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Flutkatastrophe Ahrweiler: Krisenstab soll vor dem Hochwasser gewarnt worden sein

Flutkatastrophe im Kreis Ahrweiler : Landrat bezeichnet Vorwürfe als deplaziert und geschmacklos

Der verantwortliche Krisenstab im Kreis Ahrweiler wurde rechtzeitig vor einem möglichen Hochwasser bis zu sieben Metern gewarnt - dies legen Medienberichte nahe. Hätten die Anwohner früher evakuiert werden müssen?

Das mögliche Ausmaß der Flutkatastrophe war dem Krisenstab des Landkreises Ahrweiler laut Medienberichten offenbar bekannt. Nach Informationen der FAZ seien die verantwortlichen Personen vor der Hochwasserflut mehrfach gewarnt worden. Neben online veröffentlichten Informationen seien auch mehrere automatisierte E-Mails des zuständigen Landesamts für Umwelt beim Krisenstab eingetroffen. Diese hätten mitunter vor einem möglichen Pegelstand von fast sieben Metern gewarnt, erklärte ein Sprecher des Landesamtes gegenüber der FAZ. Evakuierungen nahm der Kreis trotz der angekündigten Gefahrenlage zunächst nicht vor. Auch der Katastrophenfall wurde erst am späten Abend ausgerufen.

Warnung vor Hochwasser besonderen Ausmaßes

Ohne Vorwarnung wurden die meisten Menschen von der enormen Menge des Hochwassers vollkommen überrascht. Dabei hatte das Landesamt bereits gegen Mitte des Vortages Prognosen veröffentlicht, die den Hochwasserpegel der Überflutung von 2016 noch übersteigen sollten.

Der für den Katastrophenschutz verantwortliche Landrat des Kreises Ahrweiler, Jürgen Pföhler (CDU), berief sich in einer Erklärung zu den zunächst ausgebliebenen Evakuierungen auf eine Korrektur des Landesamts, das den zu erwartenden Pegelstand zwischenzeitlich nach unten setzte. Wenig später hob das Landesamt diese Korrektur jedoch wieder auf und informierte die Kreisverwaltung nach Informationen der FAZ um 21.26 Uhr direkt über den zu erwartenden Pegel von 6,90 Meter. Das Ausrufen des Katastrophenfalls sowie eine Teil-Evakuierung wurden jedoch erst nach 23 Uhr umgesetzt – für viele Menschen zu spät.

Die Verantwortlichkeit der Einsatzleitung in der Nacht des Hochwassers hatte laut einem Sprecher des rheinland-pfälzischen Innenministeriums bei der Kreisverwaltung gelegen. Diese müsse nun die Frage beantworten, warum die betroffenen Bereiche trotz der Warnungen nicht früher evakuiert wurden.

Der diesen Vorwürfen ausgesetzte Landrat Pföhler sagte dem General-Anzeiger: „Gegenseitige Schuldzuweisungen sind völlig deplatziert, geschmacklos und verkennen den Ernst der Lage.“ Absolute Priorität habe jetzt die Sicherung der Grundversorgung der von der Flutkatas­trophe betroffenen Menschen. „Zurzeit kann niemand im Bund, im Land oder im Kreis seriös die Fragen nach Verantwortlichkeiten beantworten“, so Pföhler. Dies müsse später „sehr sorgfältig aufgearbeitet werden“, um für künftige Großschadenslagen gewappnet zu sein.

 „Für mich steht schon jetzt fest, dass alle vorhandenen Warn- und Alarmierungssysteme auf diesen nie dagewesenen Tsunami technisch nicht vorbereitet waren“, so der Landrat des Kreises Ahrweiler. Beispielsweise könnten im nördlichen Rheinland-Pfalz lediglich die Feuerwehren alarmiert werden, nicht aber die Bevölkerung auf direktem Wege.

In der öffentlichen Diskussion werde auch viel zu wenig herausgestellt, „dass unsere Katastrophenschutzeinheiten Übermenschliches geleistet  und in den dramatischen Stunden teilweise unter Einsatz ihres Lebens und bei eigener Betroffenheit viele Hundert Menschen gerettet haben“, sagte der Landrat, der nach GA-Informationen selbst heimatlos geworden ist. Pföhler lebt derzeit in einer Notunterkunft: Sein Haus in Ahrweiler wurde von der Flutwelle völlig zerstört.