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Projekt "Hand in Hand" soll Hausärzte entlasten

Pflege von chronisch kranken Menschen : Pilotprojekt soll Hausärzte entlasten

Seit Mitte März betreuen speziell ausgebildete Pflegekräfte bald 100 ältere Patienten in deren häuslichem Umfeld. Mit diesen regelmäßigen Hausbesuchen bei chronisch kranken, multimorbiden und in ihrer Mobilität eingeschränkten Senioren werden die Hausärzte entlastet.

„Ich wünsche mir, dass wir noch zahlreiche weitere Hausärzte vor allem im ländlichen Raum des Kreises Ahrweiler für dieses wegweisende Projekt Hand-in-Hand gewinnen können. Ich kenne bundesweit nichts Vergleichbares.“ Landrat Jürgen Pföhler fand bei seinem Besuch im Pflegeexperten-Center der Marienhaus Unternehmensgruppe deutliche Worte.

Seit Mitte März betreuen die speziell ausgebildeten Pflegekräfte bald 100 ältere Patienten in deren häuslichem Umfeld. Mit diesen regelmäßigen Hausbesuchen bei chronisch kranken, multimorbiden und in ihrer Mobilität eingeschränkten Senioren werden die Hausärzte entlastet. „Das, was die Mitarbeiter des Pflegeexperten-Centers bieten, könnten wir nicht leisten“, sagte Michael Berbig. Er ist Vorsitzender des Ärztenetzes im Kreis Ahrweiler, mit 13 anderen Hausärzten von Beginn an mit dabei.

Das sieht die AOK Rheinland-Pfalz/Saarland genauso, wie die Bevollmächtigte des Vorstandes, Christiane Firk, betonte. Die AOK ist Kooperationspartner, hat das Projekt von Beginn an mit unterstützt, „weil wir davon überzeugt sind, dass es uns gemeinsam gelingen kann, auch in Zeiten des demografischen Wandels die Patienten ambulant gut zu versorgen“.

Damit Hand-in-Hand im Kreis Ahrweiler ein Erfolg und auf Dauer eine Blaupause für andere ländlich strukturierte Gegenden in Deutschland werden kann, will Landrat Pföhler auch den Sozial- und Gesundheitsbeirat des Landkreises in das Projekt einbeziehen und alle Kommunen ermuntern, sich einzubringen. Denn damit Hand-in-Hand in die Gesundheits-Regelversorgung aller Krankenversicherter überführt werden kann, braucht es möglichst viele Teilnehmer. Sie sind Grundlage und Voraussetzung für valide Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitforschung.

In ländlichen Regionen steigt der Anteil älterer Menschen mit einem hohen medizinischen Versorgungsbedarf. Zugleich sinkt dort die Zahl der Ärzte. Ziel des Projekts Hand-in-Hand, das vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses mit rund acht Millionen Euro über einen Zeitraum von drei Jahren gefördert wird, ist es, Hausärzte bei der zeitintensiven Begleitung chronisch kranker Menschen zu unterstützen und zu entlasten. Etwa 1500 Patienten im Kreis Ahrweiler sollen daran teilnehmen.

Pflegeexperten, die an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar das Zusatzstudium Pflegeexpertise absolvieren, arbeiten seit Herbst 2019 in einem Pflegeexperten-Center in Bad Neuenahr. In enger Abstimmung mit den Hausärzten der Region suchen sie die Patienten zu Hause auf und betreuen sie. Wichtige Projektpartner der Marienhaus Holding GmbH als Konsortialführerin sind das Ärztenetz Kreis Ahrweiler und das Rechenzentrum Volmarstein, das eine elektronische Patientenakte beisteuert.

Bei der unabdingbaren wissenschaftlichen Begleitforschung sind das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen, die AOK Rheinland-Pfalz/Saarland, die Universität zu Lübeck und die Universität Köln beteiligt. Das Projekt ist mit der Aufbauphase im Sommer des vergangenen Jahres gestartet. Die ersten Patienten werden seit März 2020 betreut. Die Projektlaufzeit beträgt drei Jahre.

Nähere Informationen: www.pflegeexperten-center.de