Sammler-Treffen Kartenliebhaber in Bad Neuenahr-Ahrweiler tauschen ihre Quartette

Bad Neuenahr-Ahrweiler. · Mehr als 80 Sammler aus ganz Europa haben sich in der Jugendherberge in Bad Neuenahr-Ahweiler getroffen. Im Mittelpunkt ihrer Leidenschaft: Quartett-Karten. Ein Raritäten-Quartett kann bis zu 1500 Euro wert sein.

 Quartettsammler unter sich: Klaus Dünker (l.) und Reinhard Kirstein am Stand von Jörg Kentzler aus Heide.

Quartettsammler unter sich: Klaus Dünker (l.) und Reinhard Kirstein am Stand von Jörg Kentzler aus Heide.

Foto: AHR-FOTO

Es ist schon eine eigene kleine Welt, die sich einem so auftut, wenn man die Sphären der Quartettfreunde und -Sammler betritt. Mehr als 10.000 Karten-Quartettspiele dürfte es weltweit geben, glaubt Reinhard Kirstein aus Rheinbach.

Der Senior Mechanical Engineer kennt sich in der Welt der Quartette bestens aus: 2500 der in zumeist rechteckigen Plastikschachteln untergebrachten Spiele hat er. Klar, der Ingenieur ist auf Spiele konzentriert, die sich um Technik drehen. Es gibt aber auch Kartenspiele, die sich um Märchen, Lurchis Abenteuer, um Komponisten, Pilze, Pflanzen oder Gemälde drehen. Unerschöpflich scheint das Reservoir an Ideen zu sein, aus denen Quartette seit rund 150 Jahren entstehen. Meist zum Spiel und Zeitvertreib, oft aber auch mit einem Bildungsauftrag.

Fast immer sind es ansprechende Motive und interessante Fakten, die für den Spielspaß sorgen. Ziel des Spiels ist es, möglichst viele Quartette – also Vierergruppen derselben Farbe - zu sammeln. Dabei können die einzelnen Spieler ihr Wissen über Rennwagen, Feuerwehrmobile, Vögel, Pferde, Katzen, Hunde oder Bäume erweitern. Denn auf den Karten befinden sich auch interessante Fakten rund um die auf ihnen abgebildeten Motive. Auf den Karten genannte Kenngrößen – beim Autoquartett beispielsweise PS-Zahl, Hubraum oder Beschleunigung – können darüber entscheiden, ob man die Karte behalten darf oder ob sie dem Gegenspieler ausgehändigt werden muss, der so vielleicht sein Quartett vervollständigt bekommt.

„Bei fast allen wurde die Leidenschaft, sich mit Quartetten zu beschäftigen, in der Kindheit geboren“, erklärt Klaus Dünker aus Ahrweiler. Der Realschullehrer ist ebenfalls Sammler und gehört zusammen mit Kirstein zu den Organisatoren der Tauschbörse, zu der in die Bad Neuenahr-Ahrweiler Jugendherberge eingeladen wurde.

Sammelkarten werden auch schon mal in Tresoren aufbewahrt

Mehr als 80 Teilnehmer aus ganz Europa waren gekommen, um zu tauschen, zu fachsimplen, zu spielen. Hatten die Sammler in den vergangenen Jahrzehnten oftmals damit begonnen, ihre Quartette in Schuhkartons zu stapeln, im Regal zu drapieren oder im Keller in einen Schrank zu sperren, so sind so manche inzwischen lieber in einem Stahltresor deponiert. Bis zu 1500 Euro kann so ein Raritäten-Quartett inzwischen kosten.

Über das Internet haben sich die Freunde der Quartette gefunden und lose organisiert. Es finden Treffen und Börsen statt. „Die Gemeinde wächst“, meint Reinhard Kirstein. Jeder wolle so ein bisschen seine Kindheit zurück, erklärt er die Quartett-Leidenschaft, die längst schon so etwas wie eine Wissenschaft geworden ist.

So gibt es Fachvorträge über die Geschichte der Quartette, ihre Rolle in den unterschiedlichen Zeitepochen, über die Verlage, die solche Kartenspiele vertreiben, über die veränderten Fototechniken der abgebildeten Motive im Verlauf der Jahrzehnte. Zwei Tage lang herrschte in der Jugendherberge großes Gewusel an den Ständen und aufgebauten Tischen. „Hauptstädte der Welt“, „Das große Tier-Quartett“, „Renn-Pfeile“ mit flotten Flitzern aus vergangenen Jahren, „Pilze im Wald“, „Heiße Öfen“ für Motorrad-Freaks, Quartette aus Spanien, England und Brasilien mit Hubschraubern, Luxus-Karossen, Schiffen, Baumaschinen, mit Bergen, Flüssen, Städten – die Welt der Spiele mit den bunten Motivkarten ist groß und eigen.

In der Jugendherberge gewährte sie zumindest für zwei Tage einen imposanten Einblick.