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Rosenmontag an der Ahr und am Rhein: Karnevalisten erinnern sich an die vergangene Session

Rosenmontag an der Ahr und am Rhein : Karnevalisten erinnern sich an die vergangene Session

In Zeiten der Pandemie erinnern sich Karnevalisten gerne an bessere Sessionen zurück. Sie nähren die Hoffnung, dass es bald wieder möglich sein wird, gemeinsam zu feiern.

Traurige Clowns, geknickte Funkemariechen, schlecht gelaunte Tanzmajore, miesepetrige Jecke, traurige Narren: In diesem Jahr fallen alle Karnevalsumzüge aus. Ob Weiberdonnerstag, Rosenmontag oder Veilchendienstag: Die Räder der ansonsten stets mit großem handwerklichem Geschick, Eifer und Elan gebauten Prunkwagen stehen an den närrischen Tagen still, die Instrumente der Spielmannszüge bleiben in ihren Schutzhüllen, die Kostüme im Kleiderschrank.

Umso mehr denken die Karnevalisten an Rhein und Ahr an die zurückliegende Session, als die Welt der rheinischen Frohnaturen noch in Ordnung war und der Bazillus Carnevalis noch die Oberhand über das langsam aber sicher einziehende Coronavirus behielt. Dabei standen die Umzüge im vergangenen Jahr auf der Kippe.

Sturmtief Yulia war im Anmarsch und blies gewaltig ins Rheinland. Birgit Beyrodt, Hofdame des Prinzenpaares der KG Schinnebröder in Bad Neuenahr, hatte bereits kräftig Gegenwind, als sie auf den blau-weißen Prunkwagen der Tollitäten kletterte. Prinz Karl I. und Prinzessin Christa I. Schimmel hatten gerade ihre mit Kamelle vollgepackten Säcke auf dem Wagen verstaut, als der Hofdame eine Windböe das Karnevals-Käppchen vom Kopf riss.

Flott trug der aufziehende Sturm das Schiffchen über die Köpfe der bereits am Wegesrand stehenden Narrenschar hinweg. Aufgetaucht ist die Kopfbedeckung bis heute nicht. Da nutzte auch ein Facebook-Aufruf nichts. Ärgerlich für Hofdame Beyrodt. „Ich war trotzdem froh, dass der Zug stattfinden konnte. Der angekündigte Sturm erwies sich glücklicherweise als nicht ganz so schlimm wie anfangs befürchtet“, erinnert sich das Mitglied des Damenkomitees der Schinnebröder.

Sturmtief und Böen

Sturmtief Yulia hatte seine Böen in eine andere Richtung gelenkt, so dass Zugleiter Detlef Zumdiek grünes Licht für den großen Karnevalsumzug geben konnte, der dann mit seinen 45 Gruppen, kleinen und großen Prunkwagen starten konnte. Starker Wind oder laues Lüftchen: Wenn in Bad Neuenahr Karneval auf dem Kalender steht, dann verwandelt sich die Innenstadt so oder so in eine große närrische A(h)rena.

Das galt auch für Kinderprinzessin Emily I., der die frische Brise gerade recht kam: Schließlich hatte sie auf ihrem rollenden Boot alle Segel gehisst und segelte so hart am Wind an den Narren vorbei, die sich über einen wahren Kamelleregen freuen konnten. Attila mit seinen wilden Hunnen war dabei, die Furcht einflößende Gruppe war aus Hemmessen gekommen und erwies sich als weitaus harmloser, als es den optischen Anschein hatte: Der Hunnenkönig und seine ansonsten kriegerischen Gesellen und Schamanen zeigten sich an der Ahr von ihrer rheinisch-friedlichen Seite.

„Freibier for Future“ entgegnete vor einem Jahr eine Gruppe der „Greta-Bewegung“. Devise: Rettet die Erde, es ist der einzige Planet, auf dem es Bier gibt. Die Freibier-Anhänger fanden schnell viele Freunde: Nicht nur am Straßenrand, sondern auch in den Gaststätten der Stadt, die 2020 im Februar ja geöffnet hatten und – wie immer an Karneval – Rekordumsätze abfüllten. Nicht fehlen durfte im Zoch das Maskottchen der Landesgartenschau, Ahrvin. Das merkwürdige Wesen, das gleich nach seiner Geburt in verschiedenen grellen Farbtöpfen gebadet zu haben scheint, sorgte selbst bei als Papageien verkleideten Narren für Staunen.

Überhaupt spielte die 2022 anstehende Landesgartenschau beim Karnevalsumzug 2020 eine große Rolle: Die Schinnebröder hatten ihre kleinen Funkencorps rund um ein „Laga-Feuer“ auf einen Wagen drapiert, andere nahmen den gerade anstehenden Abriss der Konzerthalle aufs Korn oder die gerade vollzogenen Abholzungen im Max-Meier-Park auf die Schippe: Der Park ist inzwischen dem Bau eines Inklusionshotels gewichen.

Und wie jedes Jahr wurde nach dem Umzug kräftig gefeiert: Neben der Post war ein großes Zelt aufgebaut, in dem so geschunkelt, getrunken, gegessen und getanzt wurde, als gäbe es kein Morgen. Dabei wusste man zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass es vorerst ein letztes ausgelassenes gemeinsames Stelldichein der Karnevalisten sein würde. Nun ruhen alle Hoffnungen auf erfolgreichen Impfungen. Nicht gegen das Bazillus Carnevalis – das haben die Narren an Rhein und Ahr unvernichtbar im Blut. Aber gegen das Coronavirus, das ihnen in diesem Jahr hoffentlich zum letzten Mal einen Strich durch die Narrenrechnung gemacht hat.