Initiative hilft in Walporzheim Spenden-Projekt sorgt für praktische Fluthilfe

Walorzheim · Die Initiative „Spendenwelle Fluttaler“ organisiert und koordiniert nach der Hochwasserkatastrophe Wiederaufbauprojekte. Auch Wolfgang Welz aus Walporzheim greifen die Helfer unter die Arme. Projekte betreuen sie im gesamten Flutgebiet.

 Freuen sich auf die Inbetriebnahme ihrer neuen Küche, die Handwerker Frank Glaser montiert: Wolfgang Welz (l.) und Jutta Kroll aus Walporzheim. Das Projekt „Spendenwelle Fluttaler“ hat den Einbau ermöglicht.

Freuen sich auf die Inbetriebnahme ihrer neuen Küche, die Handwerker Frank Glaser montiert: Wolfgang Welz (l.) und Jutta Kroll aus Walporzheim. Das Projekt „Spendenwelle Fluttaler“ hat den Einbau ermöglicht.

Foto: Martin Gausmann

Vor Schmerz verzieht Wolfgang Welz das Gesicht – gespielt. Zwar erinnert ihn das schrille Sägegeräusch an einen Zahnarztbohrer. Gleichzeitig ist es Musik in den Ohren von Welz und seiner Lebensgefährtin Jutta Kroll. „Endlich passiert was“, sagt das Walporzheimer Paar. Chef und Mitarbeiter einer Karlsruher Firma bauen ihre Küche auf. „Die Schränke haben wir im Januar geschenkt bekommen, aber bis jetzt lagerten sie in der Garage“, sagt Kroll. Unter anderem weil nach der Hochwasserkatastrophe vielerorts begehrte Handwerker fehlen. Dass sie nun bald wieder kochen und auch die übrigen Räume im Erdgeschoss ihres Hauses beziehen können, verdanken die Walporzheimer der „Spendenwelle Fluttaler“. Einer Initiative, die Helfer Volker Sdun mit Gleichgesinnten gegründet hat.

Projektinitiatoren haben gute Kontakte zu Helfer-Initiativen

„An diesem Haus sieht man, was mit dem Projekt dank Spenden möglich ist“, sagt Sdun. Und nicht nur dank derer. Das Besondere an diesem Projekt sind laut Sdun „unsere Beziehungen zu Handwerkern, vor allem auch zu den Leuten der Initiativen Handwerker helfen und ‚Elektroseelsorge(r)“. Für Kroll und Welz ist das einer der Schlüssel dazu gewesen, dass im Erdgeschoss nun Wände, Böden und Küche fast fertig sind: „Wir warten seit Ende des Jahres mit vollständig gestelltem Antrag bei der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz auf Hilfen. Die größte Hilfe aber haben wir bisher über die Spendenwelle Fluttaler bekommen.“

Welz, der Frühpensionär ist und auf eine Hüft-OP wartet, berichtet, dass Sduns Lebensgefährtin ihn „an einem körperlichen und seelischen Tiefpunkt“ ansprach, als er beim Lichterfest im Winter in Walporzheim deprimiert in der Ecke saß. Welz: „Ich war erschöpft, und wir wussten nicht weiter. Keine Handwerker, kein Material, und wir konnten nicht viel selbst machen.“ Beide sind gesundheitlich eingeschränkt. „Aber seitdem Volker sich engagiert, läuft's.“

Betroffene und Paten bilden den Projektkern

Volker Sduns Stärken seien Organisation und das Knüpfen persönlicher Kontakte in der Region und darüber hinaus. Sdun spricht von „bestimmt 25 Gruppen und Helfern von Villingen bis Flensburg“. Er verhandele auch für Betroffene mit Firmen, weil es immer wieder „Schwarze Schafe“ gebe, die „für Murks“ Geld abknöpften. Nach der Flut hat Sdun zunächst Lebensmittel ins Tal gebracht. Seit Januar lebt der Rentner aus Königswinter-Bockeroth überwiegend in Mayschoß. „Das Projekt ist entstanden durch eine Gemeinschaft von Betroffenen und Paten“, sagt er. Fünf Gründungsparteien, darunter Augsburger und Nürnberger, hätten die „Spendenwelle Fluttaler“ ins Leben gerufen.

Die Gründer schauen sich die Flutbetroffenen, ihren Versicherungsstatus und die benötigte Hilfe an und entscheiden gemeinsam, wer wie unterstützt wird. Betroffenheitsbescheinigung, Offenlegung der Konten sowie eidesstattliche Erklärung, dass sonst kein Geld da ist, sind Pflicht. Insgesamt sechs Wiederaufbauvorhaben hat die „Spendenwelle Fluttaler“ bisher in Angriff genommen: drei in Ahrweiler, zwei in Mayschoß und eins in Walporzheim. Weitere, unter anderem in Hürth und Euskirchen, stehen an. Mehr als rund ein Dutzend Projekte gleichzeitig sollen es aber nie sein, um alles stemmen zu können. „Wir nehmen selber kein Bargeld in die Hand. Das läuft über den Verein ‚Paten für Katastrophenopfer‘“, so Sdun. Genauso sollen sich Spender, Helfer und Hilfesuchende am besten mit dem Betreff „Spendenwelle Fluttaler“per E-Mail an kontakt@paten-fuer-katastrophenopfer.de wenden.