Umweltausschuss berät Gesamtkonzept Kreis will Ahr-Wiederherstellung und Hochwasserschutz ankurbeln

Kreis Ahrweiler · Nach der Flutkatastrophe muss ein durchdachtes Gesamtkonzept mit aufeinander abgestimmten Maßnahmen erarbeitet werden. Das braucht Zeit, birgt aber die Chance, eine Vorreiterrolle im Bereich der Hochwasservorsorge einzunehmen. Nähere Details verrät Landrätin Cornelia Weigand im Kreis- und Umweltausschuss.

Der Kreis Ahrweiler tüftelt knapp ein Jahr nach der Flut an einen Gesamtkonzept, das Maßnahmen zur Wiederherstellung der Ahr und zum Hochwasserschutz vereint. Dabei sollen unter anderem Faktoren berücksichtigt werden, die im vergangenen Juli zur Zerstörung von Brücken und der verheerenden Situation im Ahrtal führten.

Der Kreis Ahrweiler tüftelt knapp ein Jahr nach der Flut an einen Gesamtkonzept, das Maßnahmen zur Wiederherstellung der Ahr und zum Hochwasserschutz vereint. Dabei sollen unter anderem Faktoren berücksichtigt werden, die im vergangenen Juli zur Zerstörung von Brücken und der verheerenden Situation im Ahrtal führten.

Foto: dpa/Boris Roessler

Es tut sich einiges in Sachen Wiederherstellung der Ahr und Hochwasservorsorge im ganzen Kreis Ahrweiler. Das machte Landrätin Cornelia Weigand (parteilos) im Kreis- und Umweltausschuss deutlich. Nach der verheerenden Flutkatastrophe sei die Erwartung berechtigt, dass der Hochwasserschutz insbesondere im Ahr-Einzugsgebiet deutlich forciert und konkrete Maßnahmen möglichst schnell umgesetzt werden. „Einzelne, schnell umgesetzte Maßnahmen führen jedoch nicht zu einem nachhaltigen Erfolg. Vielmehr muss ein durchdachtes Gesamtkonzept mit aufeinander abgestimmten Maßnahmen erarbeitet werden. Doch das benötigt eine gewisse Zeit.“ Zudem solle die Chance genutzt werden, Erkenntnisse aus wissenschaftlichen Projekten einzubinden, um eine Vorreiterrolle im Bereich der Hochwasservorsorge einzunehmen, um dem Ziel einer angestrebten „Modellregion Ahr“ gerecht zu werden.

■ Hochwasserpartnerschaft Ahr: Zu einer wirksamen Hochwasser- und Starkregenvorsorge gehören nicht nur bauliche Hochwasserschutzmaßnahmen, wie der Bau von Regenrückhaltebecken oder Dämmen, sondern eine Vielzahl von Bausteinen mit verschiedenen Akteuren. Hochwasser- und Starkregenvorsorge können daher nur gemeinschaftlich erreicht werden. Diesem Ziel diene die „Hochwasserpartnerschaft Ahr“, die schon seit 2014 aktiv sei. Nach der Flutkatastrophe habe man sich intensiv mit den unterschiedlichen Bausteinen eines überörtlichen Hochwasservorsorgekonzepts beschäftigt. „Wichtig dabei ist auch, das gesamte Einzugsgebiet der Ahr über die Kreis- und Landesgrenze hinweg zu betrachten“, so die Landrätin. Daher seien in die Hochwasserpartnerschaft auch angrenzende Kommunen eingebunden.

■ Gewässerwiederherstellungskonzept: Der Kreis erstellt derzeit ein Gewässerwiederherstellungskonzept für die Ahr und ihre Zuflüsse. Bedingt durch die enormen Wassermengen und Fließgeschwindigkeiten bei der Flut sei es am Gewässerbett der Ahr und ihren Zuflüssen zu großen Abtragungen und Anlandungen sowie stellenweise zu Veränderungen des Gewässerverlaufs gekommen. Die veränderten Uferbereiche wurden im Rahmen der Katastrophenbewältigung teilweise ohne fachliche Begleitung wieder aufgeschüttet. Dadurch wurde der zuvor von der Ahr neu geschaffene Verlauf in Teilbereichen erneut eingeengt und potenzielle Retentionsflächen abgeschnitten. Das Gewässerwiederherstellungskonzept sei die Grundlage für die Gefahrenbeseitigung zur Verbesserung des Abflusses und der Gewässerstruktur. Hierbei sollen besonders die Wiederherstellung der Gewässerökologie, die Schaffung von Rückhaltefunktionen sowie die Schaffung von Abflussflächen in besiedelten Bereichen im Vordergrund stehen.

■ Vereinbarung mit der Kreisstadt über die Wiederherstellung der Ahr: Im urbanen Bereich sei die Abgrenzung der Zuständigkeiten schwierig, erläuterte Kreis-Geschäftsbereichsleiterin Anja Toenneßen. Der Kreis sei für die Wiederherstellung der Ahr und die Stadt für die Wiederherstellung der städtischen Infrastruktur zuständig, wozu auch die Brücken gehörten. Zudem habe die Gestaltung der Ahr und ihres Ufers auch Auswirkungen auf die Stadtplanung und -gestaltung und müsse darauf abgestimmt werden. Vor diesem Hintergrund soll die Wiederherstellung der Gewässer und der städtischen Infrastruktur aus einer Hand geplant und umgesetzt werden. Mit einer Vereinbarung über die Wiederherstellung der Ahr werde die Stadt beauftragt, bei der Wiederherstellung der städtischen Infrastruktur auch die Gewässerwiederherstellung zu planen und umzusetzen.

■ Umsetzung überörtlicher Maßnahmen: In einer Kooperation mit den Städten und Verbandsgemeinden wolle der Kreis einen Plan zur Umsetzung und Weiterentwicklung überörtlicher Hochwasser- und Starkregenvorsorgemaßnahmen erstellen. Das Erstellen des Planes soll von allen neun Kooperationspartnern zu gleichen Teilen finanziert werden, wobei das Land eine Förderung von 90 Prozent in Aussicht gestellt habe. Fachbüros sollen die vorhandenen oder in Aufstellung befindlichen örtlichen Starkregen- und Hochwasservorsorgekonzepte in Bezug auf die Hochwasserschutzmaßnahmen auswerten, vereinheitlichen und zusammenführen. Dann sollen diese unter Berücksichtigung der Erkenntnisse aus der Flutkatastrophe weiterentwickelt und um überörtliche Aspekte ergänzt werden. Schließlich will man strukturelle Vorschläge für eine effiziente Umsetzung der daraus resultierenden Hochwasserschutzmaßnahmen erarbeiten.

■ BMBF-Forschungsprojekt KAHR: Um wissenschaftliche Ansätze in den Prozess der Hochwasservorsorge einzubringen, hat sich der Kreis als Praxispartner dem bundesweiten Forschungsprojekt „KAHR“, einem Verbundprojekt von Universitäten und Forschungsinstituten, angeschlossen. Ein Schwerpunkt des Projekts sei die Weiterentwicklung der Hochwasservorsorge. Derzeit beschäftige man sich mit Untersuchungen zum Einfluss der Verklausungen von Brücken. Außerdem gehe es um den natürlichen und technischen Gewässerrückhalt in der Fläche.