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Lage im Ahrtal: Neue anhaltende Starkregenfälle bleiben aus

Lage nach der Flutkatastrophe : Glücklicherweise blieb neuer Regen an der Ahr weitestgehend aus

Das für das Wochenende aufgebaute Notaufnahmelager in Leimersdorf nutzten nur wenige Anwohner. Die möglichen Starkregenfälle blieben glücklicherweise aus. Die Einsatzleitung im Katastrophengebiet gab Auskunft zur aktuellen Lage im Ahrtal.

Wann fällt genau wie viel Regen? Das zu prognostizieren ist nicht einfach. Und so blieb der angekündigte Niederschlag im Ahrtal am Wochenende weitestgehend aus. Noch am Freitag war man von der Möglichkeit ausgegangen, dass punktuell bis zu 60 Litern Regen fallen könnten. Punktgenau seien Prognosen jedoch frühestens sechs Stunden vor einem Ereignis möglich. Für eine gesunde Infrastruktur ist die angekündigte Maximalmenge kein Problem, im Krisengebiet aber ist die Kanalisation in großen Teilen zerstört oder mit Schlamm von der Flutwelle verstopft. Die Kanäle müssen dringend durchgespült werden, sind aber oftmals mit hohen Müll- und Schuttbergen bedeckt. Hinzu kommt, dass die Böden gesättigt sind, Wasser versickert nicht mehr, sondern läuft vollständig ab. Das wiederum könnte zu neuem Treibgut führen, welches sich an Brückenresten verfängt und das Wasser aufstaut.

Szenarien, die den Krisenstab animierten, ein weiteres Notaufnahmelager auf dem Leimersdorfer Sportplatz aufzubauen, dass bis zu 1000 Personen aufnehmen kann. Dazu wurden aus Richtung Oberahr und Kreisstadt Shuttle-Busverbindungen eingerichtet und den Menschen angeboten, freiwillig die Dörfer zu verlassen und die Nacht in Leimersdorf zu verbringen. Aber schon im Laufe des Samstags gab es Entwarnung und nur einen Landregen, der die massiven Staubaufwirbelungen eindämmte, dafür aber die Straßen wieder schlammig und rutschig werden ließ. Infolge der Entwicklung wurde das Notaufnahmelager auch nur von zehn Personen besucht, wird aber für die kommenden Tage noch aufrechterhalten.

In den kommenden Tagen soll es keinen Regen und wieder besseres Wetter geben, sagte Einsatzleiter Heinz Wolschendorf am Sonntagnachmittag. Grund zu Sorge vor neuen Fluten bestehe nicht. Wolschendorf berichtete, dass sich die Trinkwasserversorgung in manchen Orten noch immer schwierig gestalte. Die Versorgung der Bevölkerung sei nach wie vor vorrangiges Ziel der organisierten Helfer, deren Zahl derzeit bei 7500 liegt, von denen allein 2500 das Technische Hilfswerk (THW) stellt. Auch die Bundeswehr ist mittlerweile mit 1000 Kräften im Einsatz. Ebenfalls berichtete der Einsatzleiter, dass es nun in allen Orten Duschcontainer gebe. Zudem ist am Bahnhof Altenahr in den kommenden Tagen ein Impfbus stationiert, an dem die Bevölkerung Corona-Schutzimpfungen erhalten kann. Der Bus kann aber derzeit nur zu Fuß erreicht werden.

Vermisstenzahlen könnten bald stark sinken

Keine Veränderungen gibt es seit zwei Tagen bei den Opferzahlen, betonte Florian Stadtfeld vom Polizeipräsidium Koblenz. Zu den 132 Toten, von denen mittlerweile mehr als die Hälfte einwandfrei identifiziert ist, kommen 762 Verletzten und 149 vermisste Personen. Bei der Suche nach den Vermissten hegte Stadtfeld leise Hoffnungen, dass diese Zahl in den kommenden Tagen weit nach unten gehe und man viele Fälle aufklären könne, ohne dass die Opferzahlen steigen. Die Polizei geht aktuell davon aus, dass viele Vermisste bei Verwandten und Bekannten untergekommen sind und sich noch nicht bei den Behörden gemeldet haben. Unter anderem stellt die nahe Landesgrenze zu Nordrhein-Westfalen (NRW) ein Problem für die rheinland-pfälzische Polizei dar, da möglicherweise viele Menschen nach NRW flüchteten und dort nicht registriert wurden.

Unterdessen registriert die Polizei, die mit 1000 Kräften vor Ort ist, ein anderes Problem. Es gab erste verifizierte Meldungen von Anfeindungen gegen organisierte Rettungskräfte des Technischen Hilfswerks. Darüber war zunächst in den sozialen Medien berichtet worden, jetzt hat die Polizei erste Erkenntnisse. Stadtfeld wollte nicht ausschließen, dass die verbalen Angriffe sowie das Bewerfen mit Matsch von Personen ausgehen, die der Queerdenker-Szene nahe stehen. „Wir werden hier jedem einzelnen Hinweis nachgehen“, kündigte der Polizeisprecher ein konsequentes Vorgehen an.

Stadtfeld forderte die Menschen zudem auf, die Informationspunkte in den Orten zu besuchen, insbesondere dort, wo Strom und das Internet noch nicht funktionierten, seien diese Punkte wichtig für die Information der Bevölkerung: „Dort ist auch immer die Polizei vor Ort, das kann man mit mobilen Wachen vergleichen.“