgerissen.