1. Region
  2. Ahr & Rhein
  3. Bad Neuenahr-Ahrweiler

Verkehr im Kreis Ahrweiler: Kreis Ahrweiler wehrt sich gegen Motorradlärm

Verkehr im Kreis Ahrweiler : Kreis Ahrweiler wehrt sich gegen Motorradlärm

Vereint gegen Motorradlärm: Der Kreis Ahrweiler sowie die Verbandsgemeinden Adenau und Altenahr sind der Initiative „Silent Rider“ beigetreten. Die Kommunen fordern Tempolimits für Kradfahrer und Sperrungen auf Strecken zum Nürburgring.

Wenn Guido Schmitz einen Pulk von Motorrädern sieht, liegen bei ihm die Nerven blank. Der Ortsbürgermeister von Kesseling gehört zu den Vorkämpfern für temporäre Fahrverbote oder zumindest Tempolimits für zweirädrige PS-Boliden. Damit steht er im Kreis Ahrweiler nicht allein.

Schon seit Jahren kämpfen Bürger der Mittelahr, die vom Durchgangsverkehr auf den Nebenstrecken zum Nürburgring besonders betroffen sind, gegen Motorradraser und Motorradlärm (der General-Anzeiger berichtete).

Auch aus diesem Grund sind der Kreis Ahrweiler, in dem es aktuell 8665 Motorradfahrer gibt, sowie die Verbandsgemeinden Altenahr und Adenau der Initiative „Silent Rider“ beigetreten. Diese überschreitet Ländergrenzen und wird von Karl-Heinz Hermanns, Bürgermeister der Eifelgemeinde Simmerath, geführt.

Hermanns übt deutliche Kritik an Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer. Denn der Bundesrat hatte sich Mitte Mai für die Realisierung diverser Maßnahmen ausgesprochen, durch die unnötiger Motorradlärm vermieden werden könnte. Darunter befand sich auch die Empfehlung, temporäre Verkehrsverbote für Motorräder an Sonn- und Feiertagen zu ermöglichen.

In der Folge hatten Tausende von Motorradfahrern in mehreren deutschen Städten gegen Fahrverbote demonstriert. Scheuer hatte daraufhin verlautbaren lassen, dass er die Beschlüsse des Bundesrats nicht umsetzen werde.

„Dass sich die Wut der Motorradfahrer an den vom Bundesrat empfohlenen Wochenend-Fahrverboten entzündet hat, war zu erwarten. Wir als Silent Rider fordern eine solche Sperrung nicht“, betont Hermanns. Es sei „allerdings kaum zu glauben“, dass Minister Scheuer auch alle anderen Forderungen des Bundesrates nicht umsetzen wolle.

Dazu gehört, dass Polizisten das Recht haben, Fahrzeuge bei gravierenden Lärmüberschreitungen sofort sicherzustellen oder an Ort und Stelle zu beschlagnahmen. Weiter müsse eine Lösung dafür gefunden werden, dass Raser häufig einer Strafe entgingen, weil sie aufgrund der Helmpflicht und fehlender Frontkennzeichen am Motorrad nicht erkannt würden. Auch bei der Haftung macht der Bundesrat Änderungen geltend, um die Halter eines Motorrads zumindest für die Kosten der Erstellung eines Bußgeldbescheids belangen zu können.

„Als Verein gehen wir davon aus, dass Minister Scheuer sowohl die Interessen der Motorradfahrer als auch die Interessen von Zehntausenden von lärmgeplagten Menschen in ganz Deutschland an beliebten Motorradstrecken berücksichtigt“, erläutert Hermanns.

Zurück zu Guido Schmitz und den Motorrädern im Kreis Ahrweiler. Er kämpft seit Jahren mit seinem Bürgermeisterkollegen Peter Richrath aus Antweiler für mehr Sicherheit und Ruhe auf den Straßen. Beide nennen ein aktuelles Beispiel: „Auf der Straße von Antweiler nach Rodder finden regelmäßig Rennen statt. Und dort kreuzt der Radweg diese Rennstrecke. Die Motorradfahrer fahren diese Strecke zum Teil einfach nur hin und her. Soll hier auch gewartet werden, bis es zu einem schweren Unfall kommt wie erst jüngst zwischen Kesseling und Kaltenborn, als ein 19-Jähriger sein Leben verlor? Die Straße gehört sofort für Motorräder gesperrt.“

Für das Kesselinger Tal als beliebte Zufahrtsstrecke zum Nürburgring hat der Ortsgemeinderat von Kesseling sich bereits für Sofortmaßnahmen ausgesprochen. Dazu gehören sowohl innerörtliche wie außerörtliche Tempolimits sowie Beschilderungen und Sperrungen für Fahrzeuge ab 7,5 Tonnen. Damit stehen die Kesselinger nicht alleine. Schon seit Jahren fordern die Bürger von Obliers und Lind eine zumindest temporäre Sperrung ihrer Ortschaften für zum Nürburgring fahrende Motorräder. Bislang ohne Erfolg. Guido Schmitz will mit seinen Bürgermeisterkollegen weiter in die Offensive gehen, um mit Nachdruck für Lösungen zu sorgen. Da soll Silent Rider hilfreich sein. Aber auch eine Forderung der Grünen-Bundestagsabgeordneten Tabea Rößner bei einem Ortstermin: „Es müssen mehr Blitzer her.“

Und die jüngste Antwort auf die Eingaben von Schmitz aus dem Ahrweiler Kreishaus lautete: „Aufgrund Ihres Wunsches werden wir die Beschilderung im Kesselinger Tal noch einmal überprüfen lassen. Zu diesem Zweck werden wir den Vorgang mit Ihren zahlreichen Eingaben an unsere vorgesetzte Dienststelle in Verkehrsangelegenheiten, den Landesbetieb Mobilität Koblenz, zur Überprüfung leiten.“