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Hochwasser-Katastrophe an der Ahr: Experten beraten zu Fragen nach der Flut

Hochwasser-Katastrophe an der Ahr : Experten beraten zu Fragen nach der Flut

Energieagentur und Verbraucherzentrale stellen sich Fragen zu Versicherungen, Sanierung und Wärmeversorgung. Für zahlreiche Probleme lassen sich per Ferndiagnose allerdings zunächst einmal keine Lösungen finden.

Nicht gerade einfach gestaltete sich jetzt eine groß angelegte Online-Informationsveranstaltung der Energieagentur Rheinland-Pfalz, die gemeinsam mit Kooperationspartnern wie der Handwerkskammer und der rheinland-pfälzischen Verbraucherzentrale die Menge der Fragen beantworten sollte, die sich für die Betroffenen der Katastrophennacht ergeben und die Themen wie den Versicherungsschutz, Übergangsheizung und Sanierung der eigenen vier Wände betreffen: Interessierte konnten sich zuschalten oder der Info-Veranstaltung durch Live-Übertragungen in städtische Gebäude in Bad Neuenahr und Sinzig beiwohnen. Dreieinhalb Stunden lang Details und Fachwissen – doch nicht jeder der rund 160 Zuhörer wird dabei die geeignete Lösung für sein Anliegen gefunden haben.

Zehntausende an der Ahr lebende Menschen haben in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli ihr gesamtes Hab und Gut verloren. Besonders dringlich sind für sie die Fragen des Versicherungsschutzes, aber auch der Wärmeversorgung in den anstehenden Herbst- und Wintermonaten. Bei denjenigen, die gerade ihre Häuser und Wohnungen entkernen und sanieren, drängten sich indes spezielle Fragen auf. Beispielsweise dazu, wie lange es dauert, bis die gefluteten Räume wieder trocken sind und wiederhergestellt werden können, ob der Ahrschlamm dort möglicherweise giftige Substanzen hinterlassen hat und welche Heizung sich als Interimslösung besonders empfehlen lässt.

Schnell war klar – und dies zog sich wie ein roter Faden durch die Veranstaltung: Pauschale Antworten und konkrete Hilfestellungen konnten nicht immer gegeben werden. Zu unterschiedlich sind die jeweiligen Ausgangslagen, die individuellen Verträge – beispielsweise mit Versicherern – , die Betroffenheitsgrade, der Schadensumfang, die baulichen Gegebenheiten, die technischen Einsatzmöglichkeiten und die jeweiligen Anforderungen an die Umsetzbarkeit.

■ Elementarversicherung: „Lassen Sie sich bloß nicht ins Bockshorn jagen“, empfahl die Verbraucherzentrale, als es um Elementarversicherungen und die Bereitschaft der Versicherer zur Schadensregulierung ging. Die Rechtsprechung sei da „vielfältig“. Schon lange fordere man eine Versicherungspflicht für alle. Jeder müsse das Recht bekommen, eine solche Versicherung abschließen zu können. Wenig tröstlich waren auch die Aussagen zu der vom Staat gewährten Wiederaufbauhilfe: „Sie werden an einem superguten Großgutachten nicht vorbeikommen, um 80 Prozent der Gesamtschadensumme aus dem Fonds zu erhalten“, so die Prognose.

Es dauert Jahre, bis Wohnräume wieder ganz trocken sind

 Komplizierter wurde es, als es um Fragen zur Wohnraumsanierung ging. Insbesondere die Dauer der erforderlichen Trocknungszeiten war für viele von Bedeutung. „Es dauert Jahre, ehe alles ganz trocken ist“, so eine der Antworten. Die facettenreichen Sanierungsprobleme ließen schnell erkennen, dass auch die zugeschalteten Fachleute rasch an ihre Grenzen kommen können. Vieles mündete in der Empfehlung, doch besser einen Experten vor Ort zu Rate zu ziehen.

Gasleitungen sind schon zum November wieder intakt

■ Wärmeversorgung: Großen Raum nahm die Frage der Wärmeversorgung in den nächsten Monaten ein. Bekanntlich wurde zunächst davon ausgegangen, dass weite Teile des Ahrtals voraussichtlich erst ab März 2022 wieder mit Gas versorgt werden können. Inzwischen konnte hier, wie berichtet, Entwarnung gegeben werden, nachdem die Energieversorgung Mittelrhein (EVM) mitgeteilt hatte, dass man mit dem Neuaufbau der in der Flutnacht komplett zerstörten Gasleitungen wohl sehr viel früher – nämlich bereits im November – fertig sein wird, sodass dann doch zur Frostperiode wieder wärmende Energie in die Häuser fließen wird.

Radiatoren und Flüssiggas sind mit hohen Kosten verbunden

Vorsorglich wurden jedoch Interimslösungen durchdekliniert: Ob Heizlüfter,  Radiatoren oder Luft/Luft-Wärmepumpen (jeweils „hohe Betriebskosten“), ob Elektro-Thermen („sehr hohe Betriebskosten“), Einzelöfen („niedrige Betriebskosten“), Flüssiggas („nicht billig“) oder Infrarot-Heizung („sehr teuer“)  – unter dem Strich blieb der wohlgemeinte Rat, sich individuell beraten zu lassen, zumal die Auskunft gebenden Experten ihre Zuhörer schnell mit Fachwissen überhäuft haben.