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Autorin aus Bad Neuenahr-Ahrweiler: Karin Joachims neuer Roman heißt „Großstadtflüstern“

Autorin aus Bad Neuenahr-Ahrweiler : Karin Joachims neuer Roman heißt „Großstadtflüstern“

„Großstadtflüstern“ heißt der neue Roman von Karin Joachim. Die Autorin aus Bad Neuenahr-Ahrweiler versetzt ihre junge Protagonistin Karolina ins Berlin der 1920er-Jahre und die Stummfilmzeit.

Ein Mädchen radelt im Sommerkleid durch Berlin, im Hintergrund die Siegessäule, bekanntes Wahrzeichen der Stadt. Das Mädchen mit dem braunen Haar blickt keck zur Seite, sieht unternehmungslustig aus. Es könnte Karin Joachim sein, die Autorin der Neuerscheinung mit dem fröhlichen nos­talgischen Cover.

„Großstadtflüstern“ zu lesen, heißt Karolina Offermann aus dem Vorgänger „Domschattenträume“ wiederzubegegnen. Man muss ihn aber nicht kennen, um den Neuling zu verstehen. Darin fiebert Karolina aus Köln hin- und hergerissen zwischen Familie und den Verlockungen der Reichshauptstadt ihrer Volljährigkeit entgegen. Im Berlin der Stummfilm-Zeit scheint sich ihr Traum von einer Schauspielkarriere zu erfüllen, bis die Polizei den Tod der Mutter neu aufrollt und Unglaubliches ans Licht bringt.

„Wie kam eine junge Frau überhaupt zum Film?“, sinnierte Karin Joachim, als sie Fotos von Stummfilmzeit-Stars betrachtete. Die Autorin von Sachbüchern, eines Potsdam-Romans, dreier Ahr-Krimis und eines Ahr-Reiseführers stellte fest: „Damit waren der Ausgangspunkt für meine Recherchen und der Dreh- und Angelpunkt meiner Romane rund um die Figur Karolina Offermann gefunden.“

Und der Ortsbezug? „Als gebürtige Rheinländerin habe ich eine besondere Beziehung zu Köln. Meine frühesten Kindheitserinnerungen ranken sich auch um den Dom, die Kölner Museen, das Leben am Rhein. Auch Berlin und das Land Brandenburg spielen in meinen Erinnerungen familienbedingt eine große Rolle.“ Den Stummfilm hat sie vor rund zehn Jahren für sich entdeckt. Seitdem ist sie „ganz begeistert von der Filmsprache, der Technik“. Für „Domschattenträume“ und „Großstadtflüstern“ recherchierte sie in Filmmuseen, vor allem im Filmmuseum Potsdam und in den Filmstudios Babelsberg, wo noch Bauten aus der Frühzeit des Films stehen, in der schon Fritz Lang und andere Größen gedreht haben.

Als Joachim sich mit den 1920ern zu beschäftigen begann, und das „lange, bevor von der Serie ‚Babylon Berlin‘ die Rede war“, wusste sie nicht, dass sie „jemals einen zeitgeschichtlichen Roman über dieses Jahrzehnt schreiben würde“. Doch dann verselbständigte sich etwas: „Plötzlich entstanden Szenen vor meinem inneren Auge, in denen Personen agierten, die ich selbst erdacht hatte“, beschreibt Joachim, wie das Wissen eine Vorstellung auslöst, die sie schriftlich ausarbeitete.

Ihr Roman vereint Krimi und Entwicklungsroman mit Historie und Region. Er liest sich am spannendsten, wo die Aufklärung des Todesfalls ansteht. Während sich die Selbsterkenntnis der Heldin über ihre familiäre Position stetig herauskristallisiert, bleibt sie in der Liebe verhalten. Und sie muss sich nach ersten Schauspiel-Erfahrungen den „trügerischen Glanz der Filmindustrie“ eingestehend und auch beruflich neu sortieren.