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Hochwasser an der Ahr: Grundschüler saßen in Jugendherberge fest

Hochwasser an der Ahr : Grundschüler saßen in Jugendherberge fest

Das Hochwasser der Ahr hat zwei Schulklassen mächtig in die Bredouille gebracht. Grundschüler aus Niederkassel und Gerolstein saßen bis Freitagnachmittag in der Naturschutzjugendherberge Altenahr fest.

Diese ist nur über eine Betonfurt zu erreichen. Doch dieser Ahrübergang war ebenso wie die Zuwegung vom Ort her noch überflutet. Die Rettung erfolgte gestern Nachmittag mit Hilfe der Feuerwehr unter Leitung von Frank Linnarz über den Berg nach Altenburg.

„Wir haben hier zurzeit fast 70 Menschen im Haus“, berichtete Betriebsleiterin Angela Monetto am Morgen im Telefonat mit dem General-Anzeiger. Acht Lehrer und 55 Schüler hatten die Nächte zu Donnerstag und Freitag quasi mit Monetto auf einer Insel verbracht. Denn das Personal konnte die Herberge nicht erreichen.

Erst am Freitagmorgen gelang es dem Hausmeister, über den Berg von Altenburg aus zur Jugendherberge zu kommen, gemeinsam mit zwei Feuerwehrleuten. Monetto: „Die Feuerwehr hat uns zunächst verboten, über den Berg zu evakuieren. Zuerst musste der Weg geprüft werden.“ Notfalls müsse eben gewartet werden, bis die Furt wieder passierbar sei.

Das sah am Morgen Verbandsbürgermeister Achim Haag ähnlich. Für ihn war der Weg über den Berg zu diesem Zeitpunkt „für die Kinder zu rutschig“. Da sei für die Eingeschlossenen „Geduld angesagt“, denn „wir wollen kein Risiko eingehen“.

An Verpflegung mangelte es in der Jugendherberge am gestrigen Freitag noch nicht. „Die Brötchen zum Frühstück haben wir gemeinsam gebacken“, berichtet Monetto. Die Stimmung sei „weniger dramatisch als die Lage“. Letzteres bestätigt auch Lehrerin Christiane Sechser aus Niederkassel am Morgen: „Die Kinder haben die Lage bisher gut weggesteckt. Nur, wenn wir hier weiter festsitzen, kriegen ein paar Kinder bestimmt Heimweh.“ Kinder und Lehrer wollten schnellstmöglich nach Hause.

Das Verlassen der Herberge machte Altenahrs Wehrleiter Stephan Knieps möglich. Er hatte am Mittag mit Lehrern die Strecke über den Berg nach Altenburg auf die Begehbarkeit für die Schulkinder getestet. Kurz nach zwölf Uhr stand fest: „Wir gehen.“ Am frühen Nachmittag marschierten die Kinder dann im Gänsemarsch mit Lehrern und unter Absicherung durch Feuerwehrleute über den Berg zur Ahrtalschule, wo die Busse warteten. Und es setzte ein dickes Lob von Christiane Sechser: „Die Feuerwehr mit Stephan Knieps hat alles getan, um uns zu helfen.“ Und was sagten die Kinder? „Spannend, das sind Abenteuerferien.“

Aufatmen auch bei Angela Monetto. Sie brauchte sich nicht mehr um die Verpflegung zu sorgen, für die im Notfall von der Feuerwehr eine Kette über den Berg eingerichtet worden wäre. Die Betriebsleiterin bleibt derweil allein in der Jugendherberge und hält die Stellung.

Eine Bilanz gab es gestern aus Adenau. „Mehr als 140 Kräfte der Feuerwehren der Verbandsgemeinde haben bei 86 Alarmierungen 132 Einsätze abgearbeitet. Hochwasser an Ahr und Trierbach haben unsere Freiwilligen 27 Stunden lang auf Trab gehalten“, berichtete Feuerwehrsprecher Andreas Solheid und dankte für schnelle und auch überregionale Hilfe. So waren Pumpen aus Koblenz nach Adenau gebracht worden, Sandsäcke kamen von der Bonner Berufsfeuerwehr. Schadenshöhen konnten weder für Adenau noch die weiteren Kommunen beziffert werden.

In der Verbandsgemeinde Altenahr waren die am Donnerstagabend schon begonnenen Aufräumarbeiten gestern weitergegangen. Wehrchef Frank Linnarz sprach von Hunderten von Einsätzen: „In Spitzenzeiten waren wir mit 250 Mann auf den Beinen.“

Bis auf Reimerzhoven, wo die Spundwand noch entfernt werden musste, waren am Morgen alle Sperrungen aufgehoben worden. In Mayschoß befreiten am Nachmittag Wehrleute mit Hilfe eines Baubaggers und einiger Stahlseile die Fußgängerbrücke. Denn dort hatten sich Massen von Treibgut verfangen. In den Weinbergen neben der Ahr standen die Rebstöcke fast einen Meter hoch im aufgestiegenen Grundwasser, Gaststätten, Ladenlokale und auch Privathäuser an der Ortsdurchfahrt Dernau waren noch mit Barrieren aus Sandsäcken versehen. Auch dort surrten die Pumpen. Die der Kreisstadtfeuerwehr waren in Walporzheim und an der Ahrweiler Ahrallee im Einsatz. Denn auch dort waren Keller vollgelaufen.

Zum Hochwasser meldete sich gestern Mittag auch das Sinziger Rathaus. Dieses hat die Radwege an Rhein und Ahr komplett für die Öffentlichkeit gesperrt. Eine Maßnahme, die auch über das Wochenende beibehalten wird. Für den heutigen Samstag kündigt der Kreis in den betroffenen Kommunen eine Sonder-Sperrmüllabfuhr an. Auch werden alle Arten von Müllsäcken mitgenommen.