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Der „Portugieser“ wird auch an der Ahr angebaut: Eine unterschätzte Rebsorte

Der „Portugieser“ wird auch an der Ahr angebaut : Eine unterschätzte Rebsorte

Der Portugieser kann nicht immer sein ganzes Potenzial zeigen. Winzer Peter Kriechel bricht eine Lanze für den Rotwein, der nicht aus Portugal kommt.

Das erste Missverständnis ist der Name: Der Portugieser kommt nicht aus Portugal, ist dort sogar unbekannt. Auch an der Ahr ist er in Wein-Gesprächen nicht so präsent, obwohl er hier an vierter Stelle der angebauten roten Rebsorten steht. Der GA stellt die Rebsorte mit seinem möglichen Potenzial vor.

Neben dem Platzhalter Spätburgunder mit 367 Hektar (ha), dem Frühburgunder mit 34 ha und dem Regent mit 17 ha, ist der Portugieser mit 16 ha an der Ahr vertreten. Viele Leute meinen, aus der blauen Traube könne man nur süffigen Portugieser Weißherbst keltern. Das Ahrweiler Weingut Peter Kriechel hat den Rotwein in seinem Sortiment. Peter Kriechel differenziert zwischen Rotwein und rotem Wein. Für Kriechel kann der Portugieser ein Rotwein sein, wenn drei Parameter stimmten. „Es muss eine Top-Lage sein, man muss die Erträge reduzieren und das Alter der Reben ist wichtig, je älter, desto besser!“, erklärt der Winzer. Der 2018er Portugieser trocken, mit Naturkorken und im Barrique gereift, erfüllt genau das: die alten Rebstöcke stehen auf dem Walporzheimer Kräuterberg und werden jedes Jahr bei der sogenannten „Grünen Lese“ ertragsreduziert. Der Erfolg gibt dem 37-Jährigen Recht, schon 2013 war der Siegerwein beim „Deutschen Rotweinpreis“ ein 2011er Portugieser Goldkapsel aus dem Walporzheimer Pfaffenberg. Der Rotweinpreis wurde in der Kategorie „Unterschätzte Rebsorten“ verliehen. Auch heute sieht Kriechel den Portugieser unterschätzt. „Man kann aus der Rebsorte einen Wein machen, der sogar runder und weicher als der Spätburgunder ist“, sagt der Ahrweiler Spitzen-Winzer.

Die Rebsorte Portugieser kommt aus Slowenien. Seine Eltern sind der Grüne Silvaner und die Blaue Zimmettraube, er wurde vermutlich im 18. Jahrhundert in Österreich in der Untersteiermark gekreuzt. Angebaut wird er vor allem in Ungarn, Österreich und Deutschland. Die Rebsorte gedeiht auf nährstoffarmen Böden und bringt hohe Erträge. Nur feuchte Böden mag er nicht so sehr. Er ist der ideale Begleiter für Suppen, Vorspeisen oder auch Muscheln. Als Rotwein ausgebaut harmoniert er auch mit Wild, Käse, Geflügel und Braten. Der Portugieser ist, nach dem Spätburgunder und dem Dornfelder, die drittwichtigste Rotweinrebsorte in Deutschland. Die Anbaufläche liegt bei fast 2700 ha, das sind etwa 2,6 Prozent der deutschen Rebflächen. Dabei gibt es regionale Schwerpunkte des Portugieseranbaus: in der Pfalz ist er mit 1300 ha, in Rheinhessen mit 1100 ha, in Württemberg mit 117 ha und an der Ahr mit besagten 16 ha vertreten. Die Daten wurden 2019 vom Statistischen Bundesamt veröffentlicht.

Ob süffiger Sommerwein oder gehobener Rotwein, bei der Rebsorte Portugieser ist beides möglich. Es kommt darauf an, welches Potenzial der Winzer hervorheben möchte. So oder so: Der Anblick eines blauen Portugiesers am Rebstock ist eine Augenweide. Auch an der Ahr.