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Hochwasser im Ahrtal: Bundespräsident Steinmeier besucht Bad Neuenahr-Ahrweiler

„Wir vergessen euch nicht“ : Bundespräsident Steinmeier besucht das Ahrtal

Der Geruch von feuchtem Mauerwerk liegt in der Luft. Die Geschäfte in Ahrweiler zeigen die Spuren der Verwüstung. Aber beim Besuch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Ahrtal gibt es auch Zeichen der Hoffnung.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat am Sonntag das Ahrtal besucht. In Mayschoß sprach er mit von der Flut Mitte Juli betroffenen Winzern, auf der Grafschaft mit freiwilligen Helfern. Erste Station war jedoch Ahrweiler. An der Behelfsbrücke, wo früher die Ahrtorbrücke stand, machte sich Steinmeier mit der stellvertretenden Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Anne Spiegel (Grüne), und dem Ersten Kreisbeigeordneten Horst Gies (CDU) ein Bild vom noch immer mit Trümmern übersäten Ufer der Ahr. Beim anschließenden Gang durch die Altstadt mit ihren vielen zerstörten Geschäften und Restaurants wurde dem Staatsoberhaupt vor Augen geführt, wie hoch das Wasser dort während der Flut stand: zweieinhalb Meter.

Auf dem Marktplatz ging Steinmeier spontan auf den Stand der privaten Initiative „Heute für morgen“ zu und sprach mit der Helferin Tamara Segers aus Havixbeck bei Münster, die dort mit ihrem Mann und Freunden einen ständigen Anlaufpunkt für praktische Hilfe und Gespräche bei Kaffee und Kuchen eingerichtet hat. Sie habe sich über das unerwartete Gespräch mit Steinmeier gefreut, sagte Segers. „Den Menschen ist es wichtig, dass sie nicht vergessen werden.“

Im benachbarten Pfarrbüro der Kirche St. Laurentius traf sich der Bundespräsident mit zwei Ehepaaren, die in der Flut Angehörige verloren haben. Auf dem weiteren Weg wurde er von Bewohnern begrüßt und ins Haus gebeten.

Mut machen ist wichtig

„Es war wichtig, mit den vielen Leidtragenden und Leidgeprüften zu sprechen und zu versichern: Wir vergessen euch nicht“, sagte Steinmeier später. Das Maß der Zerstörung werde einem erst richtig klar, wenn man in den Straßen vor Ort einen Blick in die Häuser wirft und mit den Bewohnern spricht. Angesichts der Trauer über die Toten, den Verlust von Haus, Hab und Gut, Dingen, die einem wichtig sind, sei es wichtig, sich immer wieder zu erinnern, sich Mut zu machen.

Aus seinen Gesprächen in Ahrweiler nehme er auch mit, dass es viel Dankbarkeit gebe für die Hilfe, die den Menschen zu Teil geworden ist, überwiegend zunächst von Nachbarn und von Freunden, mehr und mehr aber auch von Menschen, die von weit hergekommen seien. „Wenn wir heute an einem sonnigen Tag durch Ahrweiler gehen, ist die Erinnerung an die Flut überhaupt nicht verblasst. Aber es wird deutlich, wie viel Arbeit noch vor uns liegt bis zum Wiederaufbau dessen, was zerstört worden ist“, sagte Steinmeier. Die Menschen brauchten „ganz viel Kraft“.

Bei den Angehörigen, mit denen er gesprochen habe, stehe die Trauer im Vordergrund. Von Vorwürfen – gegen Landrat Jürgen Pföhler (CDU) ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Tötung angesichts mutmaßlich mangelnder Warnungen vor der Flut – sei wenig zu hören, so Steinmeier. Aber: Natürlich hätten sich viele gewünscht, dass Warnungen noch eher gekommen und beachtet worden wären. Er habe geschildert bekommen, wie Menschen Angehörige buchstäblich „aus der Hand verloren“ hätten. Alle Verantwortlichen auf allen staatlichen Ebenen hätten nun die Aufgabe, dass sich solche Ereignisse nicht wiederholen.

Mit Blick auf die Wärmeversorgung im kommenden Winter sprach Steinmeier von vielen mobilen Gastanks, die er auf seinem Weg gesehen habe. Da mit einem Engpass bei Handwerkern zu rechnen, sei könne niemand langfristige Lösungen versprechen. Über den Winter würden viele provisorische und mobile Lösungen gebraucht.

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(mit Material von dpa)