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Flutkatastrophe: Kreis Ahrweiler löste Signal für Warnapp Nina nicht aus

Warnungen an Bürger in der Katastrophennacht : Kreis Ahrweiler löste das Signal für Warnapp Nina nicht aus

Das modulare Warnsystem (Mowas) des Bundes speist die Warnapp Nina und informiert damit die Bevölkerung über Gefahrenlagen. Protokolle zeigen, dass es in der Flut-Nacht vom 14. Juli vom Einsatzstab des Kreises nicht bedient wurde.

Die Einsatzleitung der Kreisverwaltung Ahrweiler hat am Abend des 14. Juli kein Signal über das modulare Warnsystem Mowas abgesetzt, das unter anderem die Warn-App Nina „füttert“. Das zeigen Protokolle des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), das das System und die Software von Mowas betreut. Darüber werden nicht nur die Gefahren- und Warnmeldungen für die Nina-App ausgelöst. Auch weitere Ausspielkanäle wie Medien, Radiosender oder auch die Anzeigentafeln der Deutschen Bundesbahn, können im Katastrophenfall individuell ausgewählt und mit Nachrichten bespielt werden. Auslösen müssen das Signal die jeweiligen Leitstellen der Länder, Kommunen oder Gemeinden – zur Gefahreninformation bis hin zur Warnmeldung.

Nachweislich hat der Krisenstab der Kreisverwaltung Ahrweiler am Abend der Flutkatastrophe am 14. Juli davon keinen Gebrauch gemacht. Das BBK listet im Zusammenhang mit der Hochwasserlage in Deutschland alle 288 Warnmeldungen, Aktualisierungen und Entwarnungen im Zeitraum vom 12. bis 19. Juli auf, die über das Modulare Warnsystem versendet wurden. Auch Meldungen aus Rheinland-Pfalz aus der Katastrophennacht sind hier dokumentiert, beispielsweise aus Trier, nicht aber aus Bad Neuenahr-Ahrweiler oder der angeschlossenen Leitstelle in Koblenz.

Schon über die Eingabefelder „Beschreibung der Warnmeldung“ oder „Handlungsempfehlungen“ können die Leitstellen in den Ländern wichtige Informationen an die Bevölkerung kommunizieren. Über die Nina-App oder auch, teilweise vertraglich zur Meldung verpflichtet, über Radiostationen, können dann sehr konkrete Anweisungen an die Bewohner eines bestimmten Gebiets erfolgen, wie beispielsweise der Hinweis, im Hochwassergebiet alle elektronischen Geräte abzustellen.

Mowas-System wurde ursprünglich für den Kriegsfall entwickelt

Marianne Suntrup von der Pressestelle des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe erklärt die komplexen Verantwortlichkeiten so: „Das Land, also das BBK, stellt mit Mowas nur die technische Warninfrastruktur.“ Sie wurde für den Zivilschutz, also zum Einsatz im Kriegsfall, entwickelt. Da sich das System aber genauso gut für den Katastrophenschutz eigne, der in Deutschland Ländersache ist, habe man es diesen frei zur Verfügung gestellt. Warum es nicht genutzt wurde, dazu kann die Sprecherin nichts sagen. In jedem Fall sei es ein satellitenbasiertes und damit ausfallsicheres System. Theoretisch sei ein Ausfall auch hier möglich, darüber sei dem Amt für den Abend des 14. Juli jedoch nichts bekannt.

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