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Mayschoß: Weinfest nach dem Hochwasser - Auftritt von Brings und De Räuber

„Brings“ und „De Räuber“ spielen für Helfer : Nach der Flutkatastrophe feiert Mayschoß sein einziges Weinfest 2021

Die Menschen in Mayschoß haben nach der Hochwasser-Katastrophe zusammen mit Helfern und Nachbarn ihr einziges Weinfest für dieses Jahr gefeiert. Brings und „De Räuber“ ließen die Zerstörung rundum für ein paar Stunden in den Hintergrund treten. Ganz vergessen waren Flut und Opfer aber nicht.

Das von der Flutkatastrophe so stark mitgenommene Winzerdorf Mayschoß an der Mittelahr hat es fertiggebracht, seine Einwohner, Helfer und Gäste für ein paar Stunden wie in eine andere Welt zu versetzen. Am Samstagabend verhinderte die zunehmende Dunkelheit zwangsläufig die Sicht auf Schutt und Hausruinen mit ihren kahlen Fensteröffnungen. Die Blicke richteten sich so in die umgebenden Weinberge, wo 1000 Flammschalen Wege nachzeichneten und abstrakte Bilder schufen. Von der Ruine der Saffenburg leuchteten bengalische Feuer, im Wingert Richtung Laach war in großen Buchstaben zu lesen: „DANKE“. Und über allem erhob sich der Mond zunächst vorsichtig am Horizont zwischen letzten Wolken, dann aber selbstbewusst und strahlte in die Nacht. Mayschoß feierte mit drei Kölner Bands zumindest einen Abend lang Weinfest.

Der leuchtend installierte Dank richtete sich an die Helfer, meist Fremde von überall her, die den Mayschossern mittlerweile über mehr als drei Monate geholfen haben und noch helfen, ihr Dorf aufzuräumen und mit Wasser und Strom wenigstens teilweise wieder bewohnbar zu machen. Mit großem Gerät haben sie Trümmer beseitigt, Treibgut fortgeschafft und dabei in den allereinfachsten Quartieren geschlafen. Schließlich sind sie mit in die Steillagen der Weinberge gegangen, um die Ernte, den Weinjahrgang 2021, einzubringen. Neue Hoffnung für die Menschen an der Ahr.

Der Fluss war in das Spiel einbezogen. Lichter zeichneten einen Teil der Ufer nach, als großes, flammendes Herz aufgestellt erinnerten sie an die Menschen, aus der Verbandsgemeinde Altenahr, die in der Katastrophe ihr Leben verloren haben: 34 Tote sind zu beklagen, noch zwei Menschen werden vermisst.

Botschaft der „Räuber“ an Mayschoß: „Ihr habt Unmenschliches geleistet“

Energische Rhythmen ließen jedoch wenig Zeit für Romantik und den Zauber der Umgebung schnell vergessen. Drei Kölner Bands begeisterten beim Benefizkonzert für das Winzerdorf, spielten ohne Unterlass, animierten zum Schunkeln und Tanzen, dass keiner Lust hatte, auf einer der Holzbänke sitzenzubleiben. Dass Mayschoß nah an Köln ist, dass die Mentalität passt, war leicht zu erkennen. Die dicht gedrängte Gesellschaft, darunter viele Angehörige der jüngeren Generation, ging unverzüglich mit, musste überhaupt nicht animiert werden. Den Anfang machte „Brings“, gefolgt von den „Hofnarren“, die gleich eine Bühne mitgebracht hatten. Als die „Hofnarren“ ihr „Halleluja“ anstimmten, verbreitete ein kleines Feuerwerk von der Saffenburg seinen Funkenregen. Dann folgten „De Räuber“, seit 30 Jahren fester Bestandteil des Kölner Karnevals. „Ihr habt Unmenschliches geleistet, lasst es euch gutgehen“, hieß ihre Devise. Und: „Kumm loss jonn, Mädche tanz mit mir, tanz die ganze Nacht“. Auch Werbung für die Domstadt war dabei: „Kölsche junge bütze jood wie die Stars in Hollywood.“ Stimmung und Musik, die die zerstörte Umgebung für Stunden vergessen ließen.

 Nach der Flutkatastrophe in Mayschoß: „Wir können stolz auf das sein, was wir bisher geleistet haben.“

„Auch wenn unser Ort aktuell kaum wiederzuerkennen ist, nichts mehr so ist, wie es einmal war, haben wir dank der großartigen Unterstützung und mit der Hilfe der vielen Freiwilligen viel geleistet“, sagte der erste Beigeordnete der Gemeinde, Hartwig Baltes, zur Begrüßung des bunt gemischten Publikums. Dabei waren zahlreiche Mayschosser und Besucher aus umliegenden Orten, aber nicht mehr viele Helfer. Die Weinlese ist unterdessen weitgehend abgeschlossen. „Wir können stolz auf das sein, was wir bisher geleistet haben, und dankbar für die Hilfe, die wir dabei erfahren haben“, sagte Baltes. Zur Wahrheit gehöre aber auch, „dass wir noch einen langen und harten Weg vor uns haben“.

„Ich bin mir sicher, dass wir den Wiederaufbau in unserem Dorf gemeinsam schaffen“, zeigte er sich zuversichtlich. Die vergangenen 100 Tage hätten gezeigt, „dass wir in Mayschoß zusammenhalten und dass wir unser Dorf und unsere Heimat wieder aufbauen wollen“.

 Lichter am Flussufer erinnern an die Opfer der Flutkatastrophe.
Lichter am Flussufer erinnern an die Opfer der Flutkatastrophe. Foto: Martin Gausmann

Feuerwehren, Ortsvereine und Sponsoren machten das Helfer-Fest in Mayschoß möglich

Im Namen der Gemeinde dankte Baltes allen, die zum Gelingen des ungewöhnlichen Festes beigetragen hatten: den Feuerwehrangehörigen und ihren Familien sowie befreundeten Wehren aus Neustadt an der Weinstraße und der Gemeinde Kollweiler. Sie hatten die Lichter aufgestellt und das Fest organisiert. Verpflegung gab es mit thailändischen Gerichten und deutscher Currywurst. Die Winzergenossenschaft hatte den Weinstand betreut, die Junggesellen waren für die Versorgung mit Bier zuständig. Glanz verliehen dem Abend die Weinmajestäten aus Mayschoß und der Nachbarschaft. Der Verkehrs- und Verschönerungsverein hatte die Flammschalen beschafft und sich an der Finanzierung des Festes beteiligt, wie auch die Volksbank und die Kreissparkasse als Sponsoren.

Während in der Regel an allen Wochenenden im Oktober in Mayschoß ein Weinfest gefeiert wird, zu dem sonst Tausende strömen, blieb es diesmal bei dem einen Abend in begrenzter Runde, dafür aber in großer Gemeinsamkeit.

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