Einmaliges Projekt im Kreis Ahrweiler Wenn Ehrenamtliche Hilfe benötigen, gehen sie in die diese Schule

Bachem · Ein einmaliges Projekt des Kreises Ahrweiler hilft in Vereinen tätigen Menschen bei den Herausforderungen, die freiwilliges Engagement mit sich bringt. Wir waren bei einem Treffen der Ehrenamtsschule dabei.

 Das Ehrenamt gibt es in vielen Facetten. Unser Symbolbild zeigt eine ehrenamtliche Mitarbeiterin der Tafel.

Das Ehrenamt gibt es in vielen Facetten. Unser Symbolbild zeigt eine ehrenamtliche Mitarbeiterin der Tafel.

Foto: picture alliance/dpa/Sven Hoppe

Gespannt nehmen die Teilnehmer der Ehrenamtsschule wieder Platz im Schulungsraum in der Ahrtal-Jugendherberge in Bachem. In lockerer Atmosphäre unterhalten sich die Ehrenamtler mit guter Laune untereinander. Die Stimmung lässt nicht vermuten, dass die Anwesenden an diesem Morgen bereits viele Fakten und Informationen zum Thema Steuerrecht und Finanzen gehört haben.

Die Ehrenamtsschule ist ein Projekt der Aktion „Weitermachen! Kreis Ahrweiler“ im Zuge des bundesweiten Projekts „Hauptamt stärkt Ehrenamt“. Das Ziel der Ehrenamtsschule ist die Förderung und Unterstützung von engagierten Ehrenamtlern. An vier aufeinanderfolgenden Wochenenden werden die Teilnehmer samstags und sonntags in vier unterschiedlichen Basismodulen in den Themenbereichen Vorsitz, Kasse, Öffentlichkeitsarbeit und Geschäftsführung kostenlos geschult.

Ziel dieser Schulungen ist es, den Ehrenamtlern Sicherheit zur Ausübung ihres Amtes zu geben und damit den gesamten Verein, in dem sie sich engagieren, für die Zukunft gut aufzustellen. Michaela Wolff von der Kreisverwaltung Ahrweiler, die für die Ehrenamtsschule verantwortlich ist, erklärt: „Während am Samstag, an unserem Fachtag, theoretisches Wissen zum jeweiligen Modul vermittelt wird, bekommen unsere Teilnehmer am Sonntag, dem Kompetenztag, wichtige praktische Tipps und Schlüsselqualifikationen für die Arbeit im Verein gezeigt.“

Hoher bürokratischer Aufwand und ein komplexes Steuerrecht macht es vielen Vereinsmitgliedern schwierig, ihr Ehrenamt sicher auszuüben. „Das Ehrenamt ist mit großen Herausforderungen verbunden“ erzählt etwa Ehrenamtlerin Claudia Züllighofen vom SV Gesundheitsschulung e.V. während der Pause. Michaela Wolff weiß, dass viele Ehrenamtler Angst haben, Ärger mit dem Gesetz zu bekommen, obwohl sie mit bestem Wissen und Gewissen handeln. Diese Unsicherheit versucht die Ehrenamtsschule den Engagierten zu nehmen. Dabei werden sie unter anderem von dem Rechtsanwalt Michael Röcken als Dozent unterstützt. „Ich möchte den Teilnehmern die rechtlichen Grundlagen so vermitteln, dass sie sich in ihrem Amt sicher bewegen können ohne in die Haftung zu rutschen“, erklärt der Experte im Gemeinnützigkeitsrecht.

Die Ehrenamtsschule wurde in Kooperation mit der Kreis-Volkshochschule Ahrweiler gegründet. Dafür wurde ein schon in der Wirtschaft erfolgreiches Modell in den Ehrenamtsbereich übertragen: die Unternehmer:innenschule der Kreiswirtschaftsförderung, welche Unternehmern praxisbezogenes Wissen in verschiedenen Themengebieten vermittelt. Bausteine aus diesem Konzept wurden für die Ehrenamtsschule übernommen.

Dass die Ehrenamtsschule mit ihren Alleinstellungsmerkmalen beispiellos in Deutschland ist, zeigt auch, dass diesmal sogar ein Teilnehmer aus dem ungefahr 140 Kilometer entfernten Hagen in Nordrhein-Westfalen zu Gast ist. Thomas Wißer von der Naturwissenschaftlichen Vereinigung Hagen e.V. erklärt: „Ich bin hier, weil es das so woanders nicht gibt.“ In der Heimat habe er bereits mit Hilfe von seinem neuen Wissen aus der Ehrenamtsschule angefangen, die Vereinssatzung in wichtigen Punkten zu überarbeiten.

Dass das erlernte Wissen einen direkten Praxisbezug für die ehrenamtliche Arbeit hat, schätzt Teilnehmerin Züllighofen besonders: „Es werden Unsicherheiten genommen und neue Wege und Gestaltungsmöglichkeiten aufgezeigt“. Begeistert erzählt sie von der hohen fachlichen Kompetenz der Dozenten und der guten Organisation und Struktur der Ehrenamtsschule. „Als Ehrenamtler ist man hier gut betreut und erhält in einer tollen Atmosphäre einen sehr guten Service“, äußert sich Züllighofen. Mit dieser Meinung ist sie an diesem Samstag nicht alleine. Und so warten dann alle Teilnehmer gespannt auf den zweiten Schulungsblock an diesem Tag.