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Zerstörte Infrastruktur an der Ahr: Nur zwei Brücken sind im Stadtgebiet Bad Neuenahr-Ahrweiler heil geblieben

Zerstörte Infrastruktur an der Ahr : Nur zwei Brücken sind im Stadtgebiet Bad Neuenahr-Ahrweiler heil geblieben

Es gibt kleine Hoffnungszeichen: Mehr als die Hälfte Bad Neuenahr-Ahrweilers ist jetzt mit Wasser versorgt. Die Menschen haben auch teils wieder Strom. Experten sichten weiter das Ausmaß der Zerstörung an der Ahr.

Bereits bei einem der ersten Treffen des Krisenstabs der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler am Donnerstag, 15. Juli, nach der Katastrophennacht war allen Beteiligten der Runde klar, welche große Rolle die Zahl der noch verfügbaren Brücken auf die Katastrophenhilfe der nächsten Tage haben würde. Der südliche Teil der Stadt war über Tage fast isoliert – lange nur über eine Brücke erreichbar. „Nur die Brücke in Lohrsdorf ist aktuell für die Einsatzkräfte nutzbar“, bestätigte damals Wehrführer Richard Lindner.

Die große Sankt-Pius-Brücke im Herzen der Stadt war zu dieser Zeit noch fast komplett unter den braunen Wassermassen vergraben, wie Drohnen-Aufnahmen des THW zeigten, und es gab keine große Hoffnung auf ihre Rettung. Doch sie hat standgehalten. Und nachdem sich das Wasser zurückgezogen, und Statiker die Belastbarkeit geprüft hatten, war sie in den ersten Tagen der Katastrophe nur für Einsatzkräfte und Fußgänger reserviert. Aktuell steht sie wieder allen Anwohnern und Helfern zur Verfügung, was das Leben erheblich vereinfacht und Fahrtzeiten von einem zum anderen Ufer von 45 Minuten (über die Autobahnauffahrt Niederzissen und die Ahrtalbrücke der A 61) auf fünf verkürzt.

Ausmaß der Schäden ist noch schwer zu ermessen

Wie groß die Schäden entlang der ganzen Ahr, von Schuld bis zum Mündungsgebiet in Sinzig sind, ist noch schwer zu ermessen. Innenminister Roger Lewentz (SPD) sprach in einer Sondersitzung des Landtags von 62 zerstörten und 13 beschädigten Brücken im Landkreis Ahrweiler. Es handele sich dabei um Fußgänger-, Pkw- und Eisenbahnbrücken und die Informationen beruhten auf Meldungen der Einsatzkräfte vor Ort, wie sein Ministerium auf Anfrage des GA mitteilt.

Der Landesbetrieb Mobilität Rheinland-Pfalz (LBM) in Koblenz dagegen kann diese Zahl nicht bestätigen. „Wir haben noch keine Informationen zu zerstörten Brücken herausgegeben und erwarten frühestens Mitte nächster Woche Ergebnisse“, so die Pressesprecherin des Betriebs. „Das Ausmaß ist noch nicht abschätzbar.“ Prüfer seien vor Ort, um zu schauen, welche Brücken saniert werden können oder abgerissen werden müssen.

Einige Orte sind immer noch komplett abgeschnitten

Es gebe auch noch Orte, die komplett abgeschnitten seien, dazu zähle Mayschoß im Kreis Ahrweiler. Als markante Beispiele für im Kreis zerstörte Brücken nennt sie die Pkw-Brücke bei Sinzig auf der B 9 (der GA berichtete).

Bereits vom GA berichtet wurde auch über eine Behelfsbrücke in Rech, die die getrennten Ortsteile nach vier Tagen wieder verbunden hat. Sie dürfte zudem die einzige Querungsmöglichkeit in diesem Ahrabschnitt für viele weitere Anwohner, auch aus den Nachbardörfern wie Dernau oder Marienthal, sein.

Auch weiter südwestlich in Insul, nicht weit von Schuld, gibt es eine Behelfsbrücke. Ein schneller, dauerhafter Brückenersatz ist in Planung. „Die aktuelle Behilfsbrücke wird am Samstag ab 10 Uhr abgebaut, damit sie durch erwartende Regenabläufe nicht beschädigt wird“, schreibt Andreas Solheid, Pressewart der Feuerwehren der Verbandsgemeinde Adenau. „Ab kommender Woche Dienstag soll dann die feste Brücke, die auch stehen bleibt, aufgebaut werden.“ Ein Notfallpersonenverkehr über die Ahr werde durch die Bundeswehr sichergestellt.

Aktuelle Behelfsbrücke in Insul wird am Samstag abgebaut

Auch im Bereich Wasserversorgung sind erste Erfolge erzielt. So gibt es seit Mitte der Woche die Erleichterung für Menschen aus Lohrsdorf, wieder an das Wassernetz angeschlossen zu sein.

Damit fließt nach über einer Woche in fast allen östlichen Teilen der Stadt Bad Neuen­ahr-Ahrweiler wieder Brauchwasser aus der Leitung – die Versorung in Ahrweiler, Bachem und Walporzheim ist dagegen noch nicht sichergestellt.

Der Leiter des Krisenstabs, Thomas Linnertz, sagte in der Pressekonferenz am Freitag, dass es immer noch große Probleme bei der Versorgung der Bevölkerung hinsichtlich der Versorgung mit Trinkwasser, Strom und Gas gebe. Daher läge der Schwerpunkt der Arbeit der Rettungskräfte weiterhin auf der Versorgung der Bevölkerung mit Nahrung, aber auch die Seuchenprävention nehme einen großen Teil der Arbeit ein.

Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler richte Info-Servicepoints ein

Damit Informationen rund um die Infrastruktur, wie Strom- und Wasserverfügbarkeiten, aber auch zu Standorten von Wassertanks und mobilen Stromaggregaten dort ankommen, wo sie so dringend benötigt werden – bei den betroffenen Menschen vor Ort –, hat die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler seit Mitte der Woche sogenannte Servicepoints angekündigt. An elf Standorten in der Stadt stünden täglich von 10 bis 18 Uhr städtische Mitarbeiter für Fragen zur Verfügung.

Zudem könnten dort Anträge für die Soforthilfen des Kreises und des Landes ausgefüllt und abgegeben werden. Sofern vorhanden, würden auch Handschuhe, Wasser, Masken und Arbeitsgerät verteilt.

(mit dpa)