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Hochwasser an der Ahr: Wie das Rote Kreuz Helfer und Opfer im Katastrophengebiet versorgt

Flutgebiet an der Ahr : Wie das Rote Kreuz Helfer und Opfer im Katastrophengebiet versorgt

Im Bad Neuenahrer Kurviertel hat die Flut große Schäden angerichtet, manche Gebäude sind komplett zerstört. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) betreibt hier weiterhin ein Verpflegungszelt, in das jeder zum Mittagessen kommen kann.

Vor dem weißen Zelt an der Mittelstraße hat sich um kurz vor eins eine lange Schlange gebildet. Handwerker in farbbefleckten Schutzanzügen gesellen sich zu Anwohnern des Kurviertels, allesamt mit hungrigen Blicken, die ungeduldig die Mittagszeit herbeisehnen.

Vor einem DRK-Fahrzeug stehen zwei Helfer mit Westen, rauchen noch schnell eine Zigarette. Einer von ihnen ist Shafiq Sahiri, selbst betroffen von den schwerwiegenden Flutschäden im Bad Neuenahrer Kurviertel. Er deutet in Richtung des Ahrufers, dort wohne er. „Aber Rumsitzen bringt ja nichts“, befindet Sahiri.

Entspannte Stimmung beim Mittagessen

Stattdessen gibt er mit seinen Mithelfern jetzt jeden Tag zirka 450 Portionen Essen aus, das mittlerweile von einem Caterer zugeliefert wird. Um 13 Uhr geht es los, die Schlange setzt sich in Bewegung. Sahiri und seine Kollegen haben sich an den Ablauf gewöhnt: Einer gibt das Fleisch auf die Pappteller, der nächste die Klöße, der dritte Sauerkraut und Soße.

Im Zelt herrscht schnell eine gelöste Atmosphäre. Dicht an dicht sitzen die freiwilligen und die fachkundigen Aufräum- und Aufbauhelfer an drei Biertischgarnituren, lachen miteinander, machen sich über das kräftigende Essen her. Jeder ist hier willkommen, die Essensausgabe wird zum Treffpunkt und zur Kontaktbörse.

Es gibt für jeden etwas

Während der Mittagszeit macht Max Boos das „Mädchen für alles“: Der DRK-Einsatzleiter sorgt dafür, dass alle versorgt werden mit Essen und Getränken, und kooperiert dafür auch mit anderen Verpflegungsstellen in Bad Neuenahr. „Wir sind eigentlich gut aufgestellt momentan“, berichtet der 21-Jährige, „mit sieben Stellen haben wir genug Anlaufpunkte.“

Bis 15 Uhr wird in der Regel Essen ausgegeben. „Aber da sind wir nicht kleinlich. So lange wir was haben und die Leute was möchten, gibt es auch was zu Essen.“ so Boos weiter. Wenn alles verteilt wurde, aber immer noch Menschen anstehen, wird etwas von anderen Stationen geholt, oder die Hungrigen werden selbst dorthin verwiesen.

Ehrenamtliche Arbeit im Katastrophenschutz

Max Boos ist seit Anfang Oktober wieder vor Ort, nachdem er in den ersten zwei Wochen nach der Flutnacht direkt als Koordinator in der Hochwasserhilfe eingesetzt war. Von seinem eigentlichen Job, dem Durchführen von Impfungen gegen Covid-19, wurde er dafür freigestellt.

Die Arbeit im Katastrophenschutz ist für Boos ehrenamtlich. „Es gibt da nicht die eine Ausbildung für Hochwasser- und Katastrophenschutz“, erzählt er vorm Verpflegungszelt in Bad Neuenahr. „Das ist viel Learning by Doing. Aber es gibt auch begleitende Seminare.“ Der Einsatz im Flutgebiet sei natürlich sehr anstrengend.

Gemeinschaft inmitten des betroffenen Gebietes

„Aber man sieht, dass man hilft. Wenn Betroffene sich über eine warme Mahlzeit freuen, und dass sie vor Ort mit jemandem reden können, dann ist das doch auch schön.“ Es geht hier nicht nur ums Essen, sondern auch um Austausch und Gemeinschaft. Und darum, auf kurzen Wegen gegenseitige Unterstützung zu finden.

Das weiße Zelt ist schnell voll besetzt, auch unter dem Pavillon an der Ecke Kurgartenstraße haben weitere Gäste Platz gefunden. Andere eilen mit dem gefüllten Teller davon, um vor dem herannahenden Regen Unterschlupf zu finden. Und auch Max Boos muss wieder an die Arbeit — noch wird die Schlange nicht kürzer.