1. Region
  2. Ahr & Rhein
  3. Bad Neuenahr-Ahrweiler

Containerdorf zieht in die Grafschaft: Helfer-Zwist in Walporzheim kocht hoch

Containerdorf zieht in die Grafschaft : Helfer-Zwist in Walporzheim kocht hoch

Eine Auseinandersetzung des Fuldaer Gärtners und Fluthelfers Wilhelm Hartmann mit den Behörden zieht weite Kreise. Es geht dabei um Klärungs- und Finanzierungszusagen.

 In vielen der von der Unwetterkatastrophe Mitte Juli betroffenen Ortschaften an der Ahr haben sich private Hilfsorganisationen gegründet. Dahinter stehen Vereine, Einzelpersonen oder Gruppen, die sich oft genug erst vor Ort kennenlernten. Höchste mediale Aufmerksamkeit genießen die Helfer der ersten Stunde in Walporzheim, weil dort vor allem der Kölner Lohnunternehmer Markus Wipperfürth und der Fuldaer Gärtner Wilhelm Hartmann mit ihren Smartphones das tägliche Tun zumeist live in den sozialen Medien, vor allem bei Facebook, präsentieren. Ihre Filme sehen Zehntausende von Menschen.

3000 Kommentare auf Facebook und Beschimpfungen der Politik

Hartmann ist mit seinem großen Unternehmen, Personal und Maschinen vor Ort und hat in Walporzheim mittlerweile auf eigene Faust eine große Hilfsinfrastruktur geschaffen. In einem 1 300 Quadratmeter großen Festzelt werden gespendete Baustoffe verschenkt, mittlerweile wurde der Wert von mehr als zwei Millionen Euro überschritten. Zudem ließ der Gärtner ein Containerdorf errichten, in dem Handwerker und andere Helfer Unterschlupf finden. Konkrete Absprachen mit Behörden gab es vor den Baumaßnahmen in Walporzheim wohl nicht, aber der Unternehmer fordert seit Wochen eine Übernahme der Kosten. Zelt und Container sind gemietet und verursachen laufende Kosten. Aktuell geht es um rund 250.000 Euro, die der Gärtner aus eigener Tasche vorfinanzierte.

Immer wieder gab es Klärungs- und Finanzierungszusagen von politischer Seite aus Kreis, Land und Bund. Trotzdem passierte nichts, dem Fuldaer Gartenbaubetrieb droht eine wirtschaftliche Schieflage. Nach dem Rückzug der ADD und ihres Krisenstabs hätte die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler als Auftraggeber zahlen sollen, letztlich nahm sich dann der Kreis der Sache an, da das Hilfsdorf dem gesamten Ahrtal zugutekommt.

Als Hartmann eine Mail aus dem Kreishaus am Freitag als Absage an seine Forderungen verstand und den Rückzug aus dem Ahrtal ankündigte, drohte die Situation zu eskalieren. In fast 3000 Kommentaren bei Facebook auf Hartmanns Ankündigung gab es wüste Beschimpfungen in Richtung Politik und Verwaltung. Aufgerufen wurde etwa zu Demonstrationen und der sofortigen Einstellungen sämtlicher privater Hilfe.

Hartmann will seine Arbeit im Innovationspark fortführen

Am Samstagmorgen gab es dann Entwarnung und eine wohl finale Einigung zwischen dem Ersten Beigeordneten des Kreises, Horst Gies, und Wilhelm Hartmann. Demzufolge sollen zumindest Abschlagszahlungen an den Gärtner fließen und die offene Summe beglichen werden. Hartmann kündigte daraufhin die Fortführung seiner Arbeiten im Ahrtal an. Aus Walporzheim wird sich die Organisation aber verabschieden. Das Helferdorf wird nach Worten von Thomas Pütz vom Helfer-Shuttle in den Innovationspark Rheinland in der Grafschaft umziehen und sich mit dem Stützpunkt des Helfer-Shuttles vereinen. Infrastrukturelle Gegebenheiten für Wasser, Abwasser und Strom würden aktuell geprüft, bestätigte Pütz.

Diese Informationen gab es für Dutzende freiwilliger Helfer aus erster Hand in Walporzheim, wo eigentlich die Übergabe einer geschnitzten Hartmann-Statue als Dankeszeichen geplant war, was aufgrund der aktuellen Entwicklung aber zweitrangig blieb.