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Flutkatastrophe: Zahl der Vermissten deutlich gesunken

Situation im Katastrophengebiet : Zahl der Vermissten an der Ahr deutlich gesunken

Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) sprach am Montag von noch 74 vermissten Menschen. Der größte Teil von ihnen wird unter den noch nicht identifizierten Leichen vermutet.

Die Zahl der Vermissten im Katastrophengebiet an der Ahr ist deutlich gesunken. Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) sprach am Montag von noch 74 vermissten Menschen. Der größte Teil von ihnen wird unter den noch nicht identifizierten Leichen vermutet. Von den bisher gefundenen 132 Toten konnten 68 zweifelsfrei identifiziert werden, 64 Leichen sind bislang noch nicht identifiziert. Aufgebahrt werden die Toten derzeit in zwei rheinland-pfälzischen Krematorien sowie in der Feuerwehr- und Katastrophenschutzakademie in Koblenz. Was der Innenminister auch nicht ausschloss, ist, dass Menschen durch die Strömung bis in den hochwasserführenden Rhein geschwemmt wurden. Man habe die Wasserschutzpolizei entsprechend sensibilisiert.

Lewentz betonte, er sei derzeit täglich im Katastrophengebiet unterwegs, zumeist im sehr stark betroffenen Bereich der Verbandsgemeinde Altenahr. Dort ist neben großen Schäden in den Dörfern auch die komplette Verwaltungsinfrastruktur zerstört. Aktuell in der Planung ist der Aufbau einer Verwaltung in einer Containerlösung. Auch soll die Verbandsgemeindeverwaltung mit Personal aus anderen Kommunen unterstützt werden. Damit die Menschen, die mit ihrem Hab und Gut vielfach auch sämtliche Papiere verloren haben, wieder die zur Vorlage bei Banken oder Versicherungen benötigten Identitätsdokumente erhalten, planen Bundesdruckerei und andere Behörden den Einsatz von Servicebussen, in denen vorläufige Papiere ausgestellt werden können. Auch die im September anstehenden Bundestagswahlen könnten in solchen Servicebussen durchgeführt werden, aber daran denken die betroffenen Menschen noch gar nicht. „Viele haben alles verloren und im Hinblick auf ihre Zukunft nur noch Fragezeichen im Kopf“, so der Innenminister.

Aber die Krise schweiße die Menschen auch zusammen, es bildeten sich neue Freundschaften zu den Helfern aus der ganzen Republik. Besonders angetan zeigte sich Lewentz von der Situation in Mayschoß, das tagelang von der Außenwelt abgeriegelt war. „Ich habe dort einen Bürgersinn erlebt, wie es für mich gar nicht vorstellbar war. Das nötigt mir die größte Bewunderung ab“, geriet der Minister bei der täglichen Pressekonferenz regelrecht ins Schwärmen.

Unter den freiwilligen Helfern sind auch viele junge Menschen

Auch die Tatsache, dass unter den freiwilligen Helfern eine Vielzahl junger Menschen sei, bewunderte Lewentz und berichtete von der Jugend einer Kölner Kirchengemeinde, die einen Friedhof komplett aufräumte oder von Schülern der Insel Nonnenwerth, die in Ahrweiler Keller vom Schlamm befreiten. Dass es gerade zu Beginn der Rettungsaktion auch viele Fehler, vor allem in der Kommunikation, gab, verschweigt der Innenminister nicht. „Aber einen solchen Katastropheneinsatz hat die Bundesrepublik auch noch nicht erlebt. Das war nahe an einem Tsunami“, so Lewentz. Dass ein solches Ausmaß von niemandem erwartet werden konnte, machte er nochmals deutlich. Dennoch oder gerade deswegen müsse es nun eine komplette Aufarbeitung der Abläufe geben.

Die Innenministerkonferenz werde das Thema, wo im Land solche Katastrophen zu erwarten seien und wie man damit künftig umgehe, sehr sorgfältig zu behandeln haben. Unterdessen laufe die Schadensermittlung an. Lewentz vermutet, dass die Schäden insgesamt höher sind als beim Elbhochwasser von 2013. Damals war ein nationaler Aufbaufonds ins Leben gerufen worden, die Schäden beliefen sich auf rund acht Milliarden Euro.

Unterdessen konzentrierte sich der Einsatz nun zwei Tage lang darauf, den Müll aus den betroffenen Gebieten auf die Deponien vornehmlich der Landkreise Ahrweiler und Mayen-Koblenz zu transportieren. Die Müllberge seien deutlich kleiner geworden, resümierte die Vizepräsidentin der ADD, Begoña Hermann. Sie wies noch einmal auf die Wichtigkeit der Präsenz der vielen privaten Helfer im Einsatzgebiet hin und bat diese, zur Anreise in die Ortschaften die angebotenen Shuttlebusse zu nutzen.