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Trinkwasser fehlt nach Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz - THW hilft

Hochwasser-Katastrophengebiet : THW versorgt Bad Neuenahr-Ahrweiler mit Trinkwasser

Viele Menschen im Hochwasser-Katastrophengebiet haben noch kein sauberes Trinkwasser. Nun gehen zwei mobile Aufbereitungsanlagen des Technischen Hilfswerk an den Start, die Tausende versorgen können.

Überall wird angepackt. Während Helfer und Anwohner in den Häusern des von der Flut hart getroffenen Bad Neuenahr-Ahrweiler räumen, schrubben und schleppen, kümmern sich Helfer des Technischen Hilfswerks (THW) um Trinkwasser. Denn das gibt es nach den großflächigen Überschwemmungen vielerorts nicht: Die Infrastruktur mitsamt Leitungen ist zerstört. Auch im Ortskern der Kurstadt im Norden von Rheinland-Pfalz haben viele Menschen in den ersten Tagen nach der Flut kein sauberes Wasser. Bislang.

Helfer des THW haben nun an einem Krankenhaus seit Samstag zwei mobile Trinkwasseraufbereitungsanlagen aufgebaut. Sie können 30.000 Liter Wasser pro Stunde aufbereiten und somit Tausende von Menschen in der Region versorgen, wie THW-Sprecher Michael Walsdorf sagte.

Voraussichtlich noch am Montag sollte das Trinkwasser an die Bürger abgegeben werden, ab Dienstag dann auch ins Netz des Krankenhauses eingespeist werden. Neben den beiden neuen Anlagen in Bad Neuenahr-Ahrweiler sorgt bereits eine weitere Anlage im Ort Schuld für sauberes Trinkwasser. Zudem gebe es eine weitere vierte Anlage in Bereitschaft: „Wir schauen gerade, wo wir die aufbauen.“

Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz: THW stellt sich auf längeren Einsatz mobiler Anlagen ein

Bei einem Besuch vor Ort dankte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) den Helfern. Er zeigte sich von den massiven Zerstörungen betroffen. „Wir erleben in diesen Tagen eine unfassbare Tragödie“, sagte er. „Ich habe in einem langen politischen Leben mit vielen Katastrophen in Bayern mit Wasser und Schnee so etwas noch nie erlebt“, sagte der Minister.

Es handele sich um eine Ausnahmesituation, „die wir auch bei aller Anstrengungen vor Ort nur in einem großen nationalen Kraftakt bewältigen können“. In Begleitung von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) und dem rheinland-pfälzischen Innenminister Roger Lewentz (SPD) sprach Seehofer mit den Helfern, auch in einer Akademie für Katastrophenschutz.

Das THW stelle sich auf einen längeren Betrieb der mobilen Anlagen ein, sagte Walsdorf. „Die Infrastruktur wird man nicht schnell reparieren können. Wir gehen von mehreren Wochen aus.“ Ein solcher Einsatz in Deutschland sei für das THW ungewöhnlich. „Wir säubern Trinkwasser häufiger temporär und partiell, wenn es zu Verunreinigungen kommt. Aber nicht in dieser Form.“ Ansonsten ist das THW meist in Krisengebieten im Ausland mit Trinkwasseraufbereitung im Einsatz.

Im stark zerstörten Bad Neuenahr-Ahrweiler holen die THW'ler das Wasser aus der Ahr, die rund 300 Meter Luftlinie vom Krankenhaus entfernt ist. Aus technischen Gründen müsse das Wasser auf der anderen Flussseite entnommen werden, sagte der Sprecher. Es wird dann durch einen großen dicken Schlauch, der an einem über den Fluss gespannten Drahtseil hängt, zur anderen Seite geleitet - dann quer durch den Kurpark, mit einer Schlauchbrücke über eine Straße bis zum Ziel. „Das war schon ein bisschen tricky, was wir da gebaut haben.“

Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz: Flusswasser wird stufenweise gereinigt

In riesigen Trinkwasserbecken wird das schmutzige Flusswasser dann stufenweise gereinigt. „Wir machen ein Wasser wie in einem Wasserwerk. Die gleiche Qualität.“ Geplant sei, dass das produzierte Trinkwasser mit Fahrzeugen auch in andere betroffene Orte gebracht wird.

Im stark zerstörten Schuld im Kreis Ahrweiler wird Wasser bereits so aufbereitet. Die Menschen holen sich das Wasser selbst ab. „Unsere Wasserversorgung ist total zusammengebrochen“, sagte Ortsbürgermeister Helmut Lussi (CDU). „Die Wasserleitungen müssen in Schuld komplett neu gelegt werden. Das wird Jahre in Anspruch nehmen.“

Bei der Hochwasserkatastrophe sind in Rheinland-Pfalz im Kreis Ahrweiler mindestens 117 Menschen ums Leben gekommen. Die Zahl der Verletzten wurde am Montag auf mindestens 749 Menschen beziffert. Zudem werden noch viele Menschen vermisst. Auch andere Regionen in der Eifel, im Kreis Trier-Saarburg und Trier-Ehrang haben bei der Flut große Schäden erlitten.

Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz: THW prüft, wo Behelfsbrücken gebaut werden können

Mit seiner Fachgruppe Sprengung und Brückenbau sei das THW derzeit dabei zu prüfen, wo in den nächsten Wochen Behelfsbrücken gebaut werden könnten, sagte Walsdorf. Ministerin Klöckner betonte, dass das Bundesverkehrsministerium mit Hochdruck daran arbeite, mit den Mobilfunkanbietern das Handy-Netz wieder in Gang zu bekommen. In weiten Teilen der Region funktioniere es noch nicht. Das erschwere auch die Arbeit der Hilfskräfte sehr.

Das THW ist dem Bundesinnenministerium unterstellt. Die Organisation hat den Angaben zufolge derzeit 2500 Helferinnen und Helfer in den Hochwassergebieten im Einsatz, um Menschen in Sicherheit zu bringen, Keller abzupumpen, die Stromversorgung sicherzustellen und um Schuttberge abzutragen.

(dpa)