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Historische Anlage in Bad Neuenahr-Ahrweiler: Kloster Calvarienberg wird zum Wohnquartier

Historische Anlage in Bad Neuenahr-Ahrweiler : Kloster Calvarienberg wird zum Wohnquartier

Ein Projektentwickler will auf dem Gelände des Klosters Calvarienberg für 50 Millionen Euro 130 Wohneinheiten schaffen. Neben Eigentumswohnungen sind auch Reihen- und Mehrfamilienhäuser geplant. Ein Teil der Wohnungen soll im Weinberg entstehen.

„Eine neue Ära bricht an auf dem Calvarienberg, doch die alte Ära wird nicht vergessen“, das verspricht zumindest Bürgermeister Guido Orthen (CDU). Aus dem ehrwürdigen Kloster hoch über dem historischen Ahrweiler soll künftig ein veritables Wohngebiet mit fast 130 Wohneinheiten entstehen – und vielleicht sogar ein Hotel mit 100 Betten. Die Basis dafür ist geschaffen, denn die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler hat gemeinsam mit den Schwestern des Ursulinenklosters einen Rahmenvertrag für das Areal des ehemaligen Klosters Calvarienberg geschlossen und damit einen wichtigen Schritt zur Erhaltung und Entwicklung des geschichtsträchtigen Geländes gemacht.

Vertragspartner ist die Breunig Holding GmbH aus Würzburg, ein erfahrener Projektentwickler für denkmalgeschützte Bauten, der nach eigenen Angaben mehr als 50 Millionen Euro dort investieren möchte und nicht nur das historische Kloster in Eigentumswohnungen umwandeln will. Neu gebaut werden sollen Mehrfamilien- und Reihenhäuser für junge Familien ebenso wie exklusive Wohnungen im Weinberg, zudem will man einen siebengeschossigen „grünen Vermittler“ für Mehrgenerationenwohnen und integrative Wohngruppen errichten. Sogar eine kleine Gewerbezeile sowie ein Restaurant sind geplant.

Schließlich handele es sich bei dem Calvarienberg um mehr als nur ein Gebäude, erinnerte Orthen an die bewegte Geschichte des weithin sichtbaren Wahrzeichens der Stadt. „Das Kloster Calvarienberg hat eine lange Tradition und kennzeichnet die Stadt auf besondere Weise. Dieses besondere und gleichermaßen ambitionierte Projekt würdigt das Kloster noch einmal und stellt seinen besonderen Charakter heraus“, so Orthen in einer Pressekonferenz im Rathaus.

Entscheidung über Hotel mit 100 Betten soll bis 2022 fallen

Auf dem Gelände des ehemaligen Klosters, das 1630 von den Franziskanern gegründet und 2017 von den Ursulinen aufgegeben worden war, sollen insgesamt fast 130 Wohneinheiten und kleinere Gewerbeflächen entstehen. Am liebsten würde man dort auch ein Hotel mit 100 Betten integrieren, doch dafür findet sich derzeit kein geeigneter Betreiber, bedauert Architekt Roland Breunig. Dennoch möchte man sich diese Option noch offenhalten bis Anfang 2022, denn damit entscheide sich auch die weitere Ausgestaltung und Entwicklung des Calvarienbergs.

Derzeit sind bis zu 5000 Quadratmeter Wohnfläche allein im Kloster geplant, wo nach umfangreichen Umbauarbeiten in der „hervorragenden Bausubstanz“ 70 Wohneinheiten zwischen 35 und 100 Quadratmetern entstehen sollen. Die Fassade soll weitestgehend unverändert bleiben. Den alten Holzbackofen will man reaktivieren als Mittelpunkt einer 1200 Quadratmeter großen Gastronomie mit Terrasse. In den Wirtschaftsgebäuden unterhalb des Klosters ist nach der Sanierung eine 1480 Quadratmeter große Gewerbefläche für mehrere kleine Läden und Manufakturen vorgesehen. Die ehemalige Klosterkirche, die mittlerweile profaniert ist, soll als weltlicher Veranstaltungsraum und Ausstellungsgelände dienen, natürlich unter Berücksichtigung der bisherigen Nutzung als Gotteshaus.

Acht Mehrfamilienhäuser auf der Fläche des ehemaligen Klostergartens

Gänzlich neuer Wohnraum soll entstehen im ehemaligen Klostergarten, der derzeit noch von einer Gärtnerei genutzt wird. Dort sollen acht Mehrfamilienhäuser mit jeweils drei Wohneinheiten zwischen 65 und 95 Quadratmetern sowie zehn Reihenhäuser mit einer Wohnfläche von jeweils 185 Quadratmetern entstehen. Die Gebäude sollen sich an die umliegenden Wohnhäuser anpassen und an junge Familien verkauft werden.

Weiteres bauliches Element ist der „Grüne Vermittler“ mit seinen vier Vollgeschossen und drei Staffelgeschossen. Er soll einen Übergang zwischen der Bebauung des dominierenden Klosters auf der einen Seite und moderner Architektur auf der anderen Seite darstellen, ohne jedoch die Wirkung des weiterhin prägenden Klosterbaus zu verstellen, und ein Zeichen für den neuen Abschnitt in der Geschichte des Klosters setzen. Hier können sich die Projektentwickler neue Wohnformen wie Mehrgenerationenwohnen oder integrative Wohngruppen vorstellen.

„Wohnen im Weinberg“ unterhalb der Klosteranlage geplant

Schließlich sollen zehn Wohneinheiten zwischen 120 und 180 Quadratmeter unterhalb der Klosteranlage in der Hanglage als „Wohnen im Weinberg“ angelegt werden. Diese großzügigen Eigentumswohnungen in einer terrassenartigen Anordnung sollen den künftigen Bewohnern in einem gehobenen Wohnambiente einen hervorragenden Blick auf die Weinhänge des Ahrtals ermöglichen.

Viele Gedanken haben sich die Projektentwickler über das künftige Mobilitätskonzept gemacht. So sollen unter den Wohnquartieren auf dem ehemaligen Klostergarten eine Art oberirdische Tiefgarage entstehen für mehr als 200 Fahrzeuge, ebenso soll das „Wohnen im Weinberg“ praktisch auf dem Dach einer Parkpalette errichtet werden. Alles in allem sollen knapp 400 Parkplätze für Bewohner und Besucher vorgehalten werden.