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Krisenstab: 59 Menschen gelten noch als vermisst: Technisches Hilfswerk reduziert Einsatzpersonal

Krisenstab: 59 Menschen gelten noch als vermisst : Technisches Hilfswerk reduziert Einsatzpersonal

Die Lage im Katastrophengebiet verbessert sich kontinuierlich. Daher konnte die Zahl der eingesetzten THW-Helfer reduziert werden. Ab diesem Montag werden in Bad Neuenahr-Ahrweiler täglich 10000 Essen angeliefert und an zwölf Stellen ausgegeben. Zugleich gelten nach wie vor 59 Menschen als vermisst.

Dass das Technische Hilfswerk (THW) den Menschen im Ahrtal und den Kommunen in den nächsten Tagen und Wochen auf jeden Fall zur Seite stehen werde, machte der Leiter des THW-Stabs, Jörg Eger, am Dienstag vergangener Woche deutlich. In welcher Stärke dies passieren werde, sagte Eger nicht. Am Wochenende hat man nun die Zahl der eingesetzten Kräfte um ein Drittel reduziert.

Sprach Eger am Dienstag noch von 2500 THW-Helfern, vermeldete Einsatzleiter Heinz Wolschendorf am Samstag nur noch 1300 anwesende THW-Mitarbeiter. Diese sind überwiegend mit Spezialaufgaben wie dem Bau der Delta-Brücke an der Bad Neuenahrer Landgrafenstraße oder Aufräumarbeiten an der Mittelahr beschäftigt. Aktuell hat das THW ein halbes Dutzend Wasseraufbereitungsanlagen installiert, zwei davon am Krankenhaus Maria Hilf in Bad Neuenahr, das am Montag den Betrieb wieder aufnehmen will. Weitere Anlagen stehen in Schuld, Hönningen, Mayschoß und Kreuzberg. Gerade in der Verbandsgemeinde Altenahr funktioniert die Zusammenarbeit der organisierten und der freiwilligen Rettungskräfte besonders gut.

In den Abschnitten Sinzig und Adenau verbessert sich die Lage dagegen kontinuierlich, sodass hier Kräfte, die zur Sicherstellung der Versorgung der Bevölkerung eingesetzt wurden, abgezogen werden konnten.

Vornehmlich in Bad Neuen­ahr-Ahrweiler schloss der Krisenstab unlängst einen Catering-Vertrag ab, ab Montag werden in der Kreisstadt täglich 10 000 Essen angeliefert und an zwölf Stellen ausgegeben. Das entlastet auch die vielen privaten Initiativen von Nachbarschaften und Vereinen bis hin zu Schaustellern, die sich um die Verpflegung von Helfern und Betroffenen kümmern.

Auch die Zahl der eingesetzten Polizeibeamten aus ganz Rheinland-Pfalz und anderen Bundesländern reduziert sich. Waren es in der vergangenen Woche noch 1000 Polizisten am Tag und mehrere Hundert in der Nacht, die sich vorwiegend um die Sicherheit der Bevölkerung in der Krisenregion und die Verkehrslenkung kümmerten, berichtete Polizeidirektor Edmondo Steri in der Lagepressekonferenz am Sonntag noch von 470 Polizisten im Tageinsatz und 180 in der Nacht.

Steri sprach dabei von einem ruhigen Einsatzverlauf und einer stabilen und vergleichsweise nachrichtenarmen Lage. Das liegt nach seinen Angaben an den rückläufigen Such-, Berge- und Rettungseinsätzen. Auch die Zahl der „Katastrophen-Touristen“ ging merklich zurück, gleichzeitig reisen die freiwilligen Helfer fast ausnahmslos mit Shuttlebussen an.

„Die Erwartungshaltung der Verkehrsstörungen ist weniger bestätigt worden als am vergangenen Wochenende“, so Steri. Von den Polizeiinspektionen (PI) vor Ort funktionieren die PI Adenau und die PI Remagen komplett, die PI Bad Neuenahr-Ahrweiler ist technisch noch eingeschränkt, personell aber nicht.

Die Menschen im Ahrtal wurden am Samstagmittag wieder von Sirenenalarm aufgeschreckt. Hier handelte es jedoch nicht um eine Alarmierung, vielmehr wurden die Sirenen auf ihre Funktion hin getestet. In vielen Orten ist nämlich der Grundschutz wieder hergestellt. Allerdings wurden die freiwilligen Wehrleute nun für einige Tage in „Erholungsurlaub“ versetzt, um die Sicherstellung des Grundschutzes kümmern sich Einheiten aus anderen Kommunen, teilweise aus den Nachbarbereichen.

Bei den Opferzahlen gab es am Wochenende Schwankungen. Erst am Freitag wurde ein weiteres Todesopfer gemeldet, was am Samstag derart korrigiert wurde, dass die entdeckte Leiche im Hochwasserbereich bei Trier gefunden wurde und die Zahl von 135 Todesopfern eine Gesamtzahl für ganz Rheinland-Pfalz darstellt.

Allerdings wurden wohl am Wochenende im Bereich der Ahrmündung bei Kripp Leichenteile entdeckt, zu denen die Polizei am Sonntag noch keine endgültige Aussage machen konnte. Von den bestätigten 134 Toten im Ahrtal sind aktuell 87 identifiziert, 59 Menschen gelten noch als vermisst.