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Flutkatastrophe in Ahrweiler: Helfer im Einsatz

Freiwillige im Hilfseinsatz in Ahrweiler : „Bei aller Tragik - am Ende siegt die Menschlichkeit“

Baumpfleger Marc Neunkirchen und seine Mitarbeiter sind im Hilfseinsatz in Ahrweiler. Die Königswinterer unterstützen zusammen mit vielen weiteren Freiwilligen die Feuerwehrkräfte, räumen Straßen frei und versorgen selbstständig sogar Verletzte - denn die Lage ist noch immer katastrophal und unkoordiniert.

Marc Neunkirchen ist eine echter Macher. Seit Stunden ist der Inhaber eines Baumpflegeunternehmens aus Königswinter mit seinen Mitarbeitern im Dauereinsatz in Ahrweiler. Den Ort hat es bekanntlich besonders hart getroffen, als vor vier Tagen die Region vom Jahrhunderthochwasser getroffen wurde. Zufahrtsstraßen zu dem Ort sind komplett abgeriegelt. Und die Lage ist noch immer katastrophal vor Ort. Koordinierte Rettungs- und Hilfseinsätze? Laut Neunkirchen, der auch Feuerwehrmann in Königswinter ist, sei man davon in Ahrweiler noch meilenweit entfernt. Und deshalb hat sich der Königswinterer entschieden, nach Absprache mit einem befreundeten Feuerwehrmann aus Ahrweiler kurzerhand mit einem eigenen Hilfskonvoi mit acht Fahrzeugen, Baggern, Aggregaten, Räumgeräten und mehreren Mitarbeitern an die Ahr zu fahren.

Er und seine Jungs helfen dort, wo Hilfe benötigt wird. Vor allem den Feuerwehrkollegen vom Löschzug Ahrweiler greifen die Königswinterer unter die Arme und sprechen sich auf dem kurzen Dienstweg mit den Einsatzkräften vor Ort ab. „Mit dem von der Leitstelle bin ich mittlerweile per Du“, sagt Neunkirchen.

Unterstützung oder koordinierte Ansagen von Seiten der Stadt, wo als nächstes geholfen werden müsste, gebe es laut Neunkirchen dagegen nicht. „In der Innenstadt und der Altstadt sind praktisch keine Hilfskräfte zu sehen“, so der Baumpfleger im Gespräch mit dem GA. „Und auch die Verwaltung ist komplett weg.“ Mittlerweile werde zumindest eine Art Einsatzleitstelle aufgebaut. Ab wann jedoch dort eine Koordinierungsarbeit aufgenommen werden kann, ist unklar.

Und so machen die Königswinterer Helfer einfach weiter. Den ganzen Samstag lang kümmern sie sich darum, Seitenstraßen des Ortes von Geröll und Schlamm zu befreien. „Das ging wirklich gut mit unserem kleinen Gerät, denn großes Schwerstgerät wäre hier nicht weit gekommen.“ Dabei räumten Neunkirchen und sein Team etliche Autos weg, reinigten Bäche und lösten Verstopfungen. Ganz nebenbei wurden noch acht Verletzte erstversorgt - von starker Kopfverletzung über gebrochene Beine bis hin zur gebrochenen Nase. Dabei kommt den Verwundeten zugute, dass Neunkirchen und einige seiner Mitarbeiter auch Feuerwehrleute sind und sich mit Erster Hilfe bestens auskennen.

 Die Spuren des Hochwassers sind in Ahrweiler überall zu sehen.
Die Spuren des Hochwassers sind in Ahrweiler überall zu sehen. Foto: privat

Neben Neunkirchen und seinem Team sind weitere private Baufirmen, Gartenlandschaftsbauern und Maschinenhändler in Ahrweiler im Einsatz, die alle ihre Hilfe angeboten haben und sogar Geräte für die Einsatzkräfte zur Verfügung stellen. „Diese Absprachen gehen praktisch blind“, zeigt sich Neunkirchen begeistert von dem Engagement seiner Kollegen. „Wenn ich mal eben einen Radlader brauche, kann ich den einfach anfordern und reinschicken - und dann fährt der auch los.“

Und weitere Hilfe kündigt sich bereits an: „Wir haben schon jetzt hier so was wie einen Schippentourismus.“ Etliche freiwillige Helfer stünden schon parat oder hätten sich für Sonntag angekündigt.

Ihre Station haben die Königswinterer derweil bei einem Landwirt in Ahrweiler auf einem kleinen Hang einrichten können. „Dort können wir unsere Fahrzeuge sortieren und unseren Einsatz koordinieren“, erklärt Neuinkirchen.

Wie dramatisch die Lage vor Ort ist, zeigt sich auch daran, dass Neunkirchen mittlerweile Notrufe auf seinem Handy empfängt: „Mich rufen die Leute an, wenn sie dringend einen Bagger irgendwo brauchen - das ist wirklich krass.“

Mit einem seiner Kompaktlader war der Helfer am Samstagmorgen auch für die Ahrweiler Feuerwehr im Einsatz, um Habseligkeiten und Geräte der Einsatzkräfte aus der zerstörten Feuerwache herauszuholen. „Wir sind mit dem Gerät in die Fahrzeughalle durch Schlamm und Wasser gefahren und haben noch einige Dinge retten können“, so Neunkirchen. Darunter auch einen echten Schatz: „Wir konnten tatsächlich die Chronik des Löschzuges von 1880 aus dem Gebäude retten.“

Genau solche Momente und die unendliche Kameradschaft sowie Hilfsbereitschaft der Menschen würden ihn und seine Kollegen stets auf Neue motivieren, weiter zu machen - auch, wenn die Kräfte der Helfer mittlerweile schwinden. „Bei aller Tragik - am Ende siegt aber die Menschlichkeit“, sagt Marc Neunkirchen. „Und morgen sind wieder wieder hier und machen weiter.“